Piraten-Kandidat Christian Gebel versteht sich mit der Linken und der CDU

dzKommunalwahl in Dortmund

Die Piratenpartei stellt bei der Kommunalwahl einen eigenen Kandidaten. Christian Gebel (44) geht selbstbewusst ins Rennen. Denn er weiß, wie viel Arbeit er schon in Dortmund gesteckt hat.

Dortmund

, 05.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Piratenpartei will mit einem eigenen Oberbürgermeisterkandidaten ein Faktor bei der Kommunalwahl am 13. September in Dortmund sein. Die Partei schickt Christian Gebel ins Rennen, einen erfahrenen Lokalpolitiker, der in den vergangenen Jahren in verschiedenen Funktionen an wichtigen Entscheidungen in Dortmund mitgewirkt hat.

In den Umfragen taucht der Piraten-Kandidat untern „sonstigen“ auf, auf die sich rund sieben Prozent der prognostizierten Stimmen verteilen.

Christian Gebel sitzt seit 2014 im Dortmunder Stadtrat

Dass Gebel ins Oberbürgermeisterbüro einzieht, hält er selbst für wenig wahrscheinlich. „Aber es geht darum, mit einer Kandidatur die Wahlchancen der eigenen Partei zu unterstützen. Und ich will denjenigen eine Möglichkeit bieten, die in Rat, Bezirksvertretung oder Ruhrparlament nicht einen der anderen Kandidaten wählen möchten, mit dessen Zielen sie vielleicht nicht zu 100 Prozent übereinstimmen. So funktioniert Demokratie“, sagt Christian Gebel.

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Seit 2014 sitzt Gebel für die Piraten im Rat der Stadt Dortmund und ist Mitglied in mehreren Ausschüssen, etwa für Bauen, Verkehr und Grün oder im Rechnungsprüfungsausschuss. Er ist außerdem Mitglied in der Verbandsversammlung der Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR).

Politik als „großes Hobby“ - das viel Zeit in Anspruch nimmt

Der 44-Jährige kennt viele praktische Abläufe in der Kommunalpolitik. „Ich habe neben meiner beruflichen Tätigkeit als IT-Trainer rund 100 Sitzungen pro Jahr. Als einziger Pirat im Rat bleibt zwangsläufig viel an mir hängen“, sagt Christian Gebel.

Doch das stört ihn nicht, denn Politik bezeichnet er als sein „großes Hobby“. In der Kommunalpolitik gehe es nicht darum, Bundeswahlprogramme umzusetzen, sondern um konstruktive Vorschläge. „Wenn man sich seine Bereiche sucht, findet man seine Wählerschaft“, sagt er.

Diese Dinge werden für Christian Gebel in Dortmund zu zögerlich angegangen

Aus seiner Sicht gibt es einige Dinge , die in Dortmund zu zögerlich angegangen werden. Gebel nennt etwa die Verkehrspolitik, den Klimaschutz oder das Thema Wohnen. Er kritisiert etwa die von anderen Parteien genannten Ziele für den Wohnungsneubau. „Das ist dieselbe Wohnbauquote wie in den letzten Jahren, nur über eine anderen Zeitraum zusammengefasst. Das fängt den Rückgang bei Sozialwohnungen nicht auf.“

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Die Partei, für die er antritt, hat in den vergangenen Jahren einen massiven Wandel durchlebt. Ende der 00er-Jahre waren die Piraten in der politischen Landschaft aufgetaucht und punkteten mit Themen wie Digitalisierung, Datenschutz oder kompromissloser Sozialpolitik. „Wir haben denjenigen eine Heimat geboten, die ihre Themen in den anderen Parteien nicht wiedergefunden haben“, sagt Gebel.

Die durch das Ergebnis der Landtagswahl 2012 (7,6 Prozent) ausgelöste Euphorie ebbte allerdings relativ schnell ab – auch aufgrund interner Streitigkeiten in der Partei. Schon die folgenden Kommunalwahlen 2014 ließen die Piraten wieder schrumpfen.

Gebel glaubt an eine politische Zukunft der Piraten in Dortmund

In Dortmund holte die Partei vor sechs Jahren 2,4 Prozent der Stimmen. Der Kreisverband habe laut Gebel einen engagierten Wahlkampf geführt, der deshalb daran glaubt, dass die Piraten in Dortmund eine politische Zukunft.

Wie flexibel man in der Kommunalpolitik sein kann, wenn sich Menschen untereinander gut verstehen, zeigt sich an Gebel selbst. In der VRR-Verbandsversammlung ist er als Pirat der CDU-Fraktion beigetreten. „Ich bin damit gleichzeitig Mitglied in einer linken Fraktion im Rat der Stadt Dortmund und in einer mit der CDU“, sagt Gebel. Eine Kombination, die man so wohl selten findet.

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