Wohnungslose Menschen können seit einigen Wochen in einem Dortmunder Hotel übernachten. Das soll nach dem Willen einer Mehrheit im Rat ausgebaut werden. © bodo e.V. / Sebastian Sellhorst
Wohnungslosigkeit

Obdachlose in Hotels? Grüne, CDU und Linke sind einer Meinung

Bett statt Schlafsack – mit dieser Forderung werben Initiativen aus der Wohnungslosenhilfe dafür, Hotels für Obdachlose zu öffnen. Eine ungewöhnliche Koalition im Rat nimmt das Thema jetzt auf.

Bei zweistelligen Minus-Temperaturen sind viele Menschen, die auf der Straße leben, in Gefahr. Die Öffnung einer Flüchtlingsunterkunft für Wohnungslose durch die Stadt Dortmund war zuletzt ein erster Schritt, um die Situation kurzfristig zu verbessern.

Das ist aus Sicht der Fraktionen von Grünen, CDU und Die Linke+ aber noch nicht genug nicht genug. Sie wollen die Stadtverwaltung in die Pflicht nehmen, weitere Örtlichkeiten zu öffnen.

Zusammenarbeit mit Hotel soll dauerhaft werden

In einem gemeinsamen Antrag für die Ratssitzung am Donnerstag (11.2.) wird Ulrich Langhorst, Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit den Worten zitiert: „Für ihr Engagement sind wir den Ehrenamtlichen sehr dankbar. Wir begrüßen auch das Angebot der Deutschen Bahn und die Öffnung der Flüchtlingsunterkunft. Aber das reicht noch nicht.“

Deshalb soll mit der Mehrheit von Grünen (22 Sitze), CDU (20 Sitze) und Die LINKE+ (7 Sitze) im Rat beschlossen werden, die Initiative „Bett statt Schlafsack“ dauerhaft zu unterstützen. Das Projekt von Gast-Haus e.V., Team Wärmebus und Bodo e.V. ermöglicht es Wohnungslosen, in einem Hotel in der Innenstadt einen geschützten Rückzugsraum zu finden.

„Bett statt Schlafsack“ ist nach jetzigem Stand bis Ende Februar befristet. Die drei Fraktionen bitten die Verwaltung, die Finanzierung des Projekts bis Ende März und je nach Pandemie-Lage auch darüber hinaus sicherzustellen.

Erfahrungen mit Hotel-Projekt sind positiv

Die Erfahrungen der Organisatoren mit dem Konzept sind bisher positiv, sagte zuletzt der Gast-Haus-Vorsitzende Heinrich Bettenhausen. Dies gelte sowohl auf Seiten der Wohnungslosen als auch auf Seiten der Hotel-Betreiber.

„Je nach Bedarf sollen zusätzliche Betten in Hostels, Hotels oder Jugendherbergen angemietet – und dafür Geld zur Verfügung gestellt werden“, sagt CDU-Fraktionschef Dr. Jendrik Suck.

Utz Kowalewski, Linke+-Fraktionsvorsitzender, ergänzt: „Während der Pandemie müssen auch wohnungslose Menschen die Chance erhalten, die AHA-Regeln einzuhalten.“

Weitere Initiativen unterstützen die Idee

Die Idee, wohnungslose Menschen in zurzeit nicht touristisch oder geschäftlich nutzbaren Hotelzimmern unterzubringen, findet aktuell viele Unterstützer.

So fordert etwa die im Zuge der Pandemie gegründete Dortmunder Wohnungslosenhilfe-Gruppe „Face2Face“ in einem Aufruf von der Verwaltung: „Öffnen Sie Hotels, von der Stadt finanziert und nicht über Spenden. Jetzt!!!“.

Im Internet gibt es mehrere Petitionen mit dem Ziel, die Öffnung von Hotels zu erleichtern. Sie sind unter anderem an Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) gerichtet.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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