Mega-Evakuierung hat massive Folgen für gesamten Dortmunder ÖPNV und den Bahnverkehr

dzBlindgänger-Entschärfung

Die Vorbereitungen zur Mega-Evakuierung am Sonntag sind im Klinikviertel unübersehbar. Betroffen sind aber nicht nur die Anwohner: Ab Freitag und bis Montag gibt es zahlreiche Einschränkungen.

Dortmund

, 08.01.2020, 18:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Mittwoch (8.1.) lieferte die Stadt Dortmund in einer Pressekonferenz noch einmal aktuelle Informationen über die Mega-Evakuierung am Sonntag (12.1.) in der westlichen Innenstadt. Dann sollen an vier Stellen im Klinikviertel Bombenverdachtspunkte untersucht und mögliche Blindgänger entschärft werden. 13.000 Anwohner müssen ihre Wohnungen bis 8 Uhr verlassen. Drei Kliniken und zwei Altenheime sind betroffen.

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Ordnungsamtsleiterin Beate Siekmann hofft, dass sich die Betroffenen kooperatiov verhalten. Es gebe in Dortmund zwar noch keine festgelegten Bußgelder, wenn Leute partout nicht ihre Wohnungen verlassen wollen. Wenn sich jemand hartnäckig weigere, müsse aber „unmittelbarer Zwang“ angewendet werden, erklärt Bärbel Siekmann.

Sperrungen und Halteverbote

Die Auswirkungen der Evakuierung reichen weit über das Sperrgebiet hinaus. Vor allem im Straßenverkehr wird die Mega-Evakuierung spürbar sein.

Das beginnt schon am Freitag: Weil Patienten der Kliniken im Sperrgebiet abtransportiert werden müssen, werden fast alle Straßen im Umfeld ab 16 Uhr zu Einbahnstraßen.

Außerdem gilt ein absolutes Halteverbot. Wer sich nicht daran hält, wird abgeschleppt. Anwohner können private Stellplätze weiterhin nutzen - bis zum Beginn der Evakuierung.

Mega-Evakuierung hat massive Folgen für gesamten Dortmunder ÖPNV und den Bahnverkehr

In diesem Bereich gelten Halteverbote und Einbahnstraßen-Regelungen. © Stadt Dortmund

Ab 8 Uhr kann man dann zwar noch aus dem Gebiet herausfahren, aber nicht mehr hinein, erklärt Beate Siekmann. Es ist dann auch nicht möglich, etwa Angehörige abzuholen, die ihre Wohnungen verlassen müssen.

Als Ersatz bietet die Stadt Pendelbusse an, die Anwohner von mehreren Punkten aus, zur Stadtbahnstation Reinoldikirche fahren. Von dort geht es mit der Stadtbahn zur Gesamtschule Scharnhorst, der offiziellen Evakuierungsstelle der Stadt.

Es gibt allerdings auch Alternativen: Von der Evakuierung betroffene Anwohner können etwa kostenlos den Zoo oder den Westfalenpark besuchen oder im Südbad schwimmen gehen.

Als Ausweichparkplatz für Klinikviertel-Anwohner bietet die Stadt den Fredenbaumplatz an der Eberstraße an, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sei.

Mega-Evakuierung hat massive Folgen für gesamten Dortmunder ÖPNV und den Bahnverkehr

Die Sperrschilder stehen schon bereit. © Oliver Volmerich

Das Halteverbot an den Straßen rund um die Kliniken gilt auch für Lieferdienste und Abholer von Patienten, die aus den Krankenhaus entlassen werden. Anders als geplant werden die Krankenhäuser aber nicht komplett geräumt.

Denn für Intensivpatienten wäre die Gefahr durch einen Krankentransport größer als durch die Bombenentschärfung. Außerdem werden als zusätzlicher Schutz im Umfeld der Krankenhäuser erstmals Schutzwände aus Containern aufgestellt.

Nur noch wenige Betten belegt

Die Belegung im Klinikum Mitte, in der Kinderklinik und im Johannes-Hospital (Joho) ist deutlich reduziert. Dr. Michael Sydow vom Johannes-Hospital erläutert, etwa 120 Patienten würden am Samstag verlegt. Es bleiben 16 Intensivpatienten im Haus, die von Freiwilligen betreut werden.

Im Klinikum Mitte hat man sich entschieden, die verbleibenden Patienten innerhalb des Gebäudekomplexes in sichere Bereiche zu verlegen. In andere Krankenhäuser gebracht werden nur 45 junge Patientinnen und Patienten der Kinderklinik.

Der Rücktransport der Patienten findet dann am Montag (13.1.) statt. Deshalb gelten Einbahnstraßen-Regelung und Halteverbote auch an diesem Tag noch.

Massive Folgen für Stadtbahn-Verkehr

Weitreichend sind die Folgen für den öffentlichen Nahverkehr. „Es wird massive Auswirkungen insbesondere im Stadtbahn-Bereich geben“, kündigt Marc Wiegandt von DSW21 an.

Die beginenn damit, dass am Sonntag Fahrgäste an den U-Bahn-Stationen Stadtgarten, Kampstraße, Westentor, Städtische Kliniken und Möllerbrücke nur einsteigen, aber nicht mehr aussteigen können. Mit Beginn der Entschärfung gibt es dann voraussichtlich bis zum Betriebsende am Abend massive Einschränkungen auf allen Stadtbahn-Linien.

  • Auf den Linien U 45, U 46 und U 49 wird der Betrieb komplett eingestellt. Die U41 fährt nur zwischen Hörde und Märkische Straße sowie zwischen Brambauer und Hauptbahnhof.
  • Die U42 fährt zwischen Hombruch und Theodor-Fliedner-Heim und zwischen Grevel und Brügmannplatz.
  • Die U43 fährt zwischen Wickede und Ostentor.
  • Die U44 fährt zwischen Marten und Wittener Straße.
  • Die U47 fährt zwischen Westerfilde und Hafen.
  • Als Ersatz für den unterbrochenen Nord-Süd-Verkehr lässt DSW21 Busse zwischen Hafen und Märkische Straße fahren. Der „Schienenersatzverkehr“ macht Halt an der Schützenstraße, Kirchenstraße, Hauptbahnhof-Nordeingang, Brügmannplatz, Ostentor und Heiliger Weg.
  • Einschränkungen und Umleitungen gibt es auch auf den Buslinien 452, 453, 460 und beim Airport-Express.

Mega-Evakuierung hat massive Folgen für gesamten Dortmunder ÖPNV und den Bahnverkehr

Das ist die Strecke der Ersatzbusse, die während der Entschärfung am Sonntag fahren. © DSW21

Ein neuralgischer Punkt ist der Hauptbahnhof, der teilweise zum Evakuierungsgebiet gehört. Die Folge: Der Haupteingang ist gesperrt, der Zugang nur über den Nordeingang möglich.

Hauptbahnhof komplett gesperrt

Voraussichtlich ab 13 Uhr ist der Hauptbahnhof komplett dicht, der Zugverkehr wird eingestellt. Fernverkehrszüge werden um Dortmund herum geleitet, Regionalzüge fahren bis Bochum, Hamm, Hörde, Schwerte oder Körne-West und wenden dort.

Ein zeitliches Ende ist nicht absehbar. Man kann noch nicht abschätzen, wie lange die Maßnahmen dauern, betont Dezernent Arnulf Rybicki.

Klaus Bekemeier, Chef des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung erklärt, dass es für jeden Verdachtspunkt ein eigenes Entschärfungsteam geben werde.


Am Joho seien zwei Teams im Einsatz, weil es dort im Bereich geplanter Baumaßnahmen mehrere „Anomalien“ im Boden gebe, die untersucht werden sollen.

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Eine große Herausforderung wird die Mega-Evakuierung am 12. Januar, wenn Blindgänger im Klinikviertel aufgespürt und entschärft werden. Anwohner bekommen dies schon Tage vorher zu spüren. Von Oliver Volmerich

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