Gegendemo und Rausschmiss bei umstrittenem Israel-Abend von DGB und Attac in Dortmund

dzPauluskirche

Fast komplett besetzt war die Pauluskirche am Mittwochabend, nachdem im Vorfeld viel über den Israel-Abend von DGB und Attac diskutiert worden war. Ein Mann wurde des Saals verwiesen.

Dortmund

, 11.12.2019, 22:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Titel der Veranstaltung am Mittwochabend lautete: „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren.“ Und bereits im Vorfeld wurde heftig über Sinn und Rechtmäßigkeit dieses Abends diskutiert, den DGB und Attac organisiert hatten.

Vor der Kirche an der Schützenstraße hatten sich vor Beginn der Veranstaltung knapp 100 Menschen zusammengefunden, um gegen Judenfeindlichkeit zu demonstrieren. Israelische Flaggen waren zu sehen, dazu Banner mit der Aufschrift: „Gegen jeden Antisemitismus“.

Jetzt lesen

Jutta Reiter vom DGB sagte zu Beginn des offiziellen Programms: „Regelmäßig machen wir gemeinsame Bildungsveranstaltungen zu kritischen Themen.“ Und regelmäßig seien da auch Referenten eingeladen, die Meinungen vertreten, die der DGB nicht teile. Die Menschen, die vor der Kirche demonstriert haben, hat sie ausdrücklich zur Diskussion eingeladen.

Im Zentrum der Kritik stand die Initiative BDS. Die Abkürzung steht für „Boykott, Deinvestition und Sanktionen“ und kämpft gegen Israels Palästinenser-Politik. Kritiker sagen, BDS-Aktivisten handelten aus antisemitischem Antrieb.

Gegendemo und Rausschmiss bei umstrittenem Israel-Abend von DGB und Attac in Dortmund

Journalist Andreas Zumach sprach in der Pauluskirche. © Kevin Kindel

Referent Andreas Zumach sprach auch über diese Initiative und sagte: „Ich bin kein BDS-Unterstützer.“ Gleichzeitig aber: „Ich bin für einen Boykott von Waren aus besetzten Gebieten.“ Es sei völkerrechtswidrig, wenn Besatzer mit diesen Produkten Geld machen.

Ebenso sei er für die Deinvestition in Unternehmen, die mit den Besatzern zusammenarbeiten. Ein Boykott von Wissenschaftlern oder Künstlern sei Zumachs Meinung nach aber falsch.

Journalist Zumach sagte, er sei weder pro-palästinensisch noch pro-israelisch: „Ich bin pro Menschenrechte.“ Es müsse aber erlaubt sein, die Politik der israelischen Regierung zu kritisieren. Kritik an Angela Merkel oder Wladimir Putin sei auch nicht mit Deutschland-Kritik oder Russland-Kritik gleichzusetzen.

Jetzt lesen

Es gab über den Abend viel Applaus, aber auch höhnisches Gelächter und Zwischenrufe. Nach einem mehr als einstündigen Vortrag über Vergangenheit und Gegenwart im Nahen Osten wurde eine Stunde lang mit dem Publikum diskutiert.

Als ein Mann am Mikrofon seinen Beitrag einleitete mit den Worten „Ich bin Antisemit“ wurde ihm sofort das Rederecht entzogen. Als er sich später wieder an die Schlange vor dem Mikrofon anstellte, wurde er des Raumes verwiesen. Nach kurzem Wortwechsel verließ er die Pauluskirche.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Meistgelesen