Die Dortmunderin Cara de Bruyn hat erfolgreich an einem internationalen Mathematik-Wettbewerb teilgenommen. Vor der Mathe-Abiklausur hatte sie sich daher keine Sorgen gemacht, doch eine Aufgabe war herausfordernder, als zuvor gedacht. © Privat
Abitur 2021

Mathe-Abi zu schwer? Selbst Dortmunder Mathe-Olympionikin war „sehr gestresst“

Das diesjährige Mathe-Abi sei zu schwer gewesen - mit diesem Anliegen richtet sich eine Petition an das NRW-Schulministerium. Selbst eine Dortmunder Top-Schülerin stand vor Herausforderungen.

Von „unverschämt schwer“ über „in der Zeit nicht zu schaffen“ bis hin zu „unmenschlich“ – die Abiturklausur im Fach Mathematik lässt viele Schülerinnen und Schüler unzufrieden zurück. Mit diesen Worten beschreiben sie ihren Frust sehr eindeutig.

Petition richtet sich an das NRW-Schulministerium

Zu finden sind diese Einordnungen in der Kommentarspalte einer Petition, die sich an das NRW-Schulministerium richtet. Am Sonntagabend (9.5.) haben bereits mehr als 10.500 Personen die Petition „Mathematik Abitur 2021 NRW – unfair, entlastende Bewertung oder Klausur neu schreiben“ unterschrieben.

Die Aufgaben seien „ungerecht gestellt“ gewesen und in Anbetracht der Corona-bedingten Umstände, in denen der Unterricht in den letzten Monaten stattgefunden hat, „ist dies unmöglich“, heißt es im Petitionstext.

„Wir sind sehr stark benachteiligt worden und sind ganzheitlich der Meinung, dass die vorherigen Abiturklausuren im Fach Mathematik um einiges einfacher waren.“ Die Unterzeichnenden erhoffen sich vom Schulministerium NRW eine dies berücksichtigende Bewertung oder eine Wiederholungsmöglichkeit der Klausur.

Schülerin aus Dortmund ordnet den Schwierigkeitsgrad ein

Auch die Dortmunderin Cara de Bruyn hatte an den Aufgaben zu knapsen – zumindest für ihre Verhältnisse: „Normalerweise bin ich immer sehr viel vor dem Ende, nach zwei Drittel der Zeit, fertig. Diesmal war ich aber nur zehn Minuten vor Schluss fertig“, sagt die Schülerin, die erst kürzlich erfolgreich an einem internationalen Mathematik-Wettbewerb teilgenommen hat.

„Das liegt aber auch daran, dass ich diesmal mehr Zwischenschritte aufgeschrieben habe. Das mache ich sonst deutlich weniger“, sagt die 18-Jährige. Am Dienstag (4.5.) hat sie die Klausur des Mathematik-Leistungskurses am Gymnasium an der Schweizer Allee in Aplerbeck mitgeschrieben.

Dortmunderin ist Preisträgerin im internationalen Wettbewerb

Nicht nur im schulischen Kontext beschäftigt sich Cara de Bruyn mit Mathematik. Mitte April hat sie an der Europäischen Mathematikolympiade für Mädchen (European Girls‘ Mathematical Olympiad, EGMO) teilgenommen und sich eine Silbermedaille sichern können. Als zweitbeste Deutsche habe sie damit abgeschnitten, heißt es auf der Website der Schule.

Ganz klar: Das Fach Mathematik liegt der jungen Dortmunderin. Und doch stellte sie das diesjährige Abitur zumindest teilweise vor Herausforderungen. „Der Taschenrechner-freie Teil war total machbar. Aber die erste Analysis-Aufgabe war ohne Sachzusammenhang, deshalb war es schwer, den Überblick zu behalten“, sagt Cara de Bruyn. „Es war, als würde man über die Zutaten sprechen, ohne zu wissen, für welches Rezept.“

Ohne Sachzusammenhang bekommt man einen „Knoten im Kopf“

Aus ihrem Umfeld habe sie ähnliche Reaktionen erfahren. „Von Freundinnen habe ich gehört, dass sie die erste Analysis-Aufgabe auch sehr unbequem fanden“, so die 18-Jährige. „Am Anfang habe ich mich ein bisschen darüber aufgeregt und bin etwas in Stress gekommen. Da kann ich dann nicht gut mit arbeiten. Es war halt so, dass man teilweise einen kleinen Knoten im Kopf hatte, weil man irgendwie nicht immer wusste, worauf sich das bezieht.“

Dabei sei sie vor der Klausur durchaus „einigermaßen entspannt“ gewesen. Als Medaillengewinnern im internationalen Wettbewerb scheint sie an stressige Prüfsituationen gewöhnt zu sein. Trotzdem sagt sie: „Zwischendurch war ich sehr gestresst, bei mir hat sich das aber einfach sehr hochgesteigert und im Kopf bin ich dann etwas ausgetickt.“

NRW-Schulministerium bezieht Stellung

Das scheint nicht nur die Dortmunderin zu betreffen. Die Petition zeigt: Viele Schülerinnen und Schüler in NRW fühlten sich überfordert von der diesjährigen Aufgabenstellung.

In einer öffentlichen Mitteilung bezieht das NRW-Schulministerium dazu nun Stellung. „Die Abituraufgaben wurden von erfahrenen Lehrkräften entwickelt, von der Fachaufsicht Mathematik der Bezirksregierungen geprüft, von Wissenschaftlern begutachtet und nicht zuletzt im Rahmen eines sogenannten Praxischecks von erfahrenen Lehrkräften bearbeitet und eingeschätzt“, heißt es.

So sei sichergestellt worden, dass die Aufgaben „bezüglich des Anspruchsniveaus und des Bearbeitungszeitrahmens grundsätzlich angemessen sind.“

Laut Ministerium sei es aufgrund der diesjährigen Corona-Umstände „nicht nur zulässig, sondern ausdrücklich gewünscht, dass die Lehrkräfte innerhalb der ihnen vorgegebenen Bewertungskriterien im Zweifelsfall ihren vorhandenen Beurteilungsspielraum im Sinne der Schülerinnen und Schüler nutzen.“

„Es war nicht die schönste Klausur, aber ich habe mein Bestes gegeben“

Die Dortmunder Schülerin Cara de Bruyn war nach der Klausur zwar erschöpft, bewertet die Klausur allerdings nicht als unmöglich. „Durch die längere Aufgabenstellung und Kontextlosigkeit war sie etwas anstrengender. Aber man konnte sie rechnen. Sie war ein bisschen unbequem durch den fehlenden Sachzusammenhang. Aber als Ausgleich dazu war die Stochastik-Aufgabe wirklich angenehm“, so die 18-jährige Abiturientin.

Gleichzeitig betont sie, dass die konkrete Auswahl der Abitur-Aufgaben auch von Schule zu Schule verschieden ist. Schließlich können die Lehrpersonen zwischen den durch das Ministerium vorgegebenen Bereichen wählen.

Die Dortmunderin Cara de Bruyn kommt für sich persönlich zu dem Fazit: „Es war nicht die schönste Klausur, aber ich habe mein Bestes gegeben.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
Zur Autorenseite
Tabea Prünte
Lesen Sie jetzt