Nach Klassenfahrts-Drama in Dortmund: Bleiben die Eltern auf den Kosten sitzen?

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Die Skifreizeit eines Dortmunder Gymnasiums lief anders, als sich alle erhofft hatten: Rund 50 Kinder sind krank geworden. Und eine Skifahrt ist teuer. Was zahlt die Versicherung zurück?

Dortmund

, 21.02.2020, 16:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Klassenfahrt nach Südtirol ist für mehr als die Hälfte der 104 Dortmunder Siebtklässler zum Albtraum geworden: Kurz nach Beginn der Busfahrt hatten sich viele Kinder mit Grippeviren angesteckt.

Die Skifahrt nach St. Johann bietet das Leibniz-Gymnasium im Dortmunder Kreuzviertel seit zwei Jahren an. „Die Initiative kam von den Eltern, die hatten sich das gewünscht“, erzählt Schulleiter Dr. Dennis Draxler (43).

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Schon kurz vor der ersten Tour im vergangenen Jahr war die Aufregung groß, weil Eltern vor der Abfahrt bemerkt hatten, dass der Bus, der die Kinder transportieren sollte, defekt war. Ein anderer Bus wurde schließlich eingesetzt, der die Schüler sicher in die Alpen und zurück brachte.

Im Skiurlaub selbst gab es damals keine Vorfälle. „Wir hatten keine Verletzten, keine Kranken. Es war auffällig ruhig. Da wusssten wir natürlich nicht, dass wir das in diesem Jahr doppelt zurückkriegen“, sagt der Schulleiter.

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Der Krankenstand der diesjährigen Skifreizeit: 50 von 104 Kindern waren krank und konnten nicht Ski fahren. 20 von ihnen hatten sehr hohes Fieber, zwei Schüler mussten zwischendurch im Krankenhaus untersucht werden. Von den neun mitgefahrenen Lehrern war die Hälfte ebenfalls krank.

Und so eine Fahrt ist ganz schön teuer. Die Kosten für die einwöchige Tour betragen am Leibniz-Gymnasium rund 450 Euro. „Das ist schon eine Menge Geld. Aber darin ist alles enthalten. Die Fahrt, das Hotel, der Skipass, die Leih-Ausrüstung“, sagt Torsten Sommer.

Er ist Klassenpflegschaftsvorsitzender der Klasse 7a. Auch sein Sohn Florian hatte sich auf der Tour angesteckt. „Geld zurück wird es nicht geben“, glaubt er.

„Wir haben natürlich allen Eltern ein Reiseversicherungs-Paket angeboten. Das war aber nicht verpflichtend“, erklärt Dennis Draxler. „Viele haben schon privat eine Reiseversicherung, und wir können auch niemanden dazu zwingen.“

Versicherungen bieten Schülerpakete an - doch helfen sie in diesem Fall?

Angebote gibt es zuhauf: Die Allianz bietet einen „Schüler-Komplettschutz“ an. Mit Reiserücktritts-, Reiseabbruch- und Auslandskrankenversicherung, mit Reiseunfall- sowie einer Reise-Haftpflichtversicherung. Denn gerade auf Skifahrten kommt es häufig zu Unfällen.

Auch eine Reisekrankenversicherung ist in dem Paket enthalten, das bei einer Fahrt zum Preis von 400 bis 500 Euro für etwa 29 Euro pro Schüler (ohne Selbstbeteiligung) zu haben ist.

„Grundsätzlich würden wir den Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung empfehlen“, sagt Tabea Veit von der Continentale Krankenversicherung a.G. in Dortmund. „Die übernimmt die Behandlungskosten vor Ort und sorgt bei medizinischer Notwendigkeit auch für den Rücktransport.“

Die Provinzial bietet ebenfalls ein Paket an. „Diese Schülerversicherungen sind Marktstandard“, sagt Pressesprecher Heiko Wischer. Bei einer Fahrt im Wert von 400 Euro läge der Preis pro Schüler etwa bei 20 Euro (ohne Selbstbeteiligung).

„Mit einer Erstattung kann man nicht rechnen.“

Ein Versicherungspaket hatte das Gymnasium auch angeboten. Doch die Frage ist ja: Was passiert, wenn ein Kind so krank wird, dass es zwar während der ganzen Tour im Bett liegt - aber nicht so krank ist, dass es nach Hause transportiert werden muss?

„Das Thema ist sehr speziell“, sagt Heiko Wischer. So eine Sondersituation hätten er und seine Kollegen noch nicht erlebt: „Aber wenn die Schüler vor Ort krank werden, kann man nicht mit einer Erstattung rechnen.“ Solche Vorkommnisse seien „Grauzonen“.

Eine Chance: Die Reiseabbruch-Versicherung

Viktoria Belke ist Versicherungs-Expertin bei der Signal Iduna in Dortmund. Sie sieht eine Chance, dass Eltern zumindest einen Teil der Kosten erstattet bekommen – wenn in ihrem Versicherungspaket eine Reiseabbruch-Versicherung enthalten ist.

„Wer so etwas abgeschlossen hat, kann bei seiner Versicherung nachfragen. Eventuell bekommt man dann zumindest das Geld für den Skipass zurück, wenn die Kosten hierfür im Gesamt-Reisepreis berücksichtigt wurden und diese Reiseleistung wegen der Erkrankung nicht in Anspruch genommen werden konnte“, sagt Belke.

Möglicherweise ließe sich dann auch prüfen, ob es bei der Unterkunft Teilerstattungen gibt. „Denn die Nutzung der Unterkunft erfolgte vielleicht allein vor dem Hintergrund, dass aus medizinischer Sicht wegen der 100-prozentigen Bettlägerigkeit eine frühere Rückreise nicht möglich war“, sagt Belke.

Auf Klassenfahrten gebe es unberechenbare Ansteckungsrisiken. „Gerade wenn die Kinder auf engstem Raum zusammen sind. Was den Schülern da passiert ist, ist wirklich schlimm“, sagt Viktoria Belke. Sie empfiehlt, vor der nächsten Klassenfahrt unbedingt darauf zu achten, sich über die Möglichkeiten einer Reise-Kranken- und einer Reise-Rücktrittkosten- inklusive Reiseabbruch-Versicherung zu informieren.

Klassenfahrt soll aufgearbeitet werden

Die Schulleitung möchte sich nach der missglückten Klassenfahrt noch einmal mit den Eltern zusammensetzen, um alles aufzuarbeiten. „Das Thema Versicherung werden wir dann auch mit der Schulpflegschaft besprechen. Sicher werden wir da eine gute Lösung finden“, sagt Draxler.

Aber der Schulleiter weiß auch, dass diese Klassenfahrt einfach vom Pech verfolgt war. „Es gibt Ausnahmesituationen, auf die kann man nie perfekt vorbereitet sein“, bedauert er.

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