Albtraum-Überfälle: Notarzt wird im Gericht von Emotionen übermannt

dzVergewaltigungsprozess fortgesetzt

Ein Mann soll in Dortmund drei Frauen verfolgt, geschlagen und vergewaltigt haben. Am Dienstag (11.8.) sagte ein Notarzt als Zeuge aus – ein Vorfall hat sich ihm ins Gedächtnis gebrannt.

Dortmund

, 12.08.2020, 11:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anklagevorwürfe beschreiben wahre Albtraum-Überfälle. Mitten in der Nacht soll ein 32-Jähriger am Dortmunder Hauptbahnhof Frauen aufgelauert haben, die alleine unterwegs waren.

Dann folgte er ihnen offenbar bis zu ihren Wohnungen, griff sie von hinten an, schlug überaus brutal zu und vergewaltigte die Opfer. Ihm werden insgesamt drei Fälle zur Last gelegt.

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In der Nacht auf den 7. Dezember 2019 traf es eine 25-jährige Frau. Sie hatte das von ihr bewohnte Mehrfamilienhaus in der Nordstadt bereits erreicht und wartete im Hausflur auf den Aufzug, als der Täter zuschlug.

Laut Anklage drückte er die Frau an die Wand, prügelte sie blutig, schleifte sie dann die Treppe herunter in den Keller und zog sie aus.

Angeklagter wartete am Bahnhof

Die 25-Jährige kann sich heute an so gut wie nichts mehr erinnern. Dem Notarzt, der in dieser Nacht im Einsatz war, hat sich der Vorfall dagegen tief ins Gedächtnis eingebrannt.

Am Dienstag sagte der 35-Jährige vor dem Landgericht als Zeuge aus – und wurde dabei immer wieder von seinen Emotionen überwältigt. „Ich habe schon viel erlebt und gesehen“, sagte er den Richtern. „Aber dieser Fall beschäftigt mich bis heute ungemein.“

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Es ist vor allem die Auffindesituation des Opfers, die dem Arzt zu schaffen macht. Hilflos kauerte die Frau nackt im Keller. Überall war Blut. Und auch die Verletzungen der 25-Jährigen lassen den Mediziner bis heute nicht los.

„Ihr Gesicht war auf das Doppelte angeschwollen“, berichtete der Zeuge. „Wäre sie bewusstlos gewesen, hätten wir sie beatmen müssen. Aber das hätte nicht funktioniert.“

Notarzt spricht von Lebensgefahr

Für den Notarzt steht daher fest: Die Frau schwebte in dieser Nacht in Lebensgefahr. Hätte sie das Bewusstsein verloren oder wäre sie erst später gefunden worden, „hätte sie leicht an den Verletzungen sterben können“. Die Ärzte stellten später Platzwunden und Knochenbrüche im Gesicht fest.

Im Anschluss an die Zeugenaussage legte das Gericht eine kurze Pause ein. Zeit genug für die ebenfalls anwesende Frau, dem Notarzt noch einmal nachzulaufen. Mit zitternder Stimme dankte sie ihrem Retter – und der brach erneut in Tränen aus. Schließlich umarmten sich die beiden sogar. Der jungen Frau war diese Geste einfach wichtiger als alle Corona-Regeln.

Sollte der Angeklagte in allen drei Fällen schuldig gesprochen werden, muss er sich auf viele Jahre im Gefängnis einstellen. Gut möglich, dass er dann jedoch nach Verbüßung eines Teils der Haftstrafe in seine Heimat Kosovo abgeschoben wird. Eine solche Maßnahme soll sogar 2016 schon einmal umgesetzt worden sein. 2019 war der 32-Jährige dann aber doch wieder da.

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