Mutmaßliche Autobetrüger ändern vor dem Landgericht ihre Taktik

dzLandgericht Bochum

Mit einem perfiden Trick sind Autoverkäufer und Käufer aus ganz Deutschland betrogen worden – auch in Dortmund. Um wieder freizukommen, wollen die Angeklagten nun ihre Taktik ändern.

04.12.2019, 16:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Masche war hinterhältig. In ganz Deutschland hat eine Gruppe betrügerischer Autohändler skrupellos abkassiert – auch in Dortmund. Drei der mutmaßlichen Täter stehen seit November in Bochum vor Gericht. Wenn alles so läuft, wie es sich ihre Verteidiger vorstellen, dann könnten sie Weihnachten trotzdem wieder auf freiem Fuß sein. Ob die Richter „mitspielen“, steht allerdings noch nicht fest.

Angeklagte wollen Weihnachten frei sein

Nach wochenlangem Schweigen haben die Anwälte der drei Männer am Montag (2.12.) doch noch Geständnisse angekündigt. Außerdem soll der Schaden wiedergutgemacht werden – und zwar in durchaus hohen Beträgen.

Der 21-jährige Hauptangeklagte hat allein 60.000 Euro angeboten. Im Gegenzug hofft er auf eine Strafe von dreieinhalb bis vier Jahren Haft sowie die vorübergehende Entlassung aus dem Gefängnis – auf Kaution.

Die anderen beiden Angeklagten haben ebenfalls Geständnisse und Schadenswiedergutmachungen angekündigt. Für einen könnte es sogar noch zu einer Bewährungsstrafe reichen.

Richter haben sich noch nicht festgelegt

Die Staatsanwältin hat bereits angekündigt, die Angebote zu akzeptieren. Nur die Richter haben noch keine eindeutigen Signale ausgesendet. Sie wollen in Ruhe beraten.

Wie die Täter vorgegangen sind, ist am Montag am Fall eines Architekten aus Bayern deutlich geworden, der im Internet einen 5er-BMW angeboten hat. Der Wagen war in die Jahre gekommen, rund 300.000 Kilometer gelaufen. Knapp 7500 Euro wollte er dafür haben, 2000 hat er am Ende erhalten. Wie es dazu kam?

BMW kam plötzlich nicht mehr den Berg hoch

Nach einer Begutachtung wollte der sonst so zuverlässige BMW plötzlich nicht mehr richtig fahren. „Der kam kaum noch den Berg hoch – selbst bei Vollgas nicht“, sagte der Zeuge den Richtern. Er selbst habe sich das gar nicht erklären können.

Wie sich bei einem Stopp an einer Tankstelle zeigte, war Öl im Kühlwasser. Ein plötzlicher Motorschaden? „Das haben sie mir gesagt.“ Weil er sich selbst nicht besonders auskannte, habe er den Wagen schließlich für einen Bruchteil des erhofften Preises abgegeben.

Heimlich Öl ins Kühlwasser gekippt?

Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass die Täter bei der ersten „Inspektion“ selbst Öl ins Kühlwasser gegossen haben, um den Kaufpreis zu drücken. Beim späteren Weiterverkauf soll der Kilometerstand massiv nach unten „korrigiert“ worden sein. So wurde ein doppelter Fitsch gemacht. Insgesamt geht es um knapp 50 Autos. Der Prozess wird fortgesetzt.

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