Dokumente aufgetaucht: Ein Netz voller Stasi-Agenten spionierte die Dortmunder aus

Stasi in Dortmund

Unterlagen aus den geheimen Archiven der Stasi zeigen, wie die Agenten der DDR in Dortmund gearbeitet haben. Einen jungen Mann wollte der Geheimdienst unbedingt anwerben. Wir suchen ihn.

Dortmund

, 26.10.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dokumente aufgetaucht: Ein Netz voller Stasi-Agenten spionierte die Dortmunder aus

Deckel der Akte des Stasi-Agenten „Hermann Reimer“. Der Rostocker wurde in Dortmund als Ermittler eingesetzt. © BStU

Wäre der Dritte Weltkrieg ausgebrochen, wäre die Sowjetunion über den Gegner im Bilde gewesen. Agenten hatten zuvor Truppenstärken der NATO-Streitkräfte und kriegswichtige Infrastrukturen ausgespäht - ja selbst detaillierte Pläne zum Sprengen von Autobahnbrücken hatten die Warschauer-Pakt-Staaten für den Ernstfall vorbereitet - mit der Hilfe Hunderter Spione in Westdeutschland. Mindestens 17 von ihnen agierten in Dortmund.

Die Universität im Visier der Stasi

Sie stahlen Forschungsergebnisse aus der Universität, spähten Manöver der britischen Streitkräfte an der B1 aus, warben Dortmunder für Spitzeldienste an und versuchten Politiker in Misskredit zu bringen - 30 Jahre nach dem Fall der Mauer tauchen in der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin Stück für Stück Dokumente auf, die eindrucksvoll zeigen, wie der DDR-Geheimdienst in Dortmund operiert hat.

Die Dokumente werden zum Jahresende in einer Serie auf ruhrnachrichten.de veröffentlicht. Aber bis dahin sucht die Redaktion noch Zeugen.

17 Spitzel gab es zum Ende der DDR in Dortmund

Ein Jahr vor der Wende bestand das Netz der Spitzel in Dortmund aus 17 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM). Unter ihnen befanden sich verschiedene Agententypen: Führungs-IM, die andere Agenten ausbildeten und deren Einsätze koordinierten; Objektquellen, die in wichtigen Unternehmen oder Behörden arbeiteten und Dokumente nach Ostberlin schleusten; Werber, die für frischen Agentennachschub sorgten; Ermittler, die in Dortmund - je nach Auftrag der HV/A - verschiedenste Informationen beschafften.

Im Oktober 1984 setzte die Stasi den Inoffiziellen Mitarbeiter „Sebastian“ auf einen jungen Dortmunder Doktoranden an, Sohn des Vorstandsvorsitzenden eines Dortmunder Unternehmens. Das zeigen folgende Seiten aus der „Operativen Personen Kontrolle“ für die Zielperson „Vogel“.

Ein echtes Schwergewicht unter den Spitzeln war der Nachrichtentechniker „Holger Rum“, von der HV/A ausgebildet und in Dortmund abgesetzt, um professionell Informationen aus der Region zu beschaffen. Er arbeitete zuletzt in einem Unternehmen, das schlüsselfertige industrielle Video- und Sicherheitssysteme anbot. So organisierte er für die DDR modernste Technik, darunter Nebel- und Wärmebildkameras und Informationen zur Leiterplattenentwicklung für IBM-Computer. Allein im November 1988 erhielt er für seine Dienste 20.000 Mark von der Stasi.

Menschen gesucht, die mit der Stasi in Berührung kamen

Für die Serie sucht unsere Redaktion Menschen aus Dortmund und Umgebung, die mit der Auslandsspionage der Staatssicherheit in Berührung gekommen sind. Dortmunder, die angeworben werden sollten oder anderweitig ins Visier der Stasi geraten sind oder Menschen, die in diesem Bereich Beobachtungen gemacht haben. Besonders interessiert ist die Redaktion an Hinweisen zur Identität der Zielperson „Vogel“, den die Stasi observiert hat. Wer helfen kann, meldet sich bitte unter jens.ostrowski@lensingmedia.de oder telefonisch unter 0231 9059-4100.

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