Nach Antisemitismus-Vorwurf: Jury des Nelly-Sachs-Preises hat entschieden

Literaturpreis

Die Schriftstellerin, die in diesem Jahr den Nelly-Sachs-Preis erhalten soll, unterstützt offen den Boykott Israels. Deshalb hat die Jury ihre Entscheidung überdacht. Nun gibt es ein Ergebnis.

Dortmund

, 18.09.2019, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach Antisemitismus-Vorwurf: Jury des Nelly-Sachs-Preises hat entschieden

Sollte ursprünglich den Dortmunder Literaturpreis erhalten: Schriftstellerin Kamila Shamsie. © Mark Pringle

Sie ruft offen zum kulturellen Boykott Israels aufgerufen, um ihre Unterstützung der BDS-Bewegung (kurz für: Boykott, Desinvestionen, Sanktionen) macht sie keinen Hehl. Dennoch sollte die britisch-pakistanische Schriftstellerin Kamila Shamsie von der Stadt Dortmund für ihr literarisches Werk gewürdigt werden. Mit dem Nelly-Sachs-Preis, dem Literaturpreis der Stadt, dotiert mit 15.000 Euro.

Daraus wird jedoch nichts. Nicht nur wird der Preis doch nicht an die Schriftstellerin vergeben, es wird dieses Jahr gar keine Verleihung des Dortmunder Literaturpreises geben.

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Das teilte die Stadt Dortmund am Mittwoch (18.9.) in einer Pressemitteilung mit.

Bereits vor einer Woche hatte die Jury mitgeteilt, die Entscheidung überdenken zu wollen. Damals hatte sich unter anderem Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, NRW-Antisemitismusbeauftragte, deutlich gegen die Verleihung an Shamsie ausgesprochen.

Boykott widerspricht eigenen Richtlinien der Stadt

Sie wies die Stadt unter anderem daraufhin, dass die Stadt mit der Preisvergabe gegen die eigenen Richtlinien des „Netzwerks zur Bekämpfung von Antisemitismus in Dortmund“ verstoßen hätte.

Das hat nun offenbar auch die Jury so gesehen. Man habe mit dem Nelly-Sachs-Preis das herausragende literarische Werk der Autorin würdigen wollen, heißt es in der Mitteilung der Stadt. „Zu diesem Zeitpunkt war den Mitgliedern der Jury trotz vorheriger Recherche nicht bekannt, dass sich die Autorin seit 2014 an den Boykottmaßnahmen gegen die israelische Regierung wegen deren Palästinapolitik beteiligt hat und weiter beteiligt“, heißt es weiter.

Deswegen habe die Jury sich am Samstag (14.9.) noch einmal zur Beratung getroffen. Dort habe man dann den Beschluss gefasst, die Entscheidung aufzuheben und die Preisvergabe an Shamsie abzusagen.

Jury: Boykott hilft nicht, Grenzen zu überwinden

„Mit dem kulturellen Boykott werden keine Grenzen überwunden“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. „Sondern er trifft die gesamte Gesellschaft Israels ungeachtet ihrer tatsächlichen politischen und kulturellen Heterogenität. Auch das Werk von Kamila Shamsie wird auf diese Weise der israelischen Bevölkerung vorenthalten.“

Dies stehe insgesamt im Gegensatz zum Anspruch des Nelly-Sachs-Preises, Versöhnung unter den Völkern und Kulturen zu verkünden und vorzuleben.

Die Konsequenz: Die Vergabe des Nelly-Sachs-Preises wird in diesem Jahr ausgesetzt, einen neuen Preisträger soll es nicht geben. Der Literaturpreis wird damit erst 2021 wieder verliehen.

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