Mordfall Schalla: Ralf H. hat mehrfach nachts Frauen angegriffen

dzLandgericht Dortmund

Im Prozess um die Ermordung der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla ging es am Donnerstag um die Vorstrafen des Angeklagten. Sie zeichnen das Bild eines aggressiven Gewalttäters.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 11.09.2020, 07:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf weibliche Opfer – immer derselbe Gewalttäter: Im Prozess um die Tötung der Schülerin Nicole-Denise Schalla vor knapp 27 Jahren sind am Dortmunder Schwurgericht Details aus der umfangreichen Vorstrafenakte des dringend mordverdächtigen Ralf H. aus Castrop-Rauxel bekannt geworden. Sie zeichnen das Bild eines aggressiven Gewalttäters, der insbesondere im fraglichen Zeitraum (1993/94) mehrfach nachts junge Frauen angegriffen hat.

Aus dem Gebüsch angesprungen

Jeweils nur wenige Wochen vor und nach der mutmaßlichen Ermordung der Dortmunder Schülerin am 14. Oktober 1993 im Jungferntal waren eine damals 16-Jährige sowie eine 28-Jährige von Ralf H. angegriffen worden.

Die Teenagerin hatte er damals aus einem Gebüsch angesprungen und ihr den Mund zugepresst. Die andere Frau wurde von ihm um 5.30 Uhr vor einer Diskothek in Castrop-Rauxel attackiert und mit einem speziellen Faust-Steck-Griff in deren Mund in Todesängste versetzt.

2011 aus der Sicherungsverwahrung entlassen

Auch bei drei weiteren Attacken in den Jahren 1987, 1991 und 2003 war das Tatbild ähnlich: Alle Opfer waren Frauen. Das Motiv blieb jeweils unklar. Eine Frau hatte Ralf H. in einer Telefonzelle angegriffen, eine andere in einer Disko-Toilette eingeschlossen und mit einer Flasche attackiert. Das zu dieser Tat gehörige Urteil lautete im Jahr 1988 auf versuchten Totschlag.

Allein 1994 bis 2002 hat Ralf H. durchgehend im Gefängnis gesessen. Nach einem Nötigungs-Urteil im Jahr 2003 war neben einer zweijährigen Haftstrafe zudem die Sicherungsverwahrung angeordnet worden – aus der der Castrop-Rauxeler erst 2011 entlassen worden ist.

Angeklagter verzog keine Miene

Ralf H. quittierte die Verlesung der alten Urteile am Donnerstag ohne äußerliche Regung. Auch als Psychiater Bernd Roggenwallner ansetzte, um sein Gutachten zur Schuldfrage und einer Sicherungsverwahrung zu erstatten, verzog er keine Miene.

Der Nervenarzt sah sich nicht zuletzt auch aufgrund der von H. verweigerten Mitarbeit - „was als Angeklagter aber sein gutes Recht ist“ - außerstande, „aufgrund der vorliegenden Faktenlage“ klare Prognosen abzugeben. Anzeichen auf schwere psychische Störungen seien aber nicht zu erkennen.

Vorwürfe immer bestritten

Dass er Nicole-Denise Schalla im Oktober 1993 heimtückisch und aus sexuellen Motiven erwürgt haben soll, hat der kürzlich aus der U-Haft entlassene Angeklagte immer bestritten. Hauptindiz der Anklage ist eine auf dem Körper der getöteten Schülerin sichergestellte Hautschuppe, die nach neuen Untersuchungen laut Staatsanwaltschaft zweifelsfrei Ralf H. zuzuordnen ist.

Am kommenden Prozesstag sollen drei Experten zu Thema DNA und zur Haarproblematik befragt werden.

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