Neonazi sorgt für Eklat im Rathaus und inszeniert sich dann als Opfer

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Neonazi-Ratsmitglied Michael Brück provoziert SPD-Mann Balzer vor der Ratssitzung und inszeniert einen Eklat mit einem verdeckt aufgenommenen Video. Doch der Schuss geht nach hinten los.

Dortmund

, 14.02.2020, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einmal mehr hat Neonazi-Ratsmitglied Michael Brück am Donnerstag im Dortmunder Rat versucht, mit einem Affront auf sich und seine Splitterpartei „Die Rechte“ aufmerksam zu machen. Doch der Schuss ist nach hinten losgegangen.

Wie schon häufiger war der Dorstfelder SPD-Ratsvertreter Hans-Peter Balzer das Ziel von Brücks Provokationen. Balzer fühlt sich von dem Dorstfelder Neonazi seit dessen Einzug in den Rat gereizt und belästigt.

Brück filmte den Wortwechsel von Donnerstag mit einem verdeckten Handy, stellte das Video gleich ins Netz und sich als Opfer dar. In der gleich anschließenden Ratssitzung forderte er Polizeischutz wegen angeblicher Morddrohungen von Balzer gegen ihn.

Darum ging es wirklich: Mit gespielter Freundlichkeit und mit verdecktem Handy, das auf Videoaufnahme eingestellt ist, setzt sich Brück in eine Sitzgruppe zu Hans-Peter Balzer und den beiden CDU-Ratsmitgliedern Erwin Bartsch und Ute Mais. Brück fragt: „Herr Balzer, wie geht es Ihnen denn so?“ Der bittet zunächst darum, von Brück in Ruhe gelassen und nicht begrüßt zu werden. Man spiele nicht in einer Liga.

„Nein, ich will Sie nicht töten“

Doch Brück lässt nicht locker, und Balzer verliert die Nerven, lässt sich dazu hinreißen zu sagen, dass der Staat ihn, Balzer, viele Jahre ausgebildet habe, um zu töten. Brück fragt nach: „„Und Sie wollen mich töten? Herr Balzer, Sie wollen mich...“ – „Nein, ich will Sie nicht töten“, antwortet Balzer klar und deutlich.

Was allerdings den AfD-Fraktionschef Heiner Garbe später nicht davon abhält, Balzer in der zunehmend zur Posse abdriftenden Ratssitzung zu fragen, ob er schon eine Tötungsliste habe.

Das Video mit dem konstruierten Vorfall verbreitet sich schnell als „EILMELDUNG“ in den einschlägigen rechtsextremen Netzwerken – auch verbunden mit der Aufforderung, Brücks Kleinstpartei bei der Kommunalwahl im September zu wählen.

Verstoß gegen die Hausordnung

Doch noch während der Ratssitzung dreht sich der vermeintliche Erfolg von Brück ins Gegenteil; denn andere Ratsmitglieder verweisen auf die Hausordnung des Rathauses.

Danach dürfen im Rathaus nur akkreditierte Medienvertreter filmen und fotografieren – eine Folge des sogenannten „Rathaussturms“ der Rechtsextremen im Mai 2014 und von Brücks früheren Provokationen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau kündigt in der Sitzung an, den Video-Vorfall und in dem Zusammenhang gefallene Äußerungen rechtlich überprüfen zu lassen.

Doch der Staatsschutz ist bereits in der Pause der Ratssitzung vor Ort. In den Augen der beiden Polizeibeamtinnen zeigt das Video nicht eine Morddrohung gegen den Neonazi, sondern sie werten es als Straftat von Brück, weil der Dialog ohne Balzers Wissen und der beiden anderen beteiligten Ratsmitglieder aufgezeichnet und im Netz veröffentlicht worden war.

Künftig wählt Balzer 110

Noch am Donnerstagabend hat die Polizei mitgeteilt, dass sie ein Strafverfahren gegen den 30-jährigen Brück wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz und der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes eingeleitet habe. Mit Beschluss des Dortmunder Amtsgerichts wurde Brück nach der Ratssitzung durchsucht und sein Smartphone sichergestellt.

Auch das nutzt Brück nun, um sich im Netz weiter empört als Opfer zu inszenieren.

Am Freitag erklärte Hans-Peter Balzer gegenüber dieser Redaktion zu dem Vorfall, künftig werde er nicht mehr so emotional reagieren: „Ich nehme den Hörer in die Hand und wähle 110. Fertig.“

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