Holga Rosen im Vorführraum des Roxy-Kinos. Er ist skeptisch, ob die Lockdown-Lockerungen für die Kinos und Kulturbetriebe umsetzbar sein werden. © Tobias Großekemper (Archiv)
Lockdown-Lockerungen

Öffnungs-Auflagen für Kinos und Theater „nur auf dem Papier machbar“

So viel Perspektive gab es lange nicht mehr für Theater, Kinos und andere Kulturorte. Ab dem 22.3. könnten sie theoretisch wieder öffnen. Doch das wird vermutlich kaum jemand machen.

Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos sind in Schritt vier des fünfteiligen Öffnungplans der Ministerpräsidentenkonferenz enthalten. Frühestens ab dem 22.3. dürften sie unter Hygienebedingungen wieder öffnen, wenn die NRW-Inzidenz unter 50 liegt. Bei einem – wahrscheinlicheren – Wert zwischen 50 und 100 gibt es Auflagen.

So müsste dann laut Beschluss von Besuchern ein „tagesaktueller“ Corona-Test vorgelegt werden, um ein Theaterstück zu besuchen oder einen Film im Kino anzusehen. Wie sehen Kinobetreiber und Theatermacher in Dortmund diese neuen Optionen?

Skepsis, weil die Hürden für die Besucher hoch sind

Holga Rosen, Inhaber des Roxy-Kinos an der Münsterstraße, zeigt sich skeptisch. Die Tests seien eine weitere Hürde, sodass es „wenig Sinn ergibt, das Kino aufzumachen“.

Die Phase zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown habe gezeigt, dass die Menschen sehr vorsichtig waren und viele keine Lust auf einen Kinobesuch mit Abstand und Maske hatten.

Mit den „Klecker-Beträgen“, die in die Kasse gekommen seien, lohne sich der Kino-Betrieb nicht. „Da fahren wir mit Schließzeit und Staatshilfe besser. Es macht eigentlich erst wieder Sinn, wenn alles auf null und ohne Beschränkungen ist.“

Kontrolle und möglicherweise auch Durchführung von Schnelltestes hält Holga Rosen nur „auf dem Papier“ für machbar. Die Praxis zeige, dass schon das Eintragen in eine Liste oftmals ein Problem darstelle.

Es sei aber möglich den Betrieb ohne großen Anlauf hochzufahren. Wie genau der Ablauf im Roxy in den nächsten Wochen aussehen könnte, stehe noch nicht fest. „Wir werden aber nicht vom ersten Tag an da sein“, sagt Rosen.

Kinoketten brauchen einheitliche Lösungen, sonst gibt es keine Filme

Ein anderes Problem ergibt sich für die großen Kinoketten wie das Cinestar am Hauptbahnhof.

Aus Sicht der Branche ist der Knackpunkt eine bundesweit einheitliche Regelung, damit Filme auch wirtschaftlich in den Verleih gehen können.

Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock sagt: „Erst wenn wir bundesweit einheitlich öffnen können, werden wir auch Zugriff auf ein attraktives Filmangebot bekommen. Insofern ist es für eine Eröffnungsplanung definitiv zu früh.“

„Die Wiedereröffnungstrategie ist noch von sehr vielen Unwägbarkeiten abhängig. Umso mehr erwarten wir von der Politik, dass sie ihre Anstrengungen im Hinblick auf die Impfungen und Schnelltestszenarien erhöht, um eine verlässliche Planung auch unabhängig von den Inzidenzwerten zu ermöglichen“, sagt der Chef der deutschlandweiten Kinokette.

Hanke-Lindemann: „Lieber vernünftig, als wieder alles zurückfahren zu müssen“

Bei Horst Hanke-Lindemann, der die Sache aus Sicht der Theater und der freien Szene beobachtet, klingt schon etwas mehr Optimismus durch. Er setzt Hoffnung auf die Kombinationen von einem funktionierenden Schnelltest-System und Apps wie „Luca“, über die sich Menschen an Veranstaltungsorten registrieren können.

„Es ist mir lieber, alles vernünftig und etwas langsamer anzugehen, als es übers Knie zu brechen und dann wieder zurückfahren zu müssen. Denn das Auf- und Zumachen ist ein unglaublicher Aufwand und vergrault das Publikum“, sagt der Programmchef des Festivals Ruhrhochdeutsch und dem Geierabend.

Für Theater stellt sich nach gut drei Monaten im Lockdown ebenfalls die Frage, wie schnell sie überhaupt wieder ein Programm hochfahren können. Das Fletch Bizzel, dessen künstlerische Leitung Hanke-Lindemann zuletzt abgegeben hat, hat am 17. April den ersten Termin im Kalender. „Ich denke, direkt ab dem 22.3. wird kaum jemand etwas machen.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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