Nach elf Jahren im Exil: Dortmunds rote Telefonzelle kehrt zurück

dzGeschenk aus Leeds

Die rote englische Telefonzelle war der Hingucker auf dem Platz von Leeds im Brückstraßenviertel - bis sie 2006 verschwand. Nun kehrt sie ins Stadtbild zurück. Der Ort ist schon ausgeguckt.

Hafen

, 14.08.2018 / Lesedauer: 3 min

„Hat ganz schön Rost angesetzt, das gute Stück“, sagt Volker Bach. Der 72-Jährige und sein Mitstreiter Jochen Mannel (68) marschieren übers Gelände der Firma „Kaddi-Lack“ an der Drehbrückenstraße im Hafenviertel. Sie sind ehrenamtliche Mitarbeiter des Industrielackmuseums, das gleich nebenan liegt.

Vorn am Eingang zum Gelände lagert ein Stapel kleiner Glascheiben, übereinander geschichtet. Die Rahmen, die zu den Scheiben gehören, liegen drüben in der Werkstatt. Ein paar Schritte weiter ums Eck - da steht sie nun, die rote, englische Telefonzelle. Besser gesagt: Da steht ihr Gerippe. Die Innereien sind in Bearbeitung.

Auf den Betriebshof verfrachtet

Seit rund 120 Arbeitsstunden sind die ehrenamtlichen Helfer dabei, das gute Stück, ein Geschenk von Dortmunds englischer Partnerstadt Leeds, in zäher Detailarbeit wieder auf Vordermann zu bringen. Viele Jahre, eine gefühlte Ewigkeit lang, hat sie auf dem Platz von Leeds am Eingang zum Brückstraßenviertel gestanden. Die rote Telefonzelle kannte beinahe jeder.

Anfang der 2000er Jahre bekamen das Brückstraßenviertel und der Platz von Leeds ein neues Pflaster. Eines, das nach Meinung von Politik und Verwaltung nicht mehr so recht zum Design der kultigen Telefonzelle passen wollte. 2006 wurde sie abgebaut und zum städtischen Betriebshof an der Nortkirchenstraße verfrachtet.

Ehrenamtliche holen Telefonzelle zurück

„Elf Jahre hat die dort gestanden.“ Ehrenamtler Jochen Mannel klingt fast ein bisschen vorwurfsvoll, das gute Stück einfach so in Vergessenheit geraten zu lassen. Noch 2009/2010 hatte die CDU in der Bezirksvertretung Innenstadt-West vorgeschlagen, das Telefonhäuschen zusammen mit anderen Erinnerungen an Dortmunds Partnerstädte auf einem Vorplatz am Dortmunder U aufzustellen. Vergebens. Das Telefonhäuschen blieb, wo es niemand sah.

Es war ein Bericht in unserer Zeitung im Juni 2016, der die Helfer aus dem Industrielackmuseum aufmerksam machte und bei ihnen die Idee wachsen ließ, die markante Telefonzelle aus ihrem Exil zu holen, sie wieder auf Vordermann zu bringen und an einem neuen Ort aufzustellen.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau gab sein Okay, und im April 2017 ließ die Stadt die knapp zwei Tonnen schwere Telefonzelle zur Drehbrückenstraße transportieren. Seitdem haben die Ehrenamtler alle Hände voll zu tun.

Nach elf Jahren im Exil: Dortmunds rote Telefonzelle kehrt zurück

Schleifen, grundieren, lackieren: Die freiwilligen Helfer (r. Volker Bach) haben sich mit viel Liebe zum Detail an die Arbeit gemacht. © Gregor Beushausen

Das Silikon, das die vielen Glasscheiben in den Rahmen hielt, haben sie inzwischen entfernt. Und die Rahmen selber: „Vollkommen verrostet“, sagt Helfer Bach. Die Farbe blättert an allen Ecken und Enden. Einfach eine neue Grundierung auftragen und lackieren, das ist den Helfern schnell klar geworden, würde nicht reichen. „Wir müssen mit dem Sandstrahler drüber“, sagt Bach. Gut, dass sie Sponsoren gefunden haben, die sie mit den notwendigen Materialien versorgen.

2019 wäre ein guter Anlass

Thomas Grüner, der Leiter des Industrie-Lackmuseums, hat hinter einer Glasscheibe sorgsam aufbewahrt, was bei den Arbeiten in Fugen und Winkel der Telefonzelle zum Vorschein gekommen ist: Grüner zeigt Markstücke und 50 Pfennigmünzen. Er zeigt einen Impfpass, Kugelschreiber, Telefonkarten - und mehrere Löffel und Spritzen. Es ist das Besteck Heroinsüchtiger, die den Platz von Leeds damals lange Zeit zu ihrem Treffpunkt gemacht hatten.

Ein exaktes Datum, wann sie mit ihren Arbeiten an der Telefonzelle fertig sind, will Grüner nicht nennen. 2019 wäre dafür ein guter Anlass: Dann feiern Dortmund und das engiische Leeds ihre 50-jährige Städtepartnerschaft. Das Industrielackmuseum wird zehn Jahre alt und der Hafen 120 Jahre.

Die Telefonzelle bekommt einen neuen Standort

In die City soll das gute Stück nicht zurück. Das Häuschen wird künftig an der Drehbrückenstraße im Hafen stehen, „beleuchtet und videoüberwacht“, wie Grüner sagt. Der Standort sei mit der Stadt abgestimmt. Grüner: „Wir haben alles schriftlich.“

Wenn sie erst steht, wird man die Telefonzelle begutachten, anfassen und fotografieren können. Nur eines kann man nicht: In ihr telefonieren. Sie soll ohne Anschluss bleiben.

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