Nordstadt ist neuer Corona-Hotspot – am Anfang war das ganz anders

dzAuswertung von Fallzahlen

Die Gefahr, sich in Dortmund mit Covid-19 anzustecken, ist derzeit in der Nordstadt am größten: Dort gab es zuletzt mit Abstand die meisten Neuinfektionen. Nun will die Stadt gegensteuern.

Dortmund

, 16.07.2020, 20:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 110 Dortmunder sind aktuell nach offiziellen Schätzungen an Covid-19 erkrankt - und die meisten von ihnen leben in der Nordstadt. Rund 70 Prozent der derzeit aktiven Corona-Fälle in der Stadt, die das Gesundheitsamt derzeit während ihrer Quarantäne betreut, wohnen dort.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Auswertung des Gesundheitsamts. In ihr haben die städtischen Pandemie-Experten alle der mittlerweile über 1100 bestätigten Corona-Fälle in Dortmund ausgewertet und sie den einzelnen Stadtbezirken zugeordnet.

Eving war nur kurzzeitig ein Hotspot

Erstmals ist es dem Amt nun möglich, sich einen genauen Überblick darüber zu verschaffen, wie sich die Infektionszahlen in den einzelnen Stadtteilen entwickeln.

Etwa in Eving, wo es zuletzt signifikant mehr Infektionsfälle gegeben hat. Doch ist die Häufung der Corona-Fälle dort auf wenige Familien zurückzuführen und hat sich laut Gesundheitsamt nicht ausgebreitet. Aktuell gebe es in Eving nur noch fünf Menschen in Quarantäne.

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In der Nordstadt hingegen verzeichnet die Stadt bereits seit mehreren Wochen eine Steigerung der Krankheitsfälle. Der Stadtteil ist aktuell Dortmunds Corona-Hotspot.

Das war am Anfang der Corona-Krise noch ganz anders: In den ersten Wochen nach dem ersten Auftreten des Virus in Dortmund lag das Zentrum der Pandemie im Südosten der Stadt.

Anfangs gab es die meisten Corona-Fälle in Aplerbeck

„Von Mitte März bis Mitte Mai hatten wir eine Konzentration der Fälle im wohlhabenderen Süden, vor allem im Stadtbezirk Aplerbeck“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken. „Das waren die Skifahrer.“

Nach einem ruhigen Mai mit kaum Neuinfektionen, die sich ziemlich gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilten, zog nach den immer stärkeren Lockerungen der Corona-Einschränkungen die Zahl der neuen Krankheitsfälle im Verlauf des Junis wieder an.

„In der Nordstadt ist viel los“

Während dieser ganzen Zeit war die Nordstadt in Punkto Corona-Zahlen unauffällig. Es war Mitte Juni, im Zuge der Corona-Fälle an der Libellen-Grundschule in der Nordstadt, als Renken das erste Mal von seinen Mitarbeitern hörte: „In der Nordstadt ist viel los.“ Immer mehr Nordstädter erkrankten an Covid-19.

Den einen, entscheidenden Corona-Ausbruch im Stadtteil gab es nach Renkens Überzeugung nicht. Die Fälle an der Libellen-Grundschule beispielsweise seien die Folge des erhöhten Infektionsgeschehens in der Nordstadt gewesen und nicht umgekehrt, sagt der Gesundheitsamtsleiter.

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Renken glaubt vielmehr, dass sich das Virus ganz langsam, nach und nach in der Nordstadt ausbreitete - vor allem aus zwei Gründen:

  • Zum einen sei der Stadtteil einer der am dichtesten besiedelten in ganz Dortmund - wo viele Menschen auf engem Raum leben, hat es das Virus leichter.
  • Zum anderen gebe es in Teilen der internationalen Bevölkerung der Nordstadt ein Informationsdefizit rund um die Pandemie. Das habe auch mit der Sprachbarriere zu tun: Man habe als Stadt zu stark auf Aufklärung in deutscher Sprache gesetzt, die jene Nordstadt-Bewohner, die noch nicht so lange in Deutschland leben, nicht erreicht habe, so Renken.

Nordstadt soll eigene Test-Stelle bekommen

Die Stadt will die weitere Ausbreitung des Virus im Stadtteil bekämpfen. „Wir werden unsere Kommunikationsstrategie anpassen“, sagt Renken. Man setze auf verstärkte Aufklärung in anderen Sprachen - und auf mehr Tests: „Wir wollen eine neue Abstrichstelle in der Nordstadt einrichten.“

Ziel sei es, dass die neue Test-Stelle in zwei bis drei Wochen ihren Betrieb aufnehme. „Wenn zum Ende der Schulferien in drei, vier Wochen viele Menschen aus Risikogebieten wie der Türkei zurückkehren, wollen wir handlungsfähig sein“, erklärt Renken.

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