Mordfall Nicole-Denise Schalla: Weiter warten auf das Urteil

dzLandgericht Dortmund

Im Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla lässt das Urteil weiter auf sich warten. Grund ist ein neuer Antrag der Verteidigung.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 28.10.2019, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte Ralf H. aus Castrop-Rauxel ist ein vielfach vorbestrafter Gewalttäter. Das sieht jeder, der einen Blick in seine Vorstrafenakten wirft. Im März 1999 ordnete das Amtsgericht Werl deshalb an, dass dem Mann Körperzellen entnommen werden sollten, um seine DNA ermitteln und speichern lassen zu können. Es bestehe die Erwartung weiterer schwerer Straftaten, heißt es in dem damaligen Beschluss.

Nur dieser Anordnung ist es zu verdanken, dass im Sommer 2018 neue Bewegung in den Mordfall Schalla kam. Die damals 16 Jahre alte Schülerin war im Herbst 1993 auf dem Heimweg im Jungferntal erwürgt worden.

Lange Zeit tappte die Polizei bei der Suche nach dem Täter. Bis im Sommer 2018 eine an der Leiche gesicherte alte DNA-Spur doch noch ausgewertet werden konnte. Die Spur führte zu Ralf H., dem Gewalttäter.

Anwälte: Ralf H. hätte gar nicht angeklagt werden dürfen

Der heute 54-Jährige bestreitet jedoch, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Und seine Verteidiger Christian Dreier und Gencer Demir fahren seit Montag nun auch noch eine andere Strategie. Die Entnahme der Körperzellen im März 1999 sei rechtswidrig gewesen, hieß es in einem Antrag, den Dreier verlas. Denn die Anordnung sei nicht als Folge einer „erheblichen Straftat“ von Ralf H. getroffen worden.

Zur Einordnung: H. saß zu diesem Zeitpunkt eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten ab, die er wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht bekommen hatte.

Weil die DNA niemals hätte entnommen werden dürfen, sei auch alles, was in der Folgezeit mit dem Spurenmuster passiert sei, rechtswidrig, sagen die Verteidiger jetzt. Ihrer Ansicht nach hätte der Angeklagte im Sommer 2018 nicht festgenommen und später auch nicht wegen Mordes an Nicole-Denise Schalla angeklagt werden dürfen.

Anwalt fordert Ende des Haftbefehls für mutmaßlichen Schalla-Mörder

Den Clou hatte sich Dreier für den Schluss seines Antrags aufgespart. Wegen des „Beweisverwertungsverbots“ für die DNA-Spur gebe es keinen Grund mehr, den Angeklagten weiter einzusperren. „Der Haftbefehl ist aufzuheben“, hieß es am Montag. Spätestens da stöhnten die vielen Zuschauer im Gerichtssaal hörbar auf.

Wie die Richter mit dem Antrag umgehen, steht noch nicht fest. Sicher ist nur, dass die Worte Dreiers die geplanten Plädoyers und auch den gesetzten Zeitplan bis zur Urteilsverkündung zerstörten. Nunmehr sollen die Plädoyers frühestens am 8. November beginnen. Vorsorglich wurden für die Zeit danach weitere Verhandlungstage bis Anfang Dezember festgelegt.

Ralf H. kommentierte die schwierige Terminsuche süffisant so: „Setzen Sie mich endlich auf freien Fuß, dann können wir das auch nächstes Jahr machen.“

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