Die Vertreter verschiedener systemrelevanter Berufsgruppen sollen ab März ihre Corona-Impfungen erhalten. © Oliver Schaper
Coronavirus

Polizeigewerkschaft sieht sich durch frühere Impfung von Lehrern benachteiligt

In NRW sollen Erzieher und Grundschullehrer früher gegen Covid-19 geimpft werden. Das ruft Kritik hervor. Ein Dortmunder Polizeigewerkschafter befürchtet, Einsatzkräfte könnten zu Superspreadern werden.

In Nordrhein-Westfalen sollen schon im März die Lehrenden an Grund- und Förderschulen und die Mitarbeitenden von Kitas ihre Corona-Schutzimpfungen erhalten. Das hatten am Dienstag (23.2.) NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bekanntgegeben – und umgehend Kritik an diesem Vorgehen geerntet.

Denn dadurch befinden sich Lehrerinnen, Lehrer und Mitarbeitende im Erziehungswesen nun in der gleichen Impfgruppe wie Polizisten und Polizistinnen. Die Kritik: Das führe dazu, dass Einsatzkräfte nun länger auf eine Impfung warten müssen.

Fassungslosigkeit bei Polizei

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens, sagte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Dass jetzt die Polizisten nach hinten rutschen sollen, macht mich fassungslos.“ Die Polizei habe laut Mertens in den vergangenen Monaten keine einzige Wache geschlossen, keinen Einsatz abgesagt, obwohl Polizisten im Einsatz ständig direkten Kontakt zu Menschen haben würden, bei denen nicht klar sein könnte, ob sie nicht vielleicht mit Covid-19 infiziert seien.

Mertens Ansicht wird ebenfalls von den Dortmunder und Lüner Polizisten und Polizistinnen geteilt, wie Frank Schniedermeier, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Dortmund, auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.

„Mertens hat damit einen Nerv getroffen. Viele Kollegen mit denen ich gesprochen habe, stimmen seiner Kritik voll und ganz zu. Wir Polizisten stehen mit unserer Gesundheit für unseren Dienstherrn ein – und das ist der Bürger“, sagt Frank Schniedermeier.

Angespuckt und angehustet

Bei Einsätzen werde man schließlich auch von Corona-Leugnern angespuckt, angehustet und angegangen und habe direkten Kontakt zu ganz vielen anderen Menschen.

„Wenn man das ignoriert oder auf die lange Bank schiebt, dann haben wir nachher eine Polizei, die der Superspreader ist. Solche Entscheidungen sind ganz klar ein Risiko für die Innere Sicherheit”, erklärt Schniedermeier.

Es ginge nicht darum, irgendwelche Neiddebatten zu befeuern, denn das könne die Gesellschaft in der Pandemie-Situation nicht auch noch gebrauchen. „Das kann aber nicht sein, dass die Impfkommission Reihenfolgen für Impfungen festlegt und diese dann ohne Weiteres von der Politik über den Haufen geworfen werden”, so der Gewerkschafter.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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