Mit Messer auf Geliebte eingestochen: „Ich weiß, dass ich dir wehgetan habe“

dzLandgericht

Ein Mann sticht mehrmals auf seine Geliebte ein. Die Staatsanwaltschaft ist sicher: Er wollte verhindern, dass seine Frau von der Affäre erfährt. Entsprechend hoch ist der Strafantrag.

Dortmund

, 25.09.2019, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zehn Jahre Haft - das beantragte Staatsanwalt Henner Kruse am Mittwoch für den angeklagten 45-jährigen Handwerker. Mehrfach soll der auf seine Geliebte eingestochen haben, um zu verhindern, dass seine Frau von der Affäre erfährt.

Der Mann sei ein Lügner und Ehebrecher und habe eindeutig mit Tötungsvorsatz gehandelt, so der Staatsanwalt. Für Kruse kann die Bluttat vom Januar nicht anders gewertet werden als als Mordversuch. Die Angehörigen des Angeklagten und der 45-Jährige selbst reagierten schockiert.

Zehn Jahre Haft beantragt

Für sie stellt sich der Fall nämlich ganz anders dar. Der Handwerker hatte zwar gleich zu Prozessbeginn gestanden, seine Geliebte mit einem Messer verletzt zu haben. Sein einziges Ziel sei jedoch gewesen, zu verhindern, dass sie an diesem Morgen mit dem Auto losfahren konnte.

Deshalb habe der erste Stich auch dem Autoreifen gegolten. Als dies nicht den gewünschten Effekt gehabt habe, sei die Situation außer Kontrolle geraten.

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„Im Zweifel für den Angeklagten“

Verteidiger Jan-Henrik Heinz ist deshalb von zehn Jahren Haft als tat- und schuldangemessene Strafe weit entfernt. Der Rechtsanwalt warb in seinem Plädoyer dafür, sich von der Vorgeschichte zu lösen und keine moralischen Maßstäbe an den Fall anzulegen.

Tatsächlich müsse das Gericht dann erkennen, dass dem 45-Jährigen seine Version nicht widerlegt werden könne. Nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ könne dann nicht mehr von einem Mordversuch, sondern nur noch von einer gefährlichen Körperverletzung ausgegangen werden.

Verteidiger fordert Bewährungsstrafe

Am Ende seines Plädoyers kam Heinz zu dem Schluss, dass zwei Jahre Haft ausreichen würden. Diese könnten problemlos zur Bewährung ausgesetzt werden. „Der Angeklagte wird getragen von einer stabilen Familie“, sagte Heinz. „Wir können davon ausgegehen, dass er so eine Tat sicher nicht noch einmal begehen wird.“

Zuletzt hatte der Handwerker seiner früheren Geliebten auch noch die Zahlung von 5000 Euro Schmerzensgeld angeboten. Im Prozess sagte er: „Ich weiß, dass ich dir wehgetan habe, und es tut mir leid.“

Heimliches Liebespaar hatte ein Kind

Dann kam der Mann noch auf das größte Geheimnis des langjährigen Liebespaares zu sprechen. Seine Geliebte hatte kurz vor der Tat ein Kind geboren. Das soll von ihm stammen. „Wenn ich der Vater bin, werde ich alles tun, was du mich tun lässt“, sagte der 45-Jährige.

Am Tattag hatte die reale Gefahr bestanden, dass alle drei - der Angeklagte, seine ahnungslose Ehefrau und die Geliebte - aufeinandertreffen könnten. Es war ein Termin am Arbeitsgericht angesetzt, zu dem alle geladen waren. Das Urteil wird am 1. Oktober gesprochen.

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