Der Musiker Mel Maroon vor dem Dortmunder Jazzclub Domicil. © Felix Guth
Livemusik

Konzerte trotz Lockdown: Ein Dortmunder Club macht vor, wie das geht

Ein Dortmunder Livemusik-Club hat wieder ein Konzertprogramm, obwohl keine Zuschauer hinein dürfen. Am Beispiel eines besonderen Konzerts am Freitag zeigt sich, wie das möglich ist.

Es ist ein bemerkenswerter Moment für einen musikaffinen Reporter in der Pandemie. Die Tür des Domicils an der Hansastraße öffnet sich. Und zum ersten Mal seit einem knappen Jahr geht es vorbei an der Bar in den Konzertsaal und dort auf die Bühne.

Der Anlass für den Besuch ist ein weit gereister Gast. Der gar nicht reisen musste, um hierher zu kommen. „Ich habe mich transformiert“, antwortet Mel Maroon auf Englisch auf die Frage, wie er denn in Pandemiezeiten aus Chicago nach Dortmund gekommen sei.

Swing-Abend auf dem Youtube-Kanal des Domicil

Mel Maroon ist laut eigener Biografie Swing-Sänger aus Chicago. Man munkelt, er sei das Alter Ego einer real existierenden Person aus Dortmund, offiziell aufgeklärt ist das bis heute nicht. Er tritt am Freitag (5. März) im Domicil auf. Natürlich ohne Publikum.

Die Show wird ab 20 Uhr auf dem Youtube-Kanal des Domicils live übertragen. Damit das richtige Gefühl für die Musik aufkommt, werden die 18 Songs in 69 Minuten („Rekordverdächtig“, findet Maroon) in Schwarzweiß gesendet.

In diesem Video gibt Mel Maroon einen kurzen Vorgeschmack auf den Konzertabend:

Die Zuschauer, so erzählt Mel Maroon im leeren Saal, dürfen sich zuhause gern in ihr schickes Swing-Outfit werfen, um in „Kommunikation mit uns Musikern auf der Bühne zu treten.“ Er wird Live-Fragen beantworten, das Publikum kann außerdem darüber abstimmen, welcher Swing-Klassiker auf Deutsch gesungen wird.

Neben dem Ton-Mischpult steht jetzt die Videosteuerung

Wie das Konzert auf die Bildschirme kommt, ist im Domicil an diesem Tag ebenfalls zu beobachten. Neben dem Ton-Mischpult steht seit einigen Wochen ein Videopult, mit dem mehrere Kameras angesteuert werden.

Mit Fördergeld des Bundes hat das Domicil das Equipment angeschafft. Der Club arbeitet mit mehreren Video-Teams zusammen, die für professionelle Kameraführung und Regie sorgen.

Während Mel Maroon auf der Bühne das Licht testet, geht es in einer Vorbesprechung am Video-Pult um Dinge wie Signale, Formate und Auflösungen.

Seit Dezember gibt es im Domicil ein regelmäßiges Streaming-Programm. In diesem finden auch die Kuratoren-Reihen wie „Jazz Lab“ wieder einen Platz. Die Zugriffszahlen zwischen einigen Hundert bis über 1000 sind aus Sicht von Programmchef Waldo Riedl gut.

Domicil-Programmchef: „Das neue Live dauert eine Woche“

„Das neue Live dauert eine Woche“, sagt Riedl. Denn so lange werden nach den bisherigen Erfahrungen Videos von Konzerten angeklickt.

Zuletzt veranstaltete das Domicil sogar ein mehrtägiges Festival, die „Creative Music Days“, inklusive atemberaubender Performances und digitalem Backstage-Talk. Waldo Riedl spricht von einer „europaweiten Resonanz“ auf diese Premiere.

„Wenn man es positiv sehen will, ist es für uns ein Input, der uns auch in Zukunft noch nützen kann“, sagt Waldo Riedl. Aktuell sei es eine Gelegenheit, weiter ein Musikprogramm anzubieten und den Künstlerinnen und Künstlern dafür auch Gage zu zahlen.

Vorbereitung auf Konzerte mit Publikum läuft im Hintergrund

„Aber wir bereiten uns auch auf Lösungen mit einem kleinen Publikum vor und darauf, dann auch sofort wieder mit Tickets in den Verkauf gehen zu können“, sagt der Domicil-Programmchef.

Mel Maroon jedenfalls ist froh, zurück sein zu können in seinem „second Wohnzimmer“. Zum 16. Mal serviert er den Swing-Abend, nur 2020 fiel das Event aus – wegen „Blinddarm“, wie der Mann mit dem zurückgegelten Zopf und dem schwarzen Anzug erzählt.

Zum ersten Mal seit dem vergangenen Sommer wird er überhaupt wieder auf einer Bühne stehen. Die Stimme ist jedenfalls noch da, wie er bei zwei kleinen Einlagen auf der Hansastraße und im Domicil-Saal beweist.

Mel Maroon gibt einen Vorgeschmack auf den Konzertabend unter rn.de/domicil

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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