Mordprozess geplatzt - Zeugen müssen wohl alle Fragen nochmal beantworten

dzMordfall Schalla

Der Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla platzt und muss noch einmal von vorne beginnen. Die Eltern des Opfers und der Angeklagte hängen gleichermaßen in der Luft.

Dortmund

, 09.03.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Dezember hatte es sich abgezeichnet, am Montag wurde das Aus offiziell: Die Erkrankung einer Richterin lässt eine Fortsetzung des Prozesses im Mordfall Schalla innerhalb der gesetzlichen Fristen nicht zu.

Für die Eltern der im Oktober 1993 ermordeten Schülerin heißt das: Sie müssen weiter warten. Doch auch der Angeklagte Ralf H. wird über die Aussetzung des Verfahrens und den Neubeginn in einigen Tagen oder Wochen alles andere als glücklich sein.

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Der vielfach vorbestrafte Mann aus Castrop-Rauxel wird durch eine DNA-Spur vom Tatort schwer belastet. Dennoch bestreitet er von Anfang an, etwas mit dem Mord an Nicole-Denise Schalla zu tun zu haben.

Verhandlung hat 2018 begonnen

Das Dortmunder Schwurgericht hatte mit der Verhandlung im Dezember 2018 begonnen. Zunächst waren sechs Prozesstage terminiert worden. Deshalb hatte die Kammer auch darauf verzichtet, von vornherein einen Ergänzungsrichter abzustellen, der im Falle einer Erkrankung hätte einspringen können.

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Doch schon bald stellte sich heraus, dass die angesetzten Verhandlungstage niemals ausreichen würden. Im Verlaufe der Verhandlung stellten die Verteidiger Gencer Demir und Christian Dreier zahlreiche Beweisanträge, mit dem Ziel, ihren Mandanten zu entlasten oder Zweifel an seiner Schuld zu säen.

DNA-Untersuchungen im Dezember in Auftrag gegeben

Nachdem die Rechtsanwälte Ende 2019 die Nachuntersuchung einer Haarspur beantragt hatten, die im Herbst 1993 am Tatort gesichert worden war, hatten auch die Richter noch einmal die komplette Akte durchforstet und waren dabei auf weitere 18 Spuren gestoßen, die offensichtlich niemals auf DNA untersucht worden waren.

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Mit diesem Untersuchungsauftrag an die Uniklinik Münster verabschiedete sich das Gericht in die Weihnachts- und Silvesterpause, die sich dann aufgrund der Erkrankung einer Richterin zu einer unendlichen Geschichte entwickelte.

Neuauflage soll „zeitnah“ beginnen

Klar ist: Die jetzt anstehende Neuauflage wird nicht noch einmal 15 Monate dauern, bis sie inhaltlich am jetzigen Stand der Dinge angekommen ist. Viele Gutachten und Urkunden werden sicherlich nicht mehr in laufender Verhandlung erstattet oder verlesen, sondern müssen von den neuen Prozessbeteiligten am Schreibtisch gelesen werden.

Der Großteil der Zeugen muss aber sicherlich damit rechnen, noch einmal zu einer Aussage geladen zu werden - um dann die gleichen Fragen noch einmal beantworten zu müssen.

Wann der Prozess in anderer Besetzung von vorne beginnt, steht noch nicht fest. Der Auftakt der Verhandlung solle „zeitnah“ erfolgen, teilte das Landgericht am Montag mit.

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