„Ohne Mampf kein Kampf“: Pizza im Bundeswehr-Karton sorgt für Aufregung

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Diese Pizza kommt im Tarnfarben-Karton: Eine Pizzeria aus Dortmund liefert das Essen in Boxen aus, auf denen die Bundeswehr wirbt. Manche Kunden haben keine Lust auf Armee-Reklame.

Dortmund

, 05.03.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Pizza "Bundeswehr", bitte: Diesen Karton hat ein Dortmunder bei der Pizza-Bestellung bekommen.

Eine Pizza "Bundeswehr", bitte: Diesen Karton hat ein Dortmunder bei der Pizza-Bestellung bekommen. © Michael P.

Die Bundeswehr wirbt seit einigen Jahren auf vielen Wegen für die Rekrutenausbildung. Einer davon sind Pizzakartons. Solche Kartons sind jetzt auch in einer Dortmunder Pizzeria aufgetaucht und sorgen für Diskussionen.

Der Dortmunder Michael P. macht am Montagabend (2.3.) etwas eigentlich sehr Normales. Er bestellt über den Internetdienst „Lieferando“ bei der Pizzeria „Mamma Lia“ im Osten der Stadt eine Pizza mit Sucuk, Zwiebeln, Oliven und Hirtenkäse.

Die Überraschung kommt mit dem Pizza-Karton. Anders als gewohnt ist dieser nicht mit weiß-rot-grüner Farbe und einem Comic-Pizzabäcker oder anderen Motiven bedruckt. Sondern tarnfarben wie eine Uniform.

Für den Pizzeria-Betreiber ist nur wichtig, „ob meine Pizza da rein passt“

Auf dem Karton steht der Spruch: „Ohne Mampf kein Kampf“. Damit wirbt die Bundeswehr für die Ausbildung in der Armee und die Youtube-Serie „Die Rekrutinnen“.

Der Inhaber der Pizzeria „Mamma Lia“ gibt auf Anfrage an, die Pizzakartons kostenlos von einem Händler im Auftrag der Bundeswehr angeboten bekommen zu haben. Über den Inhalt der Werbung habe er nicht nachgedacht. Für ihn sei nur wichtig, „ob meine Pizza da reinpasst“, sagt der Mann.

Pizzakartons sind Teil einer „crossmedialen Kampagne“ der Bundeswehr

Die Pizzakartons sind Teil einer „crossmedialen Kampagne“ zu mehreren Youtube-Formaten der Bundeswehr, wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf Anfrage dieser Redaktion mitteilt

Die Formate mit Titeln wie „Die Rekruten“, „Die Rekrutinnen“, „Mali“ oder „KSK“, böten „potenziellen Bewerbern die Möglichkeit, die Bundeswehr online in all ihren Facetten und ohne jegliches Drehbuch kennenzulernen“.

Die Sprecherin: „Auch kritische Themen wie Verwundung oder Tod werden transparent abgebildet.“ Die Folgen von „Die Rekrutinnen“ seien von Oktober bis Dezember 2019 insgesamt 33,5 Millionen Mal aufgerufen worden.

725.000 Pizzakartons für über 200.000 Euro

Bereits 2017 war eine ähnliche Kampagne gestartet. Damals hatten Anfragen von Bürgern an das Verteidigungsministerium ergeben, dass der Druck von 725.000 Pizzakartons rund 202.000 Euro gekostet hatte.

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Weil die Bewerberzahlen für die Grundausbildung bei der Bundeswehr seit Jahren sinken, gibt es vermehrt Werbekampagnen auf neuen Wegen – etwa auf der Computerspielmesse „Gamescom“ oder durch Besuche an Schulen.

Dies wird regelmäßig kritisiert. Unter anderem heißt es, dass es unmoralisch sei, für den potenziell tödlichen Beruf des Soldaten zu werben und die negativen Seiten dabei auszuklammern.

In der Pizzeria gibt es keine Diskussionen – dafür aber bei Twitter

Der „Mamma Lia“-Inhaber hat nach eigener Aussage bisher keine negativen Reaktionen auf die Werbung erhalten.

Ganz anders stellt sich das bei Twitter dar, wo der Dortmunder Michael P. ein Foto des ungewöhnlichen Pizza-Kartons mit einem bewertenden Kommentar gepostet und damit eine beträchtliche Reichweite erzielt hat.

Unter dem Tweet entspinnt sich seit Montagnachmittag eine Diskussion, die prototypisch für Debattenkultur im Internet ist. Sie startet mit vielen kurzen Witzen auf dem Niveau von „Ich sehe keine Pizza, weil der Karton in Camouflage ist“ oder „Mein Mampf“.

Boykottaufrufe und Verteidiger der Bundeswehr

Daraus entwickeln sich Tweets mit inhaltlicher Kritik an der Bundeswehr generell und der Werbung für die Soldatenausbildung im Speziellen. Einzelne rufen dazu auf, die Wickeder Pizzeria oder „Lieferando“ zu boykottieren.

Bis sich schließlich auch Verteidiger der Bundeswehr einschalten, die darauf hinweisen, dass die Armee vieles leiste und die Aufregung übertrieben sei.

Michael P. gehört zu denjenigen, die keine Lust auf unerwünschte Werbung für den Soldatenberuf haben. Für ihn steht fest: Beim nächsten Mal bestellt er seine Pizza woanders.

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