Mutmaßlicher Senioren-Betrüger will nur seinem Sohn geholfen haben

Teilgeständnis am Landgericht

Hunderte Senioren sollen mit fingierten Mahnschreiben um ihre Ersparnisse gebracht worden sein. Vor dem Landgericht gibt ein 62-jähriger Mann aus der Nordstadt lediglich Helferdienste zu.

12.11.2018, 16:27 Uhr / Lesedauer: 1 min

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatten die Betrüger gezielt ältere Menschen als Opfer ins Visier genommen. Die Senioren bekamen Schreiben von verschiedenen ausländischen Firmen, in denen sie zur Zahlung von angeblich angefallenen Rechnungsbeträgen aufgefordert wurden.

Für den Fall der Nicht-Zahlung wurden ihnen gerichtliche Verfahren und sogar Zwangsvollstreckungsmaßnahmen angedroht. In vielen Fällen wirkte der Druck. Den entstandenen Gesamtschaden beziffert die Anklagebehörde auf rund 100.000 Euro.

Drei Männer nach Bulgarien geschickt?

Die Frage ist nun: Inwiefern steckte der angeklagte 62-Jährige mit den Betrügern unter einer Decke? Die Staatsanwaltschaft hat ihn als Mittäter angeklagt, weil er mindestens drei Männer aus Dortmund nach Bulgarien geschickt haben soll, um dort auf dem Papier eine der Firmen zu eröffnen, die später die erfundenen Mahnbriefe verschickten.

In einer polizeilichen Vernehmung, die am Montag vor Gericht verlesen wurde, räumte der Angeklagte die äußeren Umstände zwar ein. Er will von dem wahren Hintergrund der drei Bulgarien-Reisen jedoch nichts gewusst haben. "Ich habe die Männer auf Wunsch meines Sohnes nach Bulgarien geschickt und ihnen auch erzählt, sie könnten etwa 2500 Euro verdienen", heißt es in der Vernehmung. Sein Sohn habe ihm die wahre Geschäftsidee jedoch verschwiegen.

Sohn soll wahren Grund verschwiegen haben

"Mein Sohn ist hochintelligent", gab der 62-Jährige weiter zu Protokoll. Natürlich sei ihm bekannt gewesen, dass der Filius "seit er zwölf Jahre alt ist Straftaten begeht", und auch, dass der junge Mann gerade erst nach einer fünfjährigen Haftstrafe wieder das Gefängnis verlassen hatte. "Trotzdem hatte ich keinen Grund, an seiner Redlichkeit zu zweifeln", diktierte der Mann den Polizeibeamten. "Als Vater musste ich ihm doch zeigen, dass ich an ihn glaube."

Wie weit der Angeklagte mit dieser Geschichte kommt, wird der weitere Prozessverlauf zeigen. Sein Sohn hält sich derzeit jedenfalls offenbar nicht in Deutschland auf. "Wir hatten immer nur telefonischen Kontakt", so der Angeklagte.

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