Lasst uns gemeinsam die Dortmunder Kultur retten - jetzt!

dzKolumne Klare Kante

Die Dortmunder Kultur fährt wieder hoch. Zum Überleben wird’s nicht reichen. Unser Autor meint: Dortmund muss sich klar darüber werden, dass wir ohne Kultur arm dran wären. Und dass jeder helfen kann.

Dortmund

, 11.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es könnte sein, dass in einigen Jahren diese Tage im Jahr 2020 als Zeitenwende betrachtet werden. Es sind die Tage, in denen die Stadt die Phase der Kulturlosigkeit überwindet. In denen Künstler auf neuen Wegen ihrem Publikum gegenüber treten.

Alles mit Schutz, Abstand und der Warn-App in der Tasche, alles kleiner und gedämpfter, als man es bis Mitte März kannte. Aber wenn im FZW, Domicil, Konzerthaus oder Westfalenpark wieder Künstler auf einer Bühne stehen, dann sendet das ein Zeichen: Es gibt uns noch. Alles ist anders, aber es geht weiter.

Wenige Menschen in großen Hallen

Gebaut wurden viele Kulturstätten für das große Erlebnis mit vielen Menschen. Wenn das zum Risiko für die Verbreitung eines potenziell tödlichen Virus wird, ist das ein großes Problem.

Denn eines hat die andauernde Krisenzeit gezeigt: Ohne Zerstreuung durch Kunst und Unterhaltung (in welcher Form auch immer) kommt der Mensch nur schwer durch schwere Zeiten, wenn überhaupt. Wenn Kultur fehlt, wird es still in der Gesellschaft. Das ist über einen längeren Zeitraum sehr ungesund.

Der sonderbare Konzertsommer 2020

Das Konzerterlebnis im Sommer 2020 ist ganz und gar sonderbar, für Schaffende wie für Hörende. Mit wenigen Leuten hört und fühlt sich im gigantischen Konzerthaus-Saal alles anders an, als wenn alle Plätze besetzt sind. Der Hip-Hop-Jam im Sitzen ist komisch, das Punkrock-Konzert mit Abstand ebenso.

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Deshalb muss man sich wünschen, dass die jetzigen Lösungen nur ein Übergang sind. Schon allein deshalb, weil es niemals wirtschaftlich sein kann, die Kosten für einen Saal mit 1000 Besuchern zu tragen, dann aber nur, sagen wir mal, 100 hineinlassen zu dürfen.

Menschenmassen auf Konzerten: Bilder wie aus einer anderen Welt

Gleichzeitig scheinen Bilder von dicht aneinander gedrängten Körpern bei einem Konzert wie aus einer anderen Welt. Es scheint denkbar, dass das alte Gefühl so in dieser Form so schnell nicht wiederkommt - oder sogar nie.

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Es wird etwas bleiben von der neuen Vorsicht. Selbst wenn es irgendwann eine medizinische oder technische Lösung dafür gibt, dass wieder viele Menschen an den Orten zusammenkommen, die dafür gebaut worden sind.

Die kleinen Konzerte und Open-Air-Auftritte sind ein erste Schritt aus der Krise. Aber: Bewegung entsteht erst mit dem zweiten Schritt.

So kann die Dortmunder Kultur aus der Krise finden

Die Kulturszene muss jetzt zusammenstehen. Ob sich jemand zur Club- oder zur Hochkultur zählt, muss dabei egal sein.

Es stellt sich die Frage, ob eine Kulturwelt, die für Krisen der Zukunft widerstandsfähig sein will, noch über das alte Fördertopf-Prinzip organisiert werden kann. Ob es nicht mehr Geld braucht, um Kultur in ihrer Vielfalt zu sichern.

An einer Kultur-Veranstaltung hängen zahlreiche Arbeitsplätze

Es ist, als begriffen viele Menschen zum ersten Mal, dass an einem Konzert, einer Theateraufführung oder einer Ausstellung eben nicht nur die Künstler hängen.

Sondern Dutzende Menschen im Hintergrund, die Technik, Sauberkeit oder Sicherheit garantieren - damit WIR einen schönen Abend haben.

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Damit unterscheidet sich die Veranstaltungswirtschaft nicht von anderen Wirtschaftszweigen. Und wie auch in anderen Bereichen - sei es beim Handel oder in der Gastronomie - gilt auch hier: Jeder Dortmunder kann etwas tun, um die Kultur zu retten.

Klar: Jeder muss sein Infektionsrisiko abwägen – das gilt für alle Bereiche des Lebens. Man kann sagen: Ich gehe nicht auf Kulturveranstaltungen, weil es mir zu riskant ist.

Aber es ist eine ebenso legitime Entscheidung, zu sagen: Ich gehe wieder auf Konzerte, ins Theater oder in die Oper - selbst, wenn die dort (sinnvoller Weise) geltenden Regeln das Erlebnis zu einem anderen machen.

Letzteres ist eine Entscheidung, die helfen kann, etwas zu erhalten, das für die Gesellschaft wichtig ist. Machen Sie mit!

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