Im Sommer 2020 konnten die Dortmunder Schausteller zumindest auf dem temporären Freizeitpark „FunDOmio“ arbeiten - eine ähnliche Perspektive wollen sie jetzt auch. © Oliver Schaper (Archiv)
Veranstaltungen

Mitten in Notbremse-Diskussion: Schausteller fordern Öffnungs-Perspektive

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die bundesweite Corona-Notbremse gilt. Und doch fordern die Schausteller Öffnungs-Perspektiven. Denn sie sehen ihre Argumente nicht mitgedacht.

Nächtliche Ausgangssperre und erneute Geschäftsschließungen: Durch die geplante bundesweite Corona-Notbremse könnte sich in Dortmund bezüglich der Corona-Maßnahmen einiges ändern. Jegliche Öffnungsschritte wären damit wieder hinfällig. Die Stadt Dortmund plant ohnehin ihre eigene Notbremse am Montag zu ziehen, wie am Freitag (16.4.) bekannt wurde.

Nicht verändern würde sich durch die Notbremse allerdings die Lage der Veranstaltungsbranche. Denn diese liegt wohl ohnehin derzeit brach.

Volksfeste trotz steigender Inzidenzen?

Dazu heißt es sowohl in der bisherigen als auch in der ab Montag (19.4.) gültigen Corona-Schutzverordnung für NRW, dass große Festveranstaltungen mindestens bis zum 31. Mai untersagt sind.

Und doch wird derzeit ein eindeutiger Appell des Bundesverbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute (BSM) laut: „Lassen Sie uns Teil der sicheren Freizeitgestaltung sein und Märkte sowie Volksfeste unter Auflagen wieder stattfinden!“

Schausteller fordern langfristige Perspektiven

„Wir fordern nicht, morgen wieder aufmachen zu können – so weltfremd sind wir nicht“, erklärt Patrick Arens, Dortmunder Schausteller und Vizepräsident des Bundesverbandes. „Und trotzdem war es für uns wichtig, die Forderung jetzt so zu stellen. Denn die Veranstaltungsbranche kommt im Moment gar nicht vor.“

Statt also ungeachtet der steigenden Inzidenzwerte über möglichst baldige allgemeine Öffnungsszenarien zu spekulieren, geht es den Schaustellern vielmehr um generelle Perspektiven. „Die Forderung ist eher zukunftsgerichtet. Wie geht es weiter?“, so Arens. Denn dies gehe aus bisherigen Verordnungen schlichtweg nicht hervor.

Kirmes sicherer als Kinobesuch?

Der Bundesverband bezieht sich in seinem Appell auch auf die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF), die öffentlich betont, dass das Infektionsrisiko im Freien deutlich geringer sei als in geschlossenen Räumen.

Arens kritisiert dementsprechend, dass über die Öffnung von Theatern, Opernhäusern oder Kinos durchaus bereits diskutiert werde. So sollen diese laut den bisher bekannten Regeln der geplanten Corona-Notbremse bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 mit einem negativen Testergebnis und bei einer Inzidenz unter 50 sogar beinahe uneingeschränkt besuchbar sein.

Lage der Schausteller ist „wirklich ernst“

„Für den Moment fordern wir gar nichts“, relativiert Arens. „Wir sind ja sehr zurückhaltend gewesen, schon seit 12, 13 Monaten. Uns ist klar, dass die Zahlen runtergehen müssen.“ Doch gebe es für die Monate nach dem Lockdown zu wenig Informationen.

„Die Lage ist wirklich ernst. Wenn wir weiterhin ein ganzes Jahr nicht arbeiten können, werden die Rücklagen und auch die staatlichen Hilfsmittel fast überall aufgebraucht sein.“

Schausteller fordern Möglichkeit erneuter Projekte wie „FunDOmio“

Der Dortmunder Schausteller setzt seine Hoffnungen auf den Sommer. Wenn die Inzidenzen sinken, finde er erneute Konzepte wie den Freizeitpark auf Zeit „FunDOmio“, der im letzten Sommer in Dortmund aufgebaut wurde, wünschenswert.

In diese Richtung gebe es schon Planungen, sagt er. „Aber erst mal sehr unbestimmt.“ Für den Fall, dass bis zum Herbst eine gewisse Impfquote erreicht ist, spricht er sich sogar dafür aus, „wieder über normale Veranstaltungen nachzudenken“.

Doch dafür müssen nun die nächsten Möglichkeiten zunächst politisch definiert werden, zum Beispiel, ab welchem Inzidenzwert die ersten Projekte umsetzbar wären. „Es geht uns nicht um heute oder morgen. Aber um irgendwann.“

Westphal: „Kann keinem raten, das jetzt zu planen“

„So wie sich das jetzt darstellt, kann ich es keinem raten, das jetzt zu planen“, sagt Oberbürgermeister Thomas Westphal zum Thema „FunDOmio“ in einer Pressekonferenz am Freitagmittag (16.4.) auf Nachfrage.

Er könne die Hoffnungen der Schausteller zwar nachvollziehen, aber „wie es dann im Sommer genau aussieht, wissen wir jetzt nicht.“

Hinweis der Redaktion: Nach der Pressekonferenz der Stadt am Freitag (16.4.) haben wir den Text aktualisiert und die Antwort des Oberbürgermeisters auf die Hoffnungen der Schausteller eingearbeitet. In einer ersten Version dieses Textes stand eine Reaktion der Stadt noch aus.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte
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