Neuer Verein will der freien Kulturszene durch die Corona-Krise helfen

dzKultur

Der Verein "dott - Netzwerk Dortmunder Tanz- und Theaterszene" möchte die freie darstellende Szene fördern, vernetzen und stärken – denn genau diese freie Szene trifft Corona besonders hart.

Kaiserstraßenviertel

, 28.04.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das hatte sich der neue Verein sicherlich anderes vorstellt. Kurz nach der Gründung kam die Corona-Krise und damit veränderte sich vieles. „Wir sahen uns vor große Herausforderungen gestellt, als ganz junger, noch im Aufbau befindlicher Verein, eine angemessene Rolle zu finden", so Christoph Rodatz, stellvertretender Vorsitzender von dott.

Denn der Verein befindet sich in der Findungsphase und sowohl Mitglieder als auch Vorstand sind beruflich von der Krise hart getroffen. Doch erst ein kleiner Blick zurück.

Die freie, darstellende Szene für Tanz und Theater ist neben den institutionellen Orten wie Schauspielhaus oder Oper ein wichtiger Teil der Kultur in Dortmund. Zu ihr gehören viele Einzelkünstler, freie Theatergruppen sowie Tanz-, Objekt- und Kindertheater oder spartenübergreifende Performances.

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Lange Zeit fand die Szene wenig Berücksichtigung und Protagonisten wie Einrichtungen kämpften jedes Jahr um Fördergelder, Produktionsorte oder ihren Bekanntheitsgrad.

Eine Erhöhung der Fördergelder der Stadt seit 2018/19 gab wichtige Impulse und nun soll sich durch die Vereinsgründung in der Szene noch mehr ändern. Die ersten Ideen eines Zusammenschlusses der freie Szene entstanden 2015 und mündeten in einem ersten Netzwerktreffen mit 20 Vertretern im November 2017.

Aus der Idee wurde ein eigener Verein

„Es war ein tolles, konstruktives Treffen, im dem viele Themen und vor allem Bedarfe gesammelt wurden", erinnert sich Nilüfer Kemper, Vorsitzende des Vereins. Sie gehörte mit der Choreografin und Tanzvermittlerin Birgit Götz und dem Regisseur und Schauspieler Rolf Dennemann zu den Initiatoren des ersten Treffens.

Final erfolgte im Februar 2020 die Gründung des „dott - Netzwerk Dortmunder Tanz- und Theaterszene e.V.“.

Damals wie heute sind die Forderungen klar: ein Projektraum für freie darstellende Kunstproduktionen und Vermittlungsarbeit, eine gemeinsame, bessere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit sowie eine Erhöhung der Projektförderung freier Theaterarbeit und Honoraruntergrenzen.

Das Depot in der Nordstadt ist ein Ort der freien Kulturszene.

Das Depot in der Nordstadt ist ein Ort der freien Kulturszene. © Dieter Menne (Archiv)

„Wir wollen vernetzen, fördern, uns kulturpolitisch einbringen und die freie Szene sichtbarer machen. Zudem müssen wir uns neben der Nachwuchsarbeit auch um prekäre Arbeitsverhältnisse und mögliche Altersarmut in der Zukunft kümmern", erklärt Birgit Götz.

Gerade der zweite Satz hat durch die Corona-Krise eine noch größere Bedeutung. Dott sieht die Situation in Dortmund nicht anderes als in anderen Städten. Die große Herausforderung besteht darin, alternative Konzepte für die künstlerische Weiterarbeit zu finden und die jeweilige finanzielle Situation in den Griff zu bekommen.

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Der Verein freut sich über die schnellen Hilfszahlungen des Landes. „Dennoch stellt sich die Frage, wie es in drei bis sechs Monaten aussieht“, so Rodatz. Man werde erst dann sehen, welche wirtschaftlichen Folgen die Krise hat und ob weitere Hilfsgelder zur Verfügung gestellt werden.

Es ist schwer abzusehen, wie die Zukunft wirklich aussieht

Der Verein konzentriert sich neben der Kommunikation in und mit der freien Szene vor allem auf die Zukunftsszenarien und die damit anstehenden Probleme.

So ist kurz vor den Sommerferien ein echtes oder digitales Treffen geplant. Dabei soll es um die anstehenden Herausforderungen und den Blick in die Zukunft gehen – mit Fragen zu den Spielstätten, den begonnenen Projekten, Spielplänen oder zu Förder- und Hilfsprogrammen.

Es bleiben aktuell aber viele Fragen offen: Wie lange also wird es dauern, bis wieder Normalität herrscht? Wird es bald wieder möglich sein, Veranstaltungen im normalen Umfang zu machen? „Das lässt sich aktuell noch überhaupt nicht einschätzen“, sagt Rodatz.

Kontakt

So ist „dott“ zu erreichen

  • Wer sich an den neuen Verein „dott - Netzwerk Dortmunder Tanz- und Theaterszene e.V.“ wenden will, hat mehrere Möglichkeiten.
  • Direkt an der Güntherstraße 65, telefonisch unter 0231 20652762 und per Mail an netzwerk.f.d.k.do@gmail.com
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