Müssen Dortmunds Krankenhäuser um ihre Zukunft zittern? Das NRW-Gesundheitsministerium sieht eine „Überversorgung“ im Ruhrgebiet. Das sagen die Kliniken und das wären Folgen für Patienten.

Dortmund

, 02.11.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in Auftrag gegebene und Mitte September erschienene „Gutachten Krankenhauslandschaft“ ist die Grundlage für die Krankenhausplanung ab 2021. Sie legt fest, wie viele Krankenhäuser für eine Region angemessen sind. Doch es enthält Zündstoff.

Der Ballungsraum Ruhrgebiet weist laut Gutachten „starke Anzeichen für eine Überversorgung“ auf. Es gebe eine starke Häufung überwiegend kleinerer Krankenhäuser. Das widerspricht dem Ziel des Gesundheitsministeriums, die Versorgung mit Krankenhäusern künftig nicht mehr nur nach der Bettenanzahl zu bewerten, sondern stärker nach der fachlichen Spezialisierung.

„Hierdurch soll erreicht werden, dass die Krankenhäuser einer Region medizinische Leistungen anbieten, die für die Versorgung der Bevölkerung auch notwendig sind“, heißt es in dem Gutachten. Ein mögliches Zukunftsszenario aus Patientensicht: weniger Grundversorgung, mehr Spezialkliniken und weniger Auswahl.

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Die Dortmunder Krankenhäuser präsentieren sich selbstbewusst

In den Dortmunder Krankenhäusern ist das Gutachten ein Thema. Alle Kliniken, die auf Anfrage dieser Redaktion geantwortet haben, verweisen selbstbewusst auf ihre Stärken.

So sagt Marc Raschke, Sprecher des Klinikums Dortmund, dem größten kommunalen Krankenhaus in NRW: „Wir nehmen das Gutachten zur Kenntnis, wissen aber zugleich auch, dass Dortmund allgemein in der Krankenhausversorgung durchaus gut und nicht überversorgt aufgestellt ist.“ Es gebe im Unterschied zu anderen Ruhrgebietsstädten wie Essen keine Überkapazitäten. Ein Drittel der Patienten kommt von außerhalb Dortmunds.

Clemens Galuschka, Geschäftsführer der katholischen St.-Lukas-Gesellschaft (Krankenhaus Dortmund-West in Kirchlinde und St.-Josefs-Hospital in Hörde), sieht das Gutachten kritisch. „Das ist ein Riesenmarkt für Berater und Anwälte“, sagt Galuschka. Seiner Ansicht nach schaffe die Analyse Verwirrung und führe zu falschen Schlüssen. Die bloße Schließung von Abteilungen sei keine Lösung. „Das Gutachten macht nur dann Sinn, wenn es mit hohen Investitionen einher geht.“

Für die Klinikum Westfalen GmbH, die hinter den Krankenhäusern in Brackel, und Lütgendortmund steht, sagt Sprecher Klaus-Peter Wolter: „Wir haben über Jahre Schwerpunkte gezielt entwickelt und leisten auch die medizinische Grundversorgung vor Ort. Wir gehen davon aus, dass der jetzt auf Landesebene angestoßene Prozess unseren Weg bestätigen wird.“

Das Gutachten ist bisher nur eine Empfehlung

Für die katholische St. Johannes-Gesellschaft, Betreiberin des Johannes-Hospitals in Dortmund, weist Sprecherin Gudula Stroetzel darauf hin, dass das Gutachten „eine Empfehlung an die Politik und noch kein Gesetzentwurf“ sei. „Wir gehen davon aus, dass Verbesserungen im Gespräch mit dem Ministerium zu erzielen sind.“

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Solche Sätze lassen aber auch durchblicken: Die Klinikbetreiber gehen davon aus, dass der Druck steigt. „Unsere Konsequenzen sehen wir eher in einer Veränderung der Mitbewerber-Landschaft, die wir natürlich aufmerksam beobachten“, sagt Marc Raschke für das Klinikum Dortmund.

Schon jetzt gibt es Zusammenarbeit unter Krankenhäusern. Das St.-Johannes-Hospital und das Klinikum Dortmund haben etwa ein gemeinsames Zentrum für Stammzelltransplantationen gegründet.

Kooperationen zwischen Kliniken werden häufiger

Gudula Stroetzel sagt: „Kooperationen zwischen Kliniken sind in der Regel sinnvoll, sie sichern die wirtschaftliche Existenz der beteiligten Partner und verschaffen den Patienten ein besseres Angebot. Nicht alles, was medizinisch sinnvoll wäre, ist aber auch erlaubt. So prüft das Kartellamt solche Vorhaben, manche Prozesse konnten so in der Vergangenheit nicht realisiert werden.“

Hier sind die Krankenhäuser in Dortmund spezialisiert

  • Das Klinikum Dortmund als Maximalversorger hat Spezialisierungen, unter anderem durch die Kinderklinik oder die Diabetologie.
  • Die St.-Johannes-Gesellschaft nennt die Herzchirurgie als Alleinstellungsmerkmal. Außerdem ist das St.-Johannes-Hospital eines von zwei zertifizierten Brustzentren in Dortmund. Spezialisiert sind außerdem die Augenklinik sowie die HNO-Abteilung.
  • Die Klinikum Westfalen GmbH hat als Schwerpunkte unter anderem Altersmedizin, Gelenkoperationen, Kardiologie, Lungenfachkunde, Psychiatrie und Krebsmedizin.
  • Weitere Klinikträger in Dortmund sind die Evangelische Stiftung Volmarstein (Ortho-Klinik Hörde), die Johanniter (Orthopädie/Neurologie am Rombergpark) und die Viactiv Krankenkasse (Hüttenhospital/Schwerpunkt Geriratrie).
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