Pizzabäcker schildert öffentlichen Parkstreifen einfach als Privatparkplatz aus

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Die Anwohner staunten nicht schlecht, als ein Nachbar den ohnehin knappen Parkraum vor der Haustür noch weiter beschnitt. Er deklarierte ihn kurzerhand als Privatparkplatz – mit Folgen.

Dortmund

, 11.10.2019, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Fahrradhändler Dieter Groß an der Kronprinzenstraße kommen seit einigen Tagen besonders viele Anwohner ins Geschäft gestürmt. Aber nicht etwa, weil sie ein neues Fahrrad kaufen wollen. Bevor sie ihr Anliegen vortragen können, ruft er schon: „Nein, ich war‘s nicht.“

Er war es nicht, der das Schild mit vier dicken Schrauben an dem Baumschutzbügel befestigt hat. Er hat nichts damit zu tun. Kaltrit Haizeraj, Pizzabäcker von nebenan, wollte von ihm nur einen Tipp haben, wie er das Schild am besten an den Schutzbügel kriegt. Ein Schild, das in der Nachbarschaft für Aufsehen gesorgt hat – und Verwunderung; denn es erklärt einen Teil des öffentlichen Parkstreifens an der Kronprinzenstraße kurzerhand zum Privatparkplatz. Wer ihn trotzdem zuparkt, dem drohe der Abschlepphaken.

Das sagte der Pizzeriainhaber

Der Parkraum im Kaiserstraßenviertel sei ohnehin sehr knapp, wundern sich die Anwohner, wie könne es da sein, dass jemand eine Parkfläche von der Stadt als Privatparkplatz zugesprochen bekommt? Kaltrit Haizeraj, Inhaber der „Pizzeria bei Angelo“, erzählte in seinem Umfeld, er habe die Genehmigung von der städtischen Wohnungsgesellschaft Dogewo, von der er seine Geschäftsräume gemietet hat. Die Dogewo wiederum habe das mit der Stadt geklärt.

Pizzabäcker schildert öffentlichen Parkstreifen einfach als Privatparkplatz aus

Der Parkplatz ist an der Ecke Kronprinzenstraße/Im Grubenfeld 21. © Schaper

Da muss Kaltrit Haizeraj allerdings etwas falsch verstanden haben. Die Dogewo habe ihm keineswegs die Genehmigung erteilt, sagte am Freitag (11.10) Unternehmenssprecherin Kerstin zu Horst. Er habe lediglich die Erlaubnis, ein Schild auf dem Grundstück der Dogewo anzubringen mit der „Bitte“, die Laderampe freizuhalten. Am Donnerstag habe man Haizeraj aufgefordert, das Schild zu entfernen.

„Ich möchte keinen Stress haben“

Das räumt Kaltrit Haizeraj auf Nachfrage dieser Redaktion sofort ein. „Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht. Ich hatte verstanden, dass der Platz für Lieferanten ist. Ich habe mich vertan.“ Vor dem Parkplatz sei ein Gang zum Keller seiner Pizzeria mit einer Klappe zum Beladen. Wenn dieser Platz zugeparkt sei, werde es schwierig für die Lieferanten. Und wenn die kleinen Lkw auf der Straße hielten, um die Ware zu entladen, störten sie den Verkehr und die Anwohner.

„Ich möchte mit keinem hier Stress haben“, betonte Haizeraj am Freitag, „ich mache das Schild heute noch weg.“ Auch Fahrradhändler Dieter Groß glaubt nicht, „dass das böse Absicht war. Das sind ganz liebe Nachbarn.“

Ob es häufiger vorkommt, dass Privatleute öffentlichen Parkraum zur Privatparkfläche deklarieren, war am Freitag von der Stadt nicht zu erfahren.

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