Neuzulassung von SUVs: Dortmund zählt bei dicken Autos zu den führenden deutschen Städten

dzVerkehr

Die Dortmunder mögen große Autos. Während Parkplätze fehlen und der CO2-Ausstoß hoch ist, werden immer mehr SUVs und Geländewagen zugelassen. Für Fahrer bequem - für andere ein Ärgernis.

Dortmund

, 24.10.2018, 17:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die unserer Redaktion vorliegt, rückt eine interessante Zahl ins Licht: Zwischen 2013 und 2017 stieg die Zahl der Neuzulassungen von „Sport Utility Vehicles“ (SUV) deutschlandweit um 112 Prozent auf mehr als 521.000 Fahrzeuge. Die Autobesitzer in Dortmund haben einen kräftigen Anteil daran.

SUV-Zulassungen in Städten: Dortmund auf Platz 4

SUVs sind Autos, die eine Brücke zwischen Limousine und Geländewagen schlagen. Beispiele sind der BMW X1, der Audi Q2 und der Nissan Qashqai. Geländewagen wie zum Beispiel VW Tiguan oder Skoda Kodiaq gab es Ende 2017 bundesweit 299.000 Mal – 37 Prozent mehr als 2013.

Dortmunder Autobesitzer tragen zu den hohen Zahlen bei SUVs und Geländewagen ordentlich bei: Die Stadt steht auf Rang vier aller Neuzulassungen von SUVs in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern in 2017. Von insgesamt 17.460 Neuzulassungen im vergangenen Jahr machten 15,6 Prozent SUVs aus. Das sind rund 2723 Autos.

Nur Berlin (16,8 Prozent), Dresden (17 Prozent) und Köln (18 Prozent) haben prozentual mehr Neuzulassungen bei dem Wagentyp. Bei den Geländewagen rangiert Dortmund in der Statistik auf Rang acht mit 8,7 Prozent (rund 1519 Neuzulassungen). Führend ist hier Stuttgart (12,5 Prozent). Durchschnittlich waren deutschlandweit an allen Pkw-Neuzulassungsstellen 15,2 Prozent der Zulassungen SUVs und 8,7 Prozent der Zulassungen Geländewagen.

Verkaufsschlager bei den Autohäusern

Den Trend zu mehr SUVs und Geländewagen können auch Dortmunds große Autohäuser bestätigen. Michael Sprenger ist Gesamtgeschäftsführer der Hülpert Unternehmensgruppe, die in Dortmund unter anderem das Volkswagen-Zentrum am Westfalendamm betreibt. „Auch bei uns ist der Absatz von SUVs in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen“, sagt Sprenger. Das liege an der höheren Sitzposition und den höheren Einstiegsmöglichkeiten, die gerade bei älteren Menschen gefragt seien. Durch die Höhe sei auch ein besserer Überblick über den Verkehr gegeben.

Doch nicht nur der Komfort ist für die höheren Verkaufszahlen ausschlaggebend: „Nicht zuletzt stehen SUVs für einen bestimmten Lebensstil, verknüpft mit Attributen wie Funktionalität, Sicherheit und Souveränität“, so Sprenger auf Anfrage.

Diese Sicht kann Peter Sandhofe von Volkswagen Schmidt bestätigen: „Der Trend geht eindeutig zum SUV und Geländewagen.“ Speziell der höhere Einstieg spiele auch hier eine Rolle. Das sei seiner Aussage nach aber völlig losgelöst vom Alter. „Und natürlich sind Wagen auch sportlicher und geben optisch mehr her als Vans“, so Sandhofe im Gespräch mit dieser Redaktion.

BUND kritisiert „falsche Politik der Stadt“

Die Tendenz überrascht Thomas Quittek vom BUND Dortmund nicht unbedingt. „Das bestätigt eigentlich das Bild“, sagt er. Dortmund habe den höchsten Pkw-Bestand aller deutschen Städte. „Wir haben zwar auch Bahn und Bus, aber der Radverkehr stagniert“, kritisiert er.

Daran sei auch eine falsche Politik der Stadt schuld, die den Autoverkehr bevorzugt. „Schauen Sie sich doch mal in der Stadt um. Da sind überall Tiefgaragen.“

Zumal Quittek die Notwendigkeit eines solch großen Fahrzeugs in der Stadt nicht sieht: „Sie produzieren mehr Schadstoffe und nehmen mehr Platz weg, der erstmal vorhanden sein muss“, sagt der Pressesprecher mit Blick auf die Parksituation beispielsweise im Kreuzviertel. Ein Problem, das er auch hinsichtlich des Radschnellweges sieht, der durchs Kreuzviertel gehen soll: „Dort stehen die Autos ja schon in zweiter Reihe. Wenn es jetzt immer mehr SUVs gibt, brauchen die ja noch mehr Platz.“ Auch deswegen versteht Quittek die Zunahme an großen Autos nicht – sie stehen viel. „Das sind ja eher Stehzeuge als Fahrzeuge.“

BUND fordert höhere Besteuerung von SUVs

Der BUND sehe die zunehmenden Zahlen mit großen Sorgen. Die Umweltschützer sehen einerseits die Stadt in Zugzwang. So solle man die vorhandenen Parkplätze nicht noch vergrößern, wie es zum Teil im Parkhaus Westentor aktuell geschieht. Aber auch der Bund solle handeln: „Diese großen Fahrzeuge müssen höher besteuert werden“, fordert Quittek.

Die Grünen stellten die Kleine Anfrage an den Bundestag, weil sie die These aufgestellt hatten, dass der neuerliche Anstieg der durchschnittlichen CO2-Emissionen in 2017 auch auf die hohen Zulassungszahlen von SUVs und Geländewagen zurückgehe.

Laut Bundesverkehrsministerium stießen neuzugelassene SUVs in 2017 einen CO2-Mittelwert von 133,2 Gramm pro Kilometer aus. Bei Geländewagen liegt dieser Wert bei 159,2. Pkws stoßen im Schnitt 127,9 Gramm aus.

Insgesamt betrug der Bestand in Dortmund Ende 2017 282.290 Fahrzeuge. Der Neuwagen mit den höchsten CO2-Emissionen aus dem Segment SUV war 2017 der Infinity FX QX70 mit 300,5 Gramm pro Kilometer.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Trans*Personen in Dortmund
„Meine Wahrheit ist komplexer“: Vincent (30) aus Dortmund ist weder Mann noch Frau