Nutzen und Schaden: Was bringt der Kirchentag der Stadt?

dzEvangelischer Kirchentag

Gut 100.000 Besucher bringt der Kirchentag nach Dortmund. Die Stadt legt sich dafür auch finanziell ins Zeug. Doch Kritiker bezweifeln, dass sich das Engagement für Stadt die Stadt auszahlt.

Dortmund

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Volle Innenstadt-Straßen und eine vergleichsweise leere Fußgängerzone. Dirk Rutenhofer, dem Vorsitzenden des Cityrings, der Gemeinschaft der Innenstadt-Kaufleute, schwante nichts Gutes als er am Montagvormittag den Stau am Ostwall beobachtete. Er war Folge der Ostentor-Sperrung für den Kirchentag.

Der Stau rief auch gleich die politischen Kritiker des Protestantentreffens erneut auf den Plan. Sie fühlten sich von der Stadtspitze und den Kirchentags-Veranstaltern getäuscht, erklärte die Fraktion Die Linke und Piraten im Rat.

Kritik von Linken und Piraten

Vor dem Beschluss des Rates für einen städtischen Kirchentagszuschuss von 2,7 Millionen Euro und Sachleistungen, dem die Fraktion Die Linke und Piraten nicht zugestimmt habe, sei behauptet worden, dass die Kirchentagszuschüsse sich auch durch Umsatzzuwächse des Innenstadt-Einzelhandels für die Stadt rechnen würden, erklärt der Fraktionsvorsitzende Utz Kowalewski. Nun drohten sogar massive Umsatzeinbußen für den Handel in der City.

„Wir stellen in einer Stadt, in der jedes dritte Kind von Sozialleistungen leben muss, einen Kirchentagszuschuss von 2,7 Millionen Euro in Frage. Die Evangelische Kirche wäre durchaus in der Lage ihren Kirchentag selbst zu bezahlen. Der Millionenzuschuss wäre in Sozial- und Infrastrukturprojekten besser angelegt“, erklärt Utz Kowalewski.

Ausgaben der Kirchentags-Besucher

Ob sich der Kirchentag für die Gastgeber-Stadt auszahlt, war in der Tat schon 2015 eine heiß diskutierte Frage. Die Kirchentags-Veranstalter verweisen dabei auf Untersuchungen, nach denen die Teilnehmenden eines Kirchentages in der Region „deutlich über 20 Millionen Euro ausgeben“. Die Stadt Berlin, wo der Kirchentag 2017 stattfand, habe den Wert der Veranstaltung für sich mit 63 Millionen Euro beziffert.

Durch die Ausgaben der Kirchentagsbesucher würden indirekt über Steuern 700.000 Euro in die Stadtkasse zurückfließen, hatte Kämmerer Jörg Stüdemann schon 2015 vorgerechnet. Dazu kämen die Einnahmen für Gastronomie und Westfalenhallen.

Der Kirchentag selbst verweist außerdem darauf, dass allein von den Organisationskosten mehr als 8 Millionen Euro wieder in die Stadt zurückflössen. Denn der Kirchentag gebe rund 40 Prozent seines Budgets wieder vor Ort aus, etwa für Handwerker und Dienstleister. Dazu käme ein Werbewert im zweistelligen Millionenbereich durch die Medienberichterstattung.

Nutzen und Schaden: Was bringt der Kirchentag der Stadt?

Die Ausgaben und Einnahmen des Evangelischen Kirchentages in Dortmund © DEKT

Die Frage, wieviel Geld die Kirchentagsbesucher und der Kirchentag selbst in Dortmund ausgeben, ist aber nur ein Aspekt der Diskussion um die Folgewirkungen der Großveranstaltung.

Nicht zuletzt spekulieren die Stadt Dortmund und auch der Cityring darauf, dass viele Besucher des Kirchentages, später einmal wiederkommen, wenn sie Gefallen an der Stadt gefunden haben.

Hoffen auf Wiederholungsbesuche

In der Regel erklärten etwa 40 Prozent der Kirchentagsteilnehmer die Gastgeberstadt später noch einmal besuchen zu wollen. In Berlin waren es bei einer Befragung der Kirchentagsbesucher sogar 78 Prozent - wobei ein Vergleich der Hauptstadt mit Dortmund hinken dürfte.

Noch weniger greifbar dürfte der erhoffte Imagegewinn für Dortmund sein - ausgehend von der Erkenntnis, das Auswärtige ein positiveres Bild von der Stadt haben, wenn sie einmal hier waren.

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