Kritik an ermäßigten Parkgebühren für Konzerthaus-Besucher – von einem Konzerthaus-Besucher

dzVerkehr

Wer im Konzerthaus Veranstaltungen besucht, darf ermäßigt parken. Einen Besucher ärgert das - nicht nur aus persönlichen Gründen. Er hat einen Gegenvorschlag.

Dortmund

, 18.01.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Werner Greinke aus Witten war am 10. Januar beim Orgelkonzert im Dortmunder Konzerthaus. Er wohnt nur etwa einen halben Kilometer von der Dortmunder Stadtgrenze entfernt, muss aber für sich und seine Frau 20 Euro für die Fahrt mit Bus und Bahn zum Konzerthaus bezahlen.

Deshalb hat sich Werner Greinke geärgert, als er auf der Eintrittskarte las, dass die Parkgebühren für autofahrende Besucher ermäßigt sind. Dort hieß es: „Bitte den Parkschein im Konzerthaus an der Garderobe lochen lassen, um zu ermäßigten Preisen zu parken.“ Die ermäßigten Parkgebühren galten für vier Parkhäuser im Umfeld. Zu öffentlichen Veranstaltungen im Konzerthaus gilt ohnehin in der Konzerthaus-Tiefgarage ein pauschaler Konzerttarif von 4 Euro.

Auf der Rückseite der Eintrittskarte für das Orgelkonzert wird Besuchern, die mit dem Auto gekommen sind, ein ermäßigter Parkpreis angeboten.

Auf der Rückseite der Eintrittskarte für das Orgelkonzert wird Besuchern, die mit dem Auto gekommen sind, ein ermäßigter Parkpreis angeboten. © Greinke

Bus- und Bahnfahrer gehen leer aus

„Der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel geht leer aus“, schimpft Greinke in einem Beschwerdeschreiben an das Konzerthaus. Bei anderen Veranstaltern dagegen sei es selbstverständlich, dass eine Eintrittskarte die kostenlose Nutzung von Bus und Bahn beinhalte. „Wieso ignorieren Sie die Klimakatastrophe?“, fragt der Wittener, und fordert: „Erhöhen Sie die Parkgebühren und ermöglichen Sie damit die kostenfreie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel!“

Jetzt lesen

Das Konzerthaus könne den Ärger gut nachempfinden, ließ es Greinke wissen. Der Klimaschutz sei auch dort ein Anliegen. Man habe sich über die Möglichkeit, eine freie Fahrt im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in den Kartenpreis miteinzubinden, ausführlich informiert. Doch die Kosten für ein integriertes VRR-Ticket seien sehr hoch. Da man aber diese Kosten nicht auf alle Konzerthausbesucher umlegen wolle, habe man sich dagegen entschieden.

Hälfte der Besucher aus dem Umland

„Tatsächlich ist die vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr geforderte Gebühr pro Ticket sehr hoch“, erläutert Konzerthaus-Sprecher Dr. Jan Boecker auf Anfrage dieser Redaktion. Die Hälfte der Konzerthausbesucher komme aus dem Umland, zum Beispiel aus Soest, das nicht zum VRR gehöre, so Boecker.

„Die Kunden der Orchesterzyklen und der Opern aus dem Dortmunder Süden fahren mit eigenem Pkw an.“ Und die Studierenden (bei Pop und Jazz) verfügten über ihr Semesterticket. Boecker: „Es bleiben also bei unseren Eigenveranstaltungen vielleicht 15 Prozent der Kunden, die eine Konzertkarte mit integriertem VRR-Ticket interessieren könnte.“

Bei dem ermäßigten Parktarif handelt es sich um ein Angebot der Parkhäuser, die rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Anbieter sind. Das Konzerthaus schreibt an Werner Greinke: „Wir subventionieren also weder autofahrende Besucher, noch haben wir eine Möglichkeit, die Parkgebühren zugunsten von Besuchern, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, zu erhöhen.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Humanitärer Akt
Doch keine Flüchtlingskinder nach Dortmund? Bundespolitiker grätschen in Ratsbeschluss