Annika Keil (21) befindet sich in den letzten Zügen ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Trotz aller Widrigkeiten blickt sie optimistisch in die Zukunft ihres Berufs. © Canisius Campus
Pflegeberufe in der Pandemie

Pflegeschülerin aus Dortmund: Corona kann auch eine Chance sein

Annika Keil (21) befindet sich in den letzten Zügen zu ihrer Ausbildung als Krankenpflegerin am Canisius-Campus. Als eine von wenigen Schülerinnen darf sie bei der Einweihung dabei sein.

Annika Keil erinnert sich noch genau an einen der ersten Notfälle, den sie in ihrer Ausbildung erlebt hat: Eine junge Frau, die zuvor noch auf dem Stationsflur herumgelaufen war, klingelte nach einer Pflegekraft. Als Annika Keil auf den Ruf reagierte und ins Zimmer kam, sah sie, dass die Patientin, eine Epileptikerin, einen Krampfanfall hatte. „Das ist vor allem bildlich krass, wenn der ganze Körper eines Menschen krampft“, erzählt Keil.

Obwohl die heute 21-Jährige da noch am Anfang ihrer Ausbildung stand, reagierte sie damals richtig: Sie rief Kollegen zu Hilfe, befolgte Anweisungen, bis die Ärzte da waren. Ihr Praxisanleiter erklärte ihr sogar noch, was in einer Situation wie dieser wichtig ist und wie sie helfen könne.

Inzwischen ist Annika Keil im letzten Ausbildungsjahr ihrer Lehre zur „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ am Canisius-Campus in Dortmund, der zentralen Bildungseinrichtung für Pflegeberufe von insgesamt sechs Trägern, darunter die katholische St. Johannes-Gesellschaft in Dortmund.

Neuer Pflegeschul-Campus eingeweiht

Nun durfte sie als eine von zwei Schülerinnen dabei sein, als ihre

Schule im kleinen Kreis den neuen Canisius-Campus unweit des Hoeschparks einweihte. Bisher war die Schule auf verschiedene Standorte in Dortmund und Lünen verteilt, nun sind alle Räume auf einem Campus vereint.

Die Einweihung der neuen Räume fand im kleinen Kreis statt. Annika Keil vertrat dabei zusammen mit einer Mitschülerin die rund 700 Schülerinnen und Schüler des Campus.
Die Einweihung der neuen Räume fand im kleinen Kreis statt. Annika Keil vertrat dabei zusammen mit einer Mitschülerin die rund 700 Schülerinnen und Schüler des Campus. © Canisius Campus © Canisius Campus

Obwohl die neuen Räume schon im Januar bezogen wurden, hat Keil den neuen Campus am Freitag zum ersten Mal gesehen. Aktuell wird sie im Homeschooling unterrichtet.

Dass sie sich in einen Beruf mit harten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung ausgesucht hat, das wusste Keil vor ihrer Ausbildung. Gezweifelt habe sie dennoch nie an ihrer Entscheidung. „Man gibt den Menschen viel und bekommt so viel zurück“, schwärmt sie von ihrem Job.

Am 23. April wurde der neue Canisius Campus an der Kirchderner Straße in der Nähe des Hoeschpark eingeweiht.
Am 23. April wurde der neue Canisius Campus an der Kirchderner Straße in der Nähe des Hoeschpark eingeweiht. © Canisius Campus © Canisius Campus

Was sie nicht wusste, dass ihre Ausbildungszeit im Krankenhaus in eine globale Pandemie fallen würde. „Das war gerade am Anfang schon eine krasse Situation“, erzählt sie. Das Ansteckungsrisiko habe sie immer im Hinterkopf gehabt. „Man überlegt sich schon zwei Mal, ob man die Großeltern oder Eltern besucht, wenn man im Krankenhaus arbeitet“, sagt Annika Keil.

Da sei es schon eine große Erleichterung gewesen, als sie und ihre Kollegen endlich geimpft wurden.

Corona-Pandemie kann auch eine Chance sein

Doch auch angesichts dieser weiteren Belastung durch das Coronavirus kamen Annika Keil keine Zweifel: „Mir liegt an dem Beruf zu viel“, sagt sie. Die Arbeit im Team, die Nähe zu Menschen, aber auch die Verantwortung, die man für sie übernimmt, machen den Beruf als Krankenpflegerin für sie so besonders.

Vollständig eingerichtete Pflegezimmer erlauben den Schülerinnen und Schülern des Canisius Campus eine praxisnahe Ausbildung.
Vollständig eingerichtete Pflegezimmer erlauben den Schülerinnen und Schülern des Canisius Campus eine praxisnahe Ausbildung. © Canisius Campus © Canisius Campus

Doch sie hat auch mitgekriegt, wie Kollegen angesichts der Belastung aufgegeben haben. „Ich habe bei anderen gesehen, dass es ihnen einfach zu viel wurde.“ „Wir alle wünschen uns natürlich ein Ende der Pandemie“, sagt Annika Keil. „Aber man könnte sie gleichzeitig auch als Chance sehen, dass sich etwas ändert.“ Denn nun würden endlich alle mitkriegen, dass in den Krankenhäusern etwas schiefläuft.

Die 21-Jährige bleibt optimistisch, wenn sie auf die Schieflage, in der sich das deutsche Gesundheitssystem befindet, blickt. „Ich denke, dass sich viel ändern kann und auch ändern wird.“

Nach der Ausbildung geht es auf die Intensivstation

Dank ihrem Optimismus blickt sie auch mit Vorfreude auf das Ende ihrer Ausbildung im Herbst 2021. Dann wird sie ihre Stelle als Krankenpflegerin auf einer der Intensivstationen des Johannes-Hospitals antreten.

Wenn die Corona-Lage es zulässt, kann sie das Ende ihrer Ausbildung sogar noch groß feiern: Am 24. September 2021 plant der Canisius-Campus ein großes Akademiefest zur Einweihung des neuen Campus in der Nordstadt.

Großer Neubau

Der neue Canisius-Campus am Hoeschpark

  • Rund 700 Auszubildene und 53 Lehrkräfte haben Platz auf dem neu gebauten Canisius-Campus an der Kirchderner Straße in der Nordstadt.
  • Der neue Campus wird damit zu einer der größten Schulen für Pflegeberufe in der Region.
  • Die Canisius-Campus Dortmund gGmbH ist die zentrale Bildungseinrichtung für Pflegeberufe der Träger, Caritas Altenhilfe Dortmund, Katholisches Klinikum Lünen/Werne, Katholische St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund, Katholische St. Lukas Gesellschaft, Marienkrankenhaus Schwerte, St. Marien-Hospital Hamm.
Über die Autorin
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In Lippstadt aufgewachsen, zum Studieren nach Hessen ausgeflogen, seit 2018 zurück in der (erweiterten) Heimat bei den Ruhr Nachrichten.
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Marie Ahlers

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