Nazis in Dortmund sagen geplante Demos nach großen Protesten ab

dzNazi-Demo

An fünf Montagen in Folge sind Nazi-Demos durch die Nordstadt gezogen. Doch deutlich früher als geplant ist jetzt Schluss. Nazi-Gegner wollen trotzdem weiter protestieren.

Dortmund

, 29.10.2019, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hunderte Dortmunder haben in den vergangenen Wochen lautstark gegen mehrere Aufmärsche von Rechtsextremen in der Nordstadt protestiert. Ursprünglich hatten die Neonazis angekündigt, bis Weihnachten jeden Montag dort demonstrieren zu wollen.

Jetzt haben die Organisatoren jedoch sämtliche Demo-Anmeldungen für den Rest des Jahres zurückgenommen, wie die Dortmunder Polizei auf Anfrage bestätigt.

Jetzt lesen

Weil die letzten Märsche durch die Nordstadt „störungsfrei und reibungslos“ verlaufen seien, sehen die Rechtsextremen zumindest vorerst keinen Grund mehr für weitere Demonstrationen. Eigenen Angaben zufolge wollten sie für die Meinungsfreiheit eintreten.

„Die Nordstadt-Bevölkerung hat gezeigt, dass sie keinen Bock auf Nazis hat“, resümiert Kim Schmidt, Sprecherin der linken Gruppe „Autonome Antifa 170“.

Zehnmal mehr Gegenprotest als Nazi-Teilnehmer

Mehr als 500 Bürger haben am Montagabend rund 50 Neonazis mit Trillerpfeifen und Sprechchören dauerhaft übertönt. Zwei Wochen zuvor protestierten mehr als 2000 Dortmunder gegen die Nazi-Demo.

„Durchaus positiv haben wir den Protest der Dortmunder Zivilgesellschaft aufgenommen“, so Schmidt: „Dass dies aber erst nach dem antisemitischen Terroranschlag in Halle geschah, hinterlässt leider einen bitteren Beigeschmack.“

Jetzt lesen

Beide Lager sprechen jetzt von erfolgreichen Abenden. Der vorläufig letzte Demo-Montag am 28. Oktober verlief der Polizei zufolge ohne „herausragende Störungen“. Eine Anzeige sei gestellt worden, weil ein Rechtsextremist einen Kameramann mit einer Taschenlampe geblendet haben soll, hieß es am Dienstag.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Volkan Baran hatte eine Kundgebung für Montag angemeldet und sagte danach: „Ich bin sehr zufrieden, weil wir es geschafft haben, ein sehr breites Bündnis aufzustellen.“

Weiterhin Protest „gegen den Nazi-Laden“

Die Nachricht der Demo-Absagen habe er mit Freude zur Kenntnis genommen: „Aber sie sollte uns nicht daran hindern, montags weiterhin gegen den Nazi-Laden am Brüderweg zu protestieren.

Nach den Wahlerfolgen der AfD sagt der SPD-Politiker: „Es geht um die Verteidigung der Demokratie.“ Verbindungen zwischen der AfD und Dortmunder Rechtsextremen seien beim sogenannten Bürgerdialog im September eindeutig geworden.

„Das eigentliche Problem ist in den Köpfen der Leute“

Auch Georg Deventer vom Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus sagt: „Wir haben einen Erfolg auf der Straße verbucht. Aber das eigentliche Problem ist die Menschenfeindlichkeit in den Köpfen der Leute.“ Auch er geht davon aus, dass verschiedene Bündnisse montags ab 18 Uhr weiterhin am Brüderweg aktiv sein werden.

Die Dortmunder Polizei nimmt die Demo-Absage zur Kenntnis und möchte diese auf Anfrage nicht weiter bewerten.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Angstraum Ausgehviertel

„Finstere Gestalten“, Videokameras: So gefährlich ist das berüchtigte Brückstraßen-Viertel

Hellweger Anzeiger Blindgänger im Westfalenpark

„Ich wurde eher unsanft aus meiner Wohnung gebeten“ - Szenen einer Evakuierung