Die Oper in Seoul hat trotz Corona eine Premiere fast ohne Einschränkungen hinbekommen. Heribert Germeshausen, Intendant der Dortmunder Oper, will nun einige Regel aus Korea übernehmen.

Dortmund

, 31.08.2020, 05:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zimmer 961 im Grand Hyatt Hotel in Seoul. Der Dortmunder Opernintendant Heribert Germeshausen wird es nicht vergessen. 14 Tage hat er im Juni in dem Zimmer mit Blick auf den Flughafen in strenger Quarantäne verbracht, drei Mal am Tag wurde das Essen in einem fest verschnürten Paket vor die Tür gelegt, jeden Tag wurde die Körpertemperatur gemessen, und morgens musste Heribert Germeshausen Fragen einer Corona-Gesundheitsapp beantworten.

Das Ganze für 1039 Euro. Die hat der Intendant privat bezahlt und nicht als Dienstreise abgerechnet. Seine Erlebnisse mit der Quarantäne und Corona-Vorsichtsmaßnahmen in dem Land mit knapp 52 Millionen Einwohnern hat Heribert Germeshausen in einem Krisentagebuch für die Deutsche Bühne aufgeschrieben.

Dortmunder Opernhaus feiert am 4. September eine Premiere

Die Oper in Seoul hat Mitte Juni den Neustart gewagt und als weltweit erstes Theater eine Oper (fast) ohne Corona-Einschränkungen auf der Bühne herausgebracht: „Manon“ von Massenet. Heribert Germeshausen wollte dabei sein und lernen, wie so etwas in Dortmund funktionieren könnte. Denn die Dortmunder Oper ist das erste Haus in der Region, das am 4. September eine Premiere herausbringt. Und dabei gibt es besondere Sicherheitsmaßnahmen, die sich in Korea bewährt haben.

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In der Titelrolle der Massenet-Oper war Anna Sohn besetzt, die an der Nationaloper in Seoul ein Star ist und auch als Dortmunder Ensemblemitglied in vielen Rollen gefeiert worden ist. „Manon“ hatte bereits 2018 in Seoul Premiere gefeierte. Der Neustart am 25. Juni war eine Wiederaufnahme. Wegen der steigenden Infektionszahlen Mitte Juni wurde sie jedoch kurzfristig zu einer Geisterpremiere, die live ins Internet gestreamt wurde.

Ganz normale Vorstellung in Seoul

„Aber auf der Bühne war es eine ganz normale Vorstellung“, erzählt Heribert Germeshausen „In den Proben haben die Sänger noch Visiere getragen, aber in der Premiere nicht mehr. Und sie haben sich sogar direkt angesungen“, erzählt der Intendant: „Aber es gab sehr hohe Sicherheitsmaßnahmen im Backstage-Bereich: Die Sänger mussten sich verpflichten, auf private Kontakte zu verzichten. Es wurde jeden Tag ihre Temperatur gemessen, und natürlich wurden die Hände desinfiziert.“

Das galt auch für den großen Chor und das Orchester. „Die Musiker haben mit Masken gespielt, außer den Bläsern natürlich, und die Plätze der Blechbläser waren etwas abgesenkt“, erklärt der Dortmunder Opernchef.

Corona-Leichtsinn in Deutschland

Bei seiner Rückkehr nach Dortmund war Germeshausen erschrocken, wie leichtfertig die Menschen hier mit Corona umgehen. „Auf mich wirkte es so, als hätte es Corona nie gegeben“, sagt er. „In Südkorea gibt es mehr Sicherheitsmaßnahmen. Da sieht man keinen ohne Mund-Nasen-Schutz.“

Das Ziel all der Mühen: Heribert Germeshausen steht im Saal des Opera Hause in Seoul

Das Ziel all der Mühen: Heribert Germeshausen steht im Saal des Opera Hause in Seoul © Privat

Im Dortmunder Opernhaus will Heribert Germeshausen nun auch für größtmögliche Sicherheit sorgen. „Ich habe an die Künstler appelliert, private Kontakte einzuschränken.“ Neben der allgemeinen Hygiene gehört jetzt auch das Temperaturmessen vor jeder Probe und Vorstellung dazu. „Das bin ich den Künstlern, Technikern und Zuschauern schuldig“, sagt der Intendant.

Mozart macht den Anfang

Und so wird am 4. September um 19.30 Uhr, mit Mozarts Oper „Cosi fan tutte“ im Dortmunder Opernhaus Premiere gefeiert. 258 Zuschauer dürfen dabei sein. Besetzt wird nur das Parkett, jede zweite Reihe bleibt frei, und zwischen jeweils zwei Plätzen ist ein Abstand. An den Eingängen wird auch beim Publikum die Temperatur gemessen. Ein Mund-Nasen-Schutz ist auf dem Weg zum Platz Pflicht. Den Neustart feiert das Theater Dortmund bereits am 1. September mit einer Auftaktgala im Opernhaus.

Der stellvertretende Generalmusikdirektor Motonori Kobayashi hat die Mozart-Oper auf 80 (pausenlose) Minuten gekürzt. Als Regisseur stellt sich der neue Dortmunder Hausregisseur Nikolaus Habjan vor. Der Österreicher ist auch Puppenspieler und wird die Geschichte von Konstanze und dem Bassa mit Marionetten erzählen.

Musical-Revue soll folgen

Die Sänger, die den Puppen ihre Stimmen leihen, stehen auf der Seitenbühne. Auf einer Videowand verschmelzen zuweilen die Köpfe von Marionetten und Solisten. Auf die beiden kurzen Auftritte des Chors verzichtet das Theater Dortmund, aber die Dortmunder Philharmoniker sitzen im Graben.

Die nächste Premiere ist am 27. September geplant – die Musical-Revue „Songs For A New World“. „Zurzeit sind keine monumentalen Stücke wie „Carmen“ möglich, aber eine Chance, neue Stücke und Spielformen zu entdecken“, sagt Heribert Germeshausen. Was er dazutun kann, damit Mitarbeiter und Zuschauer gesund bleiben und sich sicher fühlen, hat er getan – und in Südkorea gelernt.

Diese Premieren plant die Oper Dortmund noch in diesem Jahr:
  • 1. September, 19.30 Uhr: Bei der Eröffnungsgala „Auftakt 2020 – Wir spielen wieder“ bieten Oper, Ballett sowie die Philharmoniker ein Programm, das die Highlights aus Musik und Tanz coronakonform vereint.
  • 4. September, 19.30 Uhr: Mozart „Die Entführung aus dem Serail“ ist die erste Dortmunder Opernpremiere in diesem Jahr mit Publikum und die erste Musiktheaterpremiere seit dem „Weißen Rössl“ am 18. Januar. Nikolaus Habjan inszeniert eine 80-minütige Fassung mit Marionetten, Solisten und den Dortmunder Philharmonikern unter Leitung von Motonori Kobayashi.
  • 27. September, 15 Uhr: „Songs For A New World“ ist eine Musical-Revue in zwei Akten vom Jason Robert Bown. Gil Mehmert inszeniert dieses besondere Kleinod der Gattung mit vier Sängern und fünf Instrumentalisten.
  • 22. November, 18 Uhr: Um das Thema Sehnsucht kreist das Barock-Pasticcio, in dem Star-Countertenöre auftreten. Zu hören ist Musik unter anderem von Pachelbel, Monteverdi, Händel, Purcell.
Karten: Tel. (0231) 502 72 22, im Kundencenter oder auf der Webseite des Theaters Dortmund.
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