Neue Details zu tödlichen Schüssen: Wie lange redeten die Polizisten mit Mouhamed D.?

Redakteur
Der Einsatzort auf der Holsteiner Straße wurde von der Polizei abgesperrt.
Mouhamed D. ist an der Holsteiner Straße in der Nordstadt bei einem Polizei-Einsatz erschossen worden. © Wittland / Privat
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Sind die polizeilichen Schüsse, durch die der 16-jährige Mouhamed D. gestorben ist, unausweichlich gewesen? Oder hätten die Einsatzkräfte die Situation so lange im geschlossenen Innenhof kontrollieren können, bis man den Jugendlichen kommunikativ dazu bringt, das Messer abzulegen, das er in der Hand hielt?

Diese Fragen sind ganz zentral in den aktuell noch laufenden Ermittlungen. Im Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtags sind am Mittwoch (14.9.) nun Details zum zeitlichen Ablauf des Einsatzes vom 8. August genannt worden.

Bereits bekannt war, dass in der Wohngruppe des geflüchteten Senegalesen um 16.25 Uhr der Notruf gewählt worden war, weil Mouhamed D. gedroht hatte, sich mit einem Messer selbst zu verletzen. Die Tonaufnahme des Telefonats, das bis zur Schussabgabe gehalten wurde, wird aktuell noch ausgewertet.

Um 16.30 Uhr kamen laut Ministerium erste Polizeikräfte an der Holsteiner Straße in der Nordstadt an. Sieben Minuten später klärten Beamte die Lage im Innenhof auf, so das Protokoll der Polizei-Leitstelle. In dem Hof hat Mouhamed D. wohl allein in einer Ecke auf dem Boden gehockt.

Polizei hat sich erst offenbar unbemerkt genähert

Um 16.42 Uhr haben sich Polizisten dem Bericht zufolge Mouhamed D. „auf drei bis vier Meter“ genähert, ohne gesehen zu werden. Zwei Minuten später, um 16.44 Uhr, habe man den Jugendlichen angesprochen. Dem aktuellen Erkenntnisstand zufolge ist fraglich, ob man sich auf Spanisch verständigen konnte – und auch, ob die Polizei überhaupt ausdrücklich aufgefordert hat, das Messer abzulegen.

Um 16.46 Uhr wurde Reizgas auf ihn gesprüht, in der Hoffnung, dass er wegen der Schmerzen das Messer fallen lässt. Das ist nicht passiert. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der versprühte Stoff das Verfallsdatum monatelang überschritten hatte. Zwei Elektro-Taser wurden abgeschossen, um 16.47 Uhr, also drei Minuten nach der Kontaktaufnahme, fielen die tödlichen Schüsse. Zuerst hat das Magazin Spiegel darüber berichtet.

Zu diesem Zeitpunkt sind zehn Beamte und zwei Anwärter vor Ort gewesen, vier der Beamten waren zivil gekleidet. Nach den tödlichen Schüssen sind weitere Kräfte angekommen, nicht nur der Wache Nord, sondern etwa auch aus Huckarde.

Bis zur Entscheidung, ob und wenn ja welche Polizisten angeklagt werden, wird es wohl noch bis in den Oktober dauern. Gegen fünf Beteiligte wird ermittelt; den Einsatzleiter und die Personen, die Reizgas, zwei Taser und Maschinenpistole ausgelöst haben.