Ponykarussell weg, Riesenrad da, Ärger bleibt

Weihnachtsmarkt-Ärger

Auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt wird es kein Ponyreiten mehr geben. Anstatt der zuletzt immer mehr kritisierten Reitbahn steht dort ein Riesenrad. Doch auch das sorgt für Streit.

Dortmund

, 15.11.2018, 11:53 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ponykarussell weg, Riesenrad da, Ärger bleibt

Steht jetzt in Dortmund statt in Duisburg: Ein Columbia-Riesenrad der Schaustellerfamilie Burghard. © Tobias Großekemper

Am Montag war es dann final: In diesem Jahr wird es kein Ponykarussell mehr auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt geben. Der Betreiber des Standes, an dem Kinder auf Ponys reiten konnten, hatte aus freien Stücken hingeworfen. Sein Fahrgeschäft war über die letzten Jahre immer mehr zum Politikum geworden. Den frei gewordenen Platz belegt jetzt ein Riesenrad, das eigentlich in Duisburg stehen müsste – doch auch um das Rad gibt es Streit.

Wann das genau losging, der Ärger um das Ponykarussell, das kann Patrick Arens vom Schaustellerverein „Rote Erde“ gar nicht so genau sagen. Am Anfang, 2001, war noch alles ruhig. Irgendwann meldete sich dann der Tierschutzverein, aber dessen Kritik blieb im Rahmen. Denn, das sagt die Stadt Dortmund: Jedes Jahr wurde das Ponykarussell vom städtischen Veterinär überprüft, jedes Mal gab es keine Beanstandungen.

Nicht am Anfang. Auch nicht, als 2009 die neuen „Leitlinien zur Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten“ umgesetzt wurden. In ihnen ist unter anderem festgelegt, dass „Pferde täglich zusätzlich zur Bewegung während des Reitens, Longieren oder Fahrens mehrere Stunden täglich die Möglichkeit haben, sich in einer frei wählbaren Gangart zu bewegen“. Und das Veterinäramt hatte auch bei der Fütterung („mindestens dreimal täglich Rauhfutter“) nichts zu beanstanden. Auch die Veterinäre aus anderen Städten fanden, wenn der Betrieb dort war, keine Mängel.

„Der ist gut zu seinen Tieren“

„Der ist gut zu seinen Tieren“, sagten die Schausteller unisono über ihren Kollegen Kaiser. Und Hans-Peter Arens, der Vater von Patrick, sagt auch heute, dass auf einen großen Weihnachtsmarkt ein Ponykarussell gehöre. Und wer sich um Tiere sorge, solle sich erst mal anschauen, wie die Menschen auf dem Westenhellweg mit ihren Hunden so umgehen.

An den Schaustellern hat es also nicht gelegen, dass die Kaisers mit ihren Ponys in diesem Jahr nicht mehr in Dortmund stehen. Es war der öffentliche Druck, der sich dann so ab 2012, 2013 aufgebaut hatte und der den Kaisers dann letztlich zu viel geworden sein muss.

Im vergangenen Jahr, als dem Oberbürgermeister von Tierschützern eine Unterschriftenliste übergeben wurde, um das Ponykarussell vom Weihnachtsmarkt zu bekommen und die Tierrechtsorganisation Peta wieder einmal gegen den Stand demonstrierte, lehnte Kaiser eine Berichterstattung über seinen Stand ab: Er wolle, so seine sinngemäße Begründung, sich nicht noch weiter zur Zielscheibe machen.

Probleme und Unfrieden in Duisburg

Am vergangenen Freitag ließ er den Schaustellerverein wissen, dass er in diesem Jahr nicht auf dem Weihnachtsmarkt stehen werde. Kurzfristig stand dann im Raum, dass er alternativ am gleichen Standort am Platz von Leeds ein historisches Holzpferdekarussell betreiben könnte. Aber auch diese Alternative, so erzählen es die Arens‘, habe der Mann dann am Montag letztlich verworfen. Also musste ein Ersatz her.

Die Szene ist eine übersichtliche, man kennt sich, und so fragten die Arens‘, sagen sie gestern, dann für den Weihnachtsmarkt bei der in Dortmund wohnenden Schaustellerfamilie Burghard nach. Die betreiben zum Beispiel Glühweinstände – aber eben auch Riesenräder.

Michael Burghard sagte zu und stellte sein Riesenrad, 38 Meter ist es hoch und mit 26 Gondeln bestückt, in Dortmund auf. Gestern noch liefen die letzten Aufbauarbeiten. Was jetzt wiederum Probleme und Unfrieden in Duisburg bereitet.

Riesenrad-Betreiber hatte immer nach Dortmund gewollt

Denn dort sollte dieses Riesenrad eigentlich stehen. Michael Burghard sagt, dass er dazu eigentlich nicht viel sagen will. Nur so viel vielleicht: Er habe gute zehn Jahre in Duisburg gestanden und eigentlich immer auf den Dortmunder Weihnachtsmarkt gewollt, was bisher aus Platzgründen aber nicht geklappt habe. Aber Dortmund sei seine Heimatstadt und deswegen habe er gar nicht anders gekonnt, als zuzusagen.

Eigentlich wäre das auch alles kein Problem gewesen, denn der Plan sei gewesen, ein weiteres Riesenrad zu chartern und das dann in Duisburg aufzustellen. Nur habe sich das dann leider als defekt herausgestellt.

In Duisburg sieht man das alles ein wenig anders. Der dortige Weihnachtsmarkt wird von „Duisburg Kontor“ veranstaltet. Der Kontor-Sprecher Patrick Kötteritzsch sagt gestern, man habe mit dem Schausteller Burghard einen gültigen Vertrag. Der sei nicht eingehalten worden, jetzt prüfe man das mit einem Rechtsbeistand. Mehr möchte Kötteritzsch dazu im Moment nicht sagen, es handele sich ja nun um ein laufendes Verfahren.

Pony-Diskussion im Netz

In den sozialen Netzwerken wurde die Sache, als sie bekannt wurde, schnell ein großes Thema. Viel mehr als der Streit um das Riesenrad beschäftigt die Menschen auf Facebook aber das Aus für das Ponykarussell. Zeit sei es geworden, dass das jetzt endlich vorbei sei – in diesem Tenor kommentieren das die meisten Menschen. Und das so etwas überall abgeschafft werden sollte, es handele sich um Tierquälerei.

Einer nur kommentiert das etwas anders. Jetzt seien die Ponys arbeitslos und ein selbstständiger Unternehmer habe sein Einkommen verloren.

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