E-Scooter-Verleih in Dortmund soll schon im Juli starten

dzInterview mit Circ-Deutschland-Chef

Circ ist einer der E-Scooter-Verleiher, die Leih-Roller auf Dortmunds Straßen bringen wollen. Sehr bald. Deutschland-Chef Max Hüsch erklärt, wann und wo - und die Strategie gegen Park-Chaos.

Dortmund

, 05.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Max Hüsch ist derzeit ein gefragter Mann. Der Deutschland-Chef des Berliner E-Scooter-Verleihers Flash, der sich jüngst in Circ umbenannt hat, führt momentan Gespräche mit zahlreichen deutschen Städten. Circ ist einer von vielen Anbietern, die nach der Zulassung von E-Scootern, einer Art Tretroller mit Elektroantrieb, auf Deutschlands Straßen drängen – auch in Dortmund.

Am Rande des Deutschen Städtetags in Dortmund haben wir den 31-jährigen Borkener getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wo Leih-E-Scooter in Dortmund zuerst auftauchen könnten – und wie er ein Parkchaos vermeiden will.

E-Scooter-Verleih in Dortmund soll schon im Juli starten

Max Hüsch ist der Deutschland-Chef von Circ. © Thomas Thiel

Herr Hüsch, wann werden die ersten E-Scooter über Dortmunds Straßen rollen?

Auch wenn die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung schon am 15. Juni in Kraft tritt, müssen die Roller noch die allgemeine Betriebserlaubnis des Kraftfahrbundesamts bekommen. Das dauert meistens etwa ein bis zwei Wochen. Danach werden wohl sehr schnell die ersten zugelassenen Scooter auf den Straßen auftauchen.

Und damit auch Ihre Leih-Elektroroller?

Ich möchte da kein genaues Datum nennen. Ich geh aber davon aus, dass es relativ flott gehen wird. Unser Ansatz ist ganz klar: Wir gehen nur in eine Stadt, wenn wir das Go der Stadtverwaltung bekommen. Wir sprechen mit allen Städten, die signalisieren, dass sie gerne E-Scooter haben möchten, und da gehört Dortmund dazu.

Wo in Dortmund werden Leih-E-Scooter zuerst auftauchen?

Im Prinzip ist natürlich der Cityring sehr interessant, da spielt sich am Tag das Leben ab. Man hat die Pendlerströme der Arbeitnehmer. Man hat aber auch die Achse zwischen Uni und Innenstadt. Das ist echt auch eine angenehme Strecke zu fahren. Und gerade die großen U-Bahn-Stationen und Bahnhöfe sind spannende ersten Abstellpunkte für unsere Scooter. Überall da eigentlich, wo wir das Auto ersetzen können.

Zur Sache

Circ testet bereits in Herne

  • Für Circ arbeiten momentan knapp 500 Menschen in ganz Europa – Tendenz schnell steigend. Das Start-Up lässt rund 30.000 E-Scooter durch 21 Städte in 7 Ländern fahren, unter anderem in Paris, Wien oder Brüssel. Fast jede Woche kommt eine Stadt dazu.
  • In Herne nimmt Circ am Mittwoch (5. Juni) 50 E-Scooter in Betrieb. Die Elektroroller haben eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt.

Was sind die Bedenken, die Ihnen bei den Gesprächen mit den Städten immer wieder unterkommen?

Da geht es vor allem um die Parksituation.

Sie meinen die Sorge von Städten, dass wild abgestellte Scooter Bürgersteige und belebte Plätze blockieren. Was wollen Sie denn dagegen tun?

Man kann digitale Parkzonen ausweisen. Wenn beispielsweise die Stadt Dortmund sagt: Auf dem Hansaplatz ist mittwochs Markt oder in der Adventszeit ist dort der Weihnachtsmarkt, dann sollen keine Scooter neben den Ständen und Hütten stehen, dann können wir es in der App einstellen, dass dort keine Scooter abgestellt werden können. [In diesen Zonen können die Nutzer die Scooter also nicht mit der App sperren und so ihre Fahrt beenden, sondern müssen sie aus der Zone heraus bringen. Ansonsten läuft die Uhr weiter und die Fahrt wird teurer, Anmerkung der Redaktion]

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Was ist eigentlich, wenn eine Stadt sagt: „Nö, überzeugt uns nicht, wir wollen euch nicht“?

Dann würden wir nochmal mit der Stadt sprechen und versuchen, unseren Nutzen für die Stadt zu zeigen. Aber diese Situation habe ich bisher noch nicht gehabt – und wir hatten einige Gespräche. Wenn man die Bedenken anspricht und Lösungen anbietet, sind die Städte sehr offen.

Wenn Sie sich mit einer Stadt einig sind: Wie geht es dann weiter?

Wir stellen lokale Mitarbeiter ein, außerdem brauchen wir eine Infrastruktur. Das bedeutet, eine Lagerhalle zu mieten, eine Service-Flotte zum Transport der Scooter aufzubauen und Mechaniker einzustellen.

Wie viele Mitarbeiter wollen Sie denn hier einstellen?

Es ist ganz stark abhängig davon, wie groß unsere Flotten in Dortmund und den anderen Städten sein werden. Die Anzahl der Mitarbeiter kann sehr schnell zweistellig werden, kann aber auch im dreistelligen Bereich sein.

E-Scooter-Verleih in Dortmund soll schon im Juli starten

E-Scooter zu fahren, macht vor allem bei gutem Wetter Spaß – für widriges Wetter arbeitet Circ an anderen Vehikeln. „Wir wissen aber auch, dass der E-Scooter nicht das Allheilmittel ist“, sagt Hüsch. © Circ

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schön es sein kann, mit einem E-Scooter durch südeuropäische Städte zu fahren. Nun ist Dortmund nicht Malaga, hier regnet es bedeutend mehr, entsprechend rutschiger kann es sein. Sind Ihre Scooter dafür ausgelegt?

Unsere Scooter haben deutlich größere und breitere Reifen, das hilft. Wir wissen aber auch, dass der E-Scooter nicht das Allheilmittel ist. Für Regen, Eis und Schnee müssen zusätzliche Vehikel auf den Markt bringen. Da werden wir auch zeitnah zusätzliche Vehikel präsentieren.

Philip Müller vom Dortmunder E-Scooter-Software-Anbieter „Wunder Fleet“ schätzt das Potenzial von Leih-E-Rollern in Dortmund auf etwa 1500 bis 2000. Gehen Sie da mit?

Das hängt natürlich davon ab, wie viele Anbieter nach Dortmund kommen, aber prinzipiell ist das eine gute Schätzung. Die Frage ist aber natürlich, wie viele Scooter die Stadt zulässt. Wir haben in anderen Städten in Europa die Erfahrung gemacht, dass wir erst einmal in einem kleinen Geschäftsgebiet in der Stadt anfangen und dann die Zahlen der Scooter und ihre Gebiete dem Bedarf anpassen. Es ist eher eine Anpassung an Bedarf als eine Überflutung an Angebot. Das hängt ganz stark davon ab, wie der Kunde das Angebot nutzt.

Zur Sache

So funktionieren die E-Scooter-Leih-Apps

Egal ob bei Circ, Lime oder Hive – das Grundprinzip aller E-Scooter-Verleihdienste ist immer gleich: Per Smartphone-App wird einem gezeigt, wo im Stadtgebiet gerade die nächsten E-Scooter stehen. Dann entsperrt man den Elektroroller mit dem Smartphone und stellt ihn am Zielort einfach wieder ab, abgerechnet wird per Fahrt, alles digital. Die Preise aller Anbieter gleichen sich. Zur Orientierung: Circ beispielsweise nimmt einen Euro Entsperrgebühr und berechnet dann 15 Cent pro Minute.
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