Im Corona-Schnelltest-Zentrum am Flughafen in Dortmund können bis zu 250 Tests in der Stunde durchgeführt werden. © Oliver Schaper
Corona-Pandemie

Kostenlose Schnelltests – das Ende für private Corona-Testzentren?

Um die Ansteckung mit dem Coronavirus einzudämmen, hat jeder Bürger ab dem 8. März das Recht auf einen kostenlosen Schnelltest pro Woche. Was bedeutet das für private Testzentren in Dortmund?

Daniela Reich aktualisiert am Donnerstag (4.3.) stündlich auf ihrem Computer-Bildschirm die Homepage der NRW-Landesregierung, „um zu sehen, ob der Corona-Erlass da ist“. Die Geschäftsführerin der „Akademie für Arbeitssicherheit/Erste Hilfe Dortmund“ wartet dringend auf weitere Informationen zur neuen nationalen Teststrategie; denn diese könnte zu einer Bedrohung oder zu einem Turbo für ihr Geschäftsmodell werden.

Erste Hilfe Dortmund ist einer von rund zehn privaten Anbietern für Antigen-Schnelltests in Dortmund. Diese Tests sollen künftig eine tragende Rolle in der Pandemiebekämpfung spielen. Darauf hat sich die Bund-/Länder-Runde am späten Mittwochabend (3.3.) geeinigt. In dem Beschlusspapier heißt es: „Regelmäßige Testungen können dabei unterstützen, auch Infektionen ohne Krankheitssymptome zu erkennen.“

Danach hat ab Montag, 8. März, jeder, der keine Symptome hat, das Recht, sich mindestens einmal pro Woche kostenlos mit einem Schnelltest auf das Coronavirus testen zu lassen. Der Bund übernimmt die Kosten. Die Schnelltests sollen von geschultem Personal in Testzentren und Arztpraxen angeboten werden. Zudem erhalten die Bürger nach dem Test eine Bescheinigung über das Testergebnis, schriftlich oder digital.

Noch viele Fragen offen

Doch am Donnerstag waren noch viele Fragen dazu offen. Auch die, ob in Dortmund private Testzentren als Dienstleister mit in die neue Strategie der kostenlosen Tests eingebunden werden. Bisher können Privatpersonen einen Schnelltest in solchen privaten Testzentren nur nach Terminvereinbarung auf eigene Kosten machen. Die liegen in Dortmund zwischen 20 und 78,88 Euro pro Test.

Daniela Reich findet es „fantastisch“, dass es kostenlose Tests geben wird, und hofft gleichzeitig „dass die Stadt die Aufgabe auch an private Testzentren verteilt und nicht nur an die eigenen Testzentren. Wir bereiten uns seit dem 15. Februar darauf vor, sitzen in den Startlöchern und warten darauf, dass Bund, Land und die Kommune die Organisation hinbekommen.“

Die Stadt teilt dazu auf Anfrage mit Hinweis auf ausstehende Informationen vom Land mit, dass man dazu noch nichts Konkretes sagen könne. Sie verweist aber auf den Beschluss der Bund-/Länder-Runde, laut dem die Kommune auch einen Dritten mit den Tests beauftragen kann.

Bereit, mit den Behörden zusammenzuarbeiten

Rund 1000 Schnelltests hat Erste Hilfe Dortmund in den letzten Wochen gemacht. Die 15 Mitarbeiter, die auch zu den Unternehmen fahren und dort Mitarbeiter vor Ort testen, könnten 500 Tests am Tag machen, „sobald wir wissen, wie die Finanzierung läuft.“

Das Beschlusspapier äußert sich nicht weiter zu der Organisation und Vergütung der Tests. Dies wird in einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums geregelt, die ebenfalls am Montag in Kraft treten soll. Derzeit stehen insgesamt 18 Euro Vergütung je Test (inklusive Materialkosten) zur Debatte.

Eigene Testkits oder die vom Bund?

Zudem sei nicht klar, sagt Reich, ob sie eigene, bereits eingekaufte Testkits verwenden könne oder die vom Bund nehmen müsse. „Ich sitze hier und weiß nicht, was ich machen soll. Bestelle ich jetzt noch 10.000 Tests, bleibe ich womöglich am Ende darauf sitzen. Das Einzige, was wir wissen ist, dass es am Montag losgehen soll.“

Auch Marcus Boxler, operativer Leiter des Covid-Zentrums im Konzerthaus, begrüßt die Ankündigung der kostenlosen Schnelltests, „weil damit endlich die flächendeckende Testung durchgeführt werden kann, die nötig ist, um das Virus effektiv einzudämmen.“ An allen Standorten, an denen das Covid-Zentrum vertreten sei, sei man bereit, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten, um die notwendigen Kapazitäten bereitzustellen, so wie bereits in Hamburg und Bremen vereinbart.

250 Tests in der Stunde am Flughafen

Im Testzentrum im Dortmunder Konzerthaus würden täglich bis zu 200 Tests durchgeführt, so Boxler: „Wir sind damit noch lange nicht an unseren Kapazitätsgrenzen.“

Der operative Leiter des Testzentrums am Flughafen, Sven Stute, ist auf alle Eventualitäten vorbereitet: „Wir müssen warten, was kommt.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass es ohne die privaten Testzentren nicht gehen wird „Es ist unmöglich, solche Massen ohne die Privaten zu testen.“ Seit Januar wurden auf der Ankunftsebene am Flughafen knapp 20.000 Corona-Schnelltests gemacht. „Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Kabinen schaffen wir 250 Tests in der Stunde.“

Man habe sich mit genug Testkits eingedeckt und könne die Zahl der Kabinen gegebenenfalls erweitern, so Stute: „Wir bereiten uns schon darauf vor, Schnelltests auch für abfliegende Passagiere anzubieten; denn wir vermuten, dass man demnächst nur noch mit negativen Schnelltests ins Flugzeug steigen darf.“ Das Einzige, was aber derzeit sicher sei: „Es muss alles sehr schnell gehen.“

Bei einem positiven Testergebnis soll man künftig gleich vor Ort noch eine weitere Probe nehmen lassen können, um das Ergebnis mit einem genaueren PCR-Test zu überprüfen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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