Legende zu vermieten: Disko „Village“ sucht einen neuen Betreiber

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Das „Village“ ist eine Legende: Generationen feierten in dem Club am Westenhellweg die Nächte durch. Nun steht der Club zur Vermietung.

Dortmund

, 05.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

28 Jahre lang tanzte feierte fast jede Klientel in der Disko „Village“ die Nächte durch: Herren im Anzug und Damen im Abendkleid, BVB-Fußballer und Promi-DJs, Hip-Hopper und ausgelassene Abiturienten. Momentan herrscht in dem Club am Westenhellweg, der einst neue Maßstäbe in NRW setzen wollte, aber alles andere als Partystimmung: Das „Village“ steht zur Vermietung.

Letzter Facebook-Eintrag

„Aufgrund neuer Brandschutzbestimmungen der Stadt Dortmund müssen wir größere Brandschutzanlagen einbauen und große Umbaumaßnahmen vornehmen, bis dahin muss das Village leider geschlossen bleiben“, lautete am 20. Dezember 2018 ein Eintrag auf der Facebookseite des Clubs. Es sollte der letzte Post sein, der sich auf die Disko in der Dortmunder City bezieht - danach folgten nur noch Hinweise auf Veranstaltungen anderer Locations in Bochum, Essen oder Dortmund.

Legende zu vermieten: Disko „Village“ sucht einen neuen Betreiber

Mitten in der Fußgängerzone: Hinter dieser Tür führt eine Treppe hinab in die einstige Top-Diskothek. Dort ist derzeit allerdings nichts los. © Michael Schuh

Warum in der einstigen Kult-Disko momentan weder getanzt noch getrunken wird, klärt ein Blick auf einen Online-Marktplatz für Immobilien: Das Village steht leer. Zwar wird dort der Name der Disko nicht erwähnt, sondern eine „etablierte Diskofläche in der Dortmunder City“ angeboten; doch jeder, der einmal die Stufen vom Westenhellweg ins Feierareal hinunterging, erkennt auf den beigefügten Fotos sofort: Das ist das Village.

30.000 Euro Kaution

Provisionsfrei verfügbar sei die Location mit 548 Quadratmetern Gastraum- und 723 Quadratmetern Gesamtfläche sofort. Und während Nebenkosten (2425 Euro) sowie Kaution (30.000 Euro) ebenfalls exakt benannt werden, muss sich ein möglicher Interessent in Sachen Miete an den zuständigen Makler wenden: „Preis auf Anfrage“, heißt es auf der Internetseite.

Der Beschreibung des Anbieters, es handele sich um eine „seit dem Jahr 1990 feste Institution des Dortmunder Nachtlebens“, wird kaum ein Nachtschwärmer widersprechen. Denn als Nachfolger des Ambassador und des Metropolis entstand hier, im Herzen der City, eine Top-Diskothek mit - so ein Szene-Magazin - „avantgardistisch-gestylten Theken“ und einer „computergesteuerten Super-Lichtanlage“. Und das in den frühen 90ern.

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Dementsprechend streng war anfangs der Dresscode: Turnschuhe und Jeans waren tabu, Damen wie Herren trugen feinen Zwirn. Einmal allerdings sorgte das Village für negative Schlagzeilen: 1994 wollte BVB-Neuzugang Julio Cesar im Village abfeiern, doch der Türsteher wies den dunkelhäutigen Kicker und seinen Begleiter grundlos ab.

Nach massiven Protesten von BVB-Fans entschuldigte sich der damalige Disko-Betreiber bei Cesar, worauf das Village auch weiterhin die Massen anlockte. Vor allem freitags ging die Post bis in die frühen Morgenstunden ab.

Zeitweilig beherbergte der Club sogar ein Restaurant, in dem anfangs gehobene Küche wie Lachsstreifen mit Krabben, später dann Fingerfood kredenzt wurde.

Legende zu vermieten: Disko „Village“ sucht einen neuen Betreiber

Früher gehörte sogar ein Restaurant zum Angebot des Village. © Stephan Schütze (A)

Doch nicht nur die Speisen, sondern auch das Publikum änderte sich. So veranstalteten eine zeitlang etliche Oberstufen Partys im Village, um ihre Abibälle zu finanzieren. Das bescherte dem Club jüngere Gäste - und auch einige Scherereien, da die Besucher teilweise wohl ein bisschen zu jung waren.

Der Betreiber verschärfte fortan die Einlasskontrollen und setzte mehr auf Hip-Hop und R‘n‘B statt auf House; die meisten Gäste kamen nun nicht mehr am Freitag, sondern am Samstag.

Zukunft bleibt ungewiss

Doch vielleicht nicht in ausreichender Anzahl. Warum sonst sollte das laut Anbieter „renovierungsbedürftige“ Village einen neuen Pächter suchen? Vom zuständigen Immobilienmakler war trotz Anfrage bis zum Redaktionsschluss dieses Textes nichts über die Zukunft des legendären Clubs zu erfahren.

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