Polizei verzichtet auf Anzeige wegen Beleidigung gegen Twitterer „Kartoffelotto“

Twitter-Streit beendet

Der BVB-Fan „Kartoffelotto“ nannte die Polizei bei Twitter einen „lachhaften Haufen“ - und bekam daraufhin eine Vorladung. Jetzt nahm der bizarre Fall ein gutes Ende.

Dortmund

18.10.2018, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Polizei verzichtet auf Anzeige wegen Beleidigung gegen Twitterer „Kartoffelotto“

Der Auslöser des Ärgers: „Kartoffelottos“ Tweet zum „lachhaften Haufen“. © Thomas Thiel

Die gute Nachricht kam - wie sollte es in diesem Fall anders sein - über Twitter: „Hiermit möchten wir mitteilen, dass die Polizei Dortmund explizit keinen Strafantrag bezüglich Kartoffelotto gestellt hat und darauf auch im Weiteren verzichten wird“, schrieb dort die Dortmunder Polizei - und erneuerte ein altes Angebot: „Die Einladung zum klärenden Gespräch beim Kaffee besteht übrigens immer noch. Wir würden uns über eine positive Rückmeldung freuen.“

Die Einladung nahm der Twitterer und BVB-Fan aus dem Sauerland prompt an: „Ich komme vorbei und wir klären das bei nem Kaffee“, antwortete „Kartoffelotto“.

Der bizarre Streit zwischen „Kartoffelotto“ und der Polizei im Überblick:

Es war das Ende eines bizarren Streits: Ausgangspunkt waren die beiden Neonazi-Demonstration in Dorstfeld und Marten Ende September, die deutschlandweit für Aufregung sorgten. Nach den Demos stand besonders die Dortmunder Polizei in der Kritik, die demnach mit zu wenigen Einsatzkräften vor Ort gewesen seien.

Einige Tage später war der Twitter-User „Kartoffelotto“ beim Spiel des BVB gegen Nürnberg. Da der 1. FC Nürnberg eine Fanfreundschaft mit Schalke 04 pflegt, war die Polizei mit einem erhöhten Polizeiaufgebot vor Ort. Der sichtbare Unterschied der Polizeipräsenz zwischen Neonazi-Demo und Fußballspiel sorgte für den Tweet von „Kartoffelotto“, um den sich die Diskussion nun dreht.

„Mir ist aufgestoßen, dass es beim Aufmarsch der Rechtsextremen in der vergangenen Woche ganz anders aussah“, sagte „Kartoffelotto“ unserer Redaktion bei der ersten Berichterstattung über den Fall.

Die Bezeichnung „lachhafter Haufen“ fand die Dortmunder Polizei gar nicht lustig und kündigte an, den Tweet auf „strafrechtliche Relevanz“ zu überprüfen.

Von nun an ging es um die Frage, ob die Bezeichnung „lachhafter Haufen“ eine Beleidigung darstellt oder ob sie von der freien Meinungsäußerung gedeckt ist. Zwischenzeitlich schaltete sich beispielsweise auch TV-Moderator Jan Böhmermann ein.

Kurze Zeit später schien es allerdings so, als würden die Wogen wieder glätten. Die Polizei lud „Kartoffelotto“ zu einem klärenden Gespräch aufs Revier ein und dieser schien nicht abgeneigt.

Es hätte das Ende dieser kuriosen Twitter-Auseinandersetzung sein können. Viel Aufregung, ein Kaffee, ein klärendes Gespräch. Laut Polizei Dortmund habe sich „Kartoffelotto“ danach aber nicht mehr gemeldet. Stattdessen fand der Twitterer am Montag (15. Oktober) eine offizielle Vorladung in seinem Briefkasten - er solle seine Sicht der Dinge darlegen. Es ging immer noch um den Verdacht der Beleidigung.

Alle Parteien spenden jeweils 100 Kilo Kartoffeln an karitative Einrichtungen

Auf Twitter erntete die Polizei daraufhin einen veritablen Shitstorm: „An Lächerlichkeit nicht zu überbieten“, „man weiß gar nicht ob man lachen oder weinen soll. Bin aber beruhigt, dass sich die Polizei um relevante Dinge kümmert“, „und solche Menschen werden von Steuern bezahlt. Wow“ - nur drei von vielen Kommentaren, in denen sich Twitterer über das Verhalten der Polizei aufregten.

Nun, am Mittwochnachmittag (17.10), zog die Polizei die Notbremse und beendete den Streit, der längst zu einer Realsatire geworden war. Das Friedensangebot, auf das sich alle Parteien verständigten, passte zu den bizarren Zügen der ganzen Geschichte: Auf Vorschlag von „Kartoffelotto“ spenden nun die Polizei Dortmund, Jan Böhmermann und „Kartoffelotto“ selbst jeweils 100 Kilo Kartoffeln an karitative Organisationen.

Wie genervt alle Beteiligten am Ende von der Debatte waren, fasste Böhmermann in einem Tweet gut zusammen, als der TV-Star dem Angebot zustimmte: „Aber nur, wenn ALLE 100 Kilo stiften und danach der Quatsch zuende ist bitte.“ Die Polizei Dortmund klickte auf „Gefällt mir“.

Auch „Kartoffelotto“ ist erleichtert, dass die Geschichte endlich vorbei ist. „Die ganze Sache wurde im Nachhinein einfach unangenehm“, schrieb er auf Anfrage unserer Redaktion. Er werde sich auch in Zukunft zu Sachen äußern, die er nicht gut finde - „aber sicherlich mit einer anderen Wortwahl“.

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