Lehrerin zum Grundschulstart: „Wir werden unnötiger Gefahr ausgesetzt“

dzSchule und Coronavirus

Der komplette Neustart für alle Grundschüler macht einer Lehrerin aus Dortmund Sorgen. Sie und viele Kollegen gehen mit einem „unguten Gefühl“ in den vollen Unterricht ab dem 15. Juni.

Dortmund

, 09.06.2020, 10:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab Mitte Juni sollen alle Grundschüler in Dortmund und ganz NRW wieder normal unterrichtet werden. Für dann noch zwei Schulwochen abzüglich eines Brückentages. Die Dortmunder Lehrerin Claudia Musebrink findet: Dieser Nutzen stehe in keinem Verhältnis zum Risiko, dass die Rückkehr zu großen Gruppen berge.

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„Wir werden einer unnötigen Gefahr ausgesetzt“, sagt Claudia Musebrink, die an der Wittekindschule in Lünen-Brambauer an der Dortmunder Stadtgrenze unterrichtet. Es falle ihr und anderen Kolleginnen und Kollegen schwer, sich vorzustellen, in Kürze wieder in einem Pulk von Schülern oder im vollen Lehrerzimmer zu stehen, während sie gleichzeitig beim Bäcker oder in der Bahn den Mundschutz tragen müssen, auch wenn niemand in der Nähe ist.

Freude, die Kinder wiederzusehen

„Ich freue mich total, meine Kinder wiedersehen zu dürfen und werde es natürlich umsetzen. Aber dass so lapidar die Abstandsregel abgeschafft wird, wundert mich“, sagt die Lehrerin.

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Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoller gewesen, bis zum Schuljahresende mit den halbierten Klassen weiterzuarbeiten. „In Kombination mit dem Skype-Unterricht ist das sehr effektiv und wir haben an unserer Schule alle Vorkehrungen getroffen, damit es funktioniert.“ Claudia Musebrink fragt auch: „Kann ich von den Eltern verlangen, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken um die Abstandsregel zu missachten?“

Viele Eltern, die ihre Kinder wohl zuhause lassen

Sie rechnet damit, dass einige Eltern ihre Kinder für die verbleibenden Tage krankschreiben lassen. Die Rückmeldungen, die sie von Eltern erhalten habe, zeigten jedenfalls wenig Verständnis für die erneute Umplanung. Sie befürchtet für ihre Schule mit hohem Migrationsanteil außerdem, dass viele Familien mit dem Infektionsschutz nicht verantwortungsvoll umgehen und nicht auf Gesundheitszeichen achten.

Mit der ganzen Schulklasse ins Büro der Ministerin

„Es ist nicht zu Ende gedacht. Um ein Signal dafür zu setzen, dass es nach den Ferien normal weitergeht, brauchen wir nicht die zwei Wochen Risiko“, sagt Claudia Musebrink.

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Am liebsten, so sagt die 57-Jährige, würde sie mit der gesamten Schulklasse in das Büro von Schulministerin Yvonne Gebauer gehen und sie fragen, wie sie sich bei dieser Zahl von Menschen ohne Abstand fühle.

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