Neue Anforderungen, neuer Arbeitsdirektor - doch in der EDG-Belegschaft herrscht Unruhe

dzEDG-Personalzoff

Auf die EDG warten große Herausforderungen. Der Entsorger muss beweisen, dass er das Straßengrün besser pflegt als das Tiefbauamt. Doch in der Belegschaft rumort es seit Monaten.

Dortmund

, 19.11.2018, 12:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gleich drei Mal stand die EDG in der letzen Ratssitzung auf der Tagesordnung: Der Aktionsplan Stadtsauberkeit wurde verabschiedet und die lange umstrittene Übertragung der Pflege des Straßengrüns vom Tiefbauamt an die EDG. Außerdem bestätigte der Rat die Wahl des neuen Arbeitsdirektors Bastian Prange bislang Verdi-Sekretär und Mitglied im EDG-Aufsichtsrat. Er ist Nachfolger des im Juni geschassten Wolfgang Birk.

Neue Aufgaben, ein neues Anforderungsprofil – die Pflege des Straßengrüns darf nicht teurer, soll aber besser werden – und ein neuer Arbeitsdirektor. Doch die Stimmung ist denkbar schlecht im Konzern (insgesamt 1200 Mitarbeiter), der zu 51 Prozent der Stadt und zu 49 Prozent DSW21 gehört. Unter anderem kursiert seit Wochen ein anonymes Schreiben aus der Belegschaft in der Politik. Es ist an einzelne Ratsmitglieder gegangen und gespickt mit internen Vorgängen, Hörensagen sowie Halb- und Unwahrheiten. Aber es zeigt: Bei der EDG ist viel Dampf auf dem Kessel.

Anonymer Brief spricht von „Intrigen“ und „Machenschaften“

Die Schreiber bezeichnen sich als „bunt gewürfelten Haufen von Mitarbeitern, die die Entwicklung der EDG in den letzten Wochen und Monaten mit Angst verfolgen“. Sie schreiben von „Intrigen“ und „Machenschaften“ der Geschäftsführung und des neuen Betriebsrates. Auslöser ist der Rauswurf von Wolfgang Birk, das Schreiben ein Aufbäumen seiner alten Seilschaften gegen die neuen Verhältnisse.

Der neue Betriebsrat, der Birk wegen gestörter Zusammenarbeit im Juni das Vertrauen entzogen hatte, habe seinen Arbeitsdirektor „verkauft“, lautet der Vorwurf in dem anonymen Brief. Die Betriebsratsvorsitzende Bianca Hermann weist das zurück.

Beschlüsse boykottiert

Dem Vernehmen nach hatte Birk zum Schluss viele einstimmig zu fassende Beschlüsse in der dreiköpfigen Geschäftsführung mit Klaus Niesmann und Frank Hengstenberg boykottiert. Die mussten dann wiederholt zu den Gesellschaftern in Person von Kämmerer Jörg Stüdemann und DSW21-Chef Guntram Pehlke laufen, um ihre Entscheidungen von höchster Ebene absegnen zu lassen. Solche Defizite in der Unternehmenskultur, die auch der Belegschaft nicht verborgen geblieben sind, kommen bei Gesellschaftern nicht gut an.

Zudem hatte Birk gegen die ausdrückliche Anweisung von Kämmerer Stüdemann vor zwei Jahren einen wichtigen Bereichsleiter entlassen. Dieser Informationsträger ist dann zur Konkurrenz gegangen – von der EDG verabschiedet mit sechs Monatsgehältern und einer Abfindung von 70.000 Euro. Jetzt wurde er zurückgeholt, übersprang mehrere Hierarchiestufen und wurde zum Betriebsleiter gemacht. Der Mann stelle nun seine früheren Vorgesetzten kalt und versetze sie mit Verlust ihrer Dienstwagen. Unter den Leidtragenden soll auch der frühere Betriebsratsvorsitzende, ein Birk-Freund, sein.

Freistellung ohne Auswirkungen auf Müllgebühren

Aufsichtsratsmitglieder sehen das Hin und Her als Resultat von Führungsschwäche. Die EDG-Geschäftsführung lässt dazu auf Anfrage mitteilen, die Stelle des Betriebsleiters habe durch altersbedingtes Ausscheiden neu besetzt werden müssen. In dem Zusammenhang habe man auch „die Organisation des Betriebes hinterfragt und in der Konsequenz Veränderungen in Abläufen und Zuständigkeiten vorgenommen. Dies hatte auch weitere personelle Veränderungen zur Folge.“ Die mit der Freistellung des damaligen Bereichsleiters verbundenen Kosten hätten keine Auswirkung auf die Müllgebühren. Weiter wollte man die betriebsinternen Vorgänge nicht kommentieren.

SPD-Ratsmitglied Hans-Peter Balzer, ehemals Betriebsrat und für den Verbund zuständig, ist bereits seit acht Jahren raus aus dem Unternehmen, ihm und seinen Mitarbeitern sowie dem früheren Arbeitsdirektor Birk aber noch eng verbunden. „Ich bin auch von einigen Personen angerufen worden“, sagt er. Die Belegschaft sei „nicht zufrieden mit der Situation.“

Das Vertragsverhältnis mit Wolfgang Birk ist inzwischen außerordentlich gekündigt. Jetzt geht es um seine Pension. Noch ist nicht klar, ob er klagen wird.

Aufsichtsratsvorsitzender und SPD-Fraktionschef Norbert Schilff sagte auf Anfrage, er könne die Stimmung in der Belegschaft nicht einschätzen, werde sich aber als Gast der nächsten Betriebsversammlung ein Bild machen. Und: „Ich werde entsprechende Worte dazu sagen.“

Wenn Bastian Prange seinen neuen Job als Arbeitsdirektor antritt, wartet viel zerschlagenes Porzellan auf ihn. Ohne eine Änderung in der Führungskultur vom Aufsichtsratsvorsitzenden bis zur Geschäftsführung wird es nur schwer zu kitten sein.

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