Kommentar: Das Urteil ist angemessen – alles hätte noch viel schlimmer kommen können

dzBVB-Prozess

Das Urteil gegen den BVB-Attentäter Sergej W. ist angemessen und sendet zwei wichtige Signale, findet unser Gerichtsreporter Martin von Braunschweig.

Dortmund

, 27.11.2018, 15:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Urteil gegen Sergej W. ist aus mehreren Gründen ein wichtiges Signal. Zum einen haben die Richter gezeigt, dass es zwar das Recht eines jeden Angeklagten sein mag, die Dinge möglichst positiv für ihn darzustellen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man ihm das auch alles glauben muss.

Die Richter haben gesagt: Es ist lebensfremd zu behaupten, ich baue drei Bomben, bestücke sie mit Metallstiften, die ich extra vorher am Arbeitsplatz zurechtgesägt und –gefeilt habe, verstecke sie in einer Hecke, warte bis ein voll besetzter Bus vorbeifährt, drücke in diesem Moment auf den Fernzünder – und nehme bei alldem nicht mindestens in Kauf, dass Personen zu Schaden kommen könnten. Das würde jeder juristische Laie für Unsinn halten. Die Dortmunder Richter sehen das genauso. Und das ist gut.

Nicht der schlimmste mögliche Fall

Zum anderen hat das Schwurgericht aber auch ein Signal in die andere Richtung ausgesandt. Natürlich gibt es in diesem Fall gute Gründe, über eine lebenslange Haftstrafe nachzudenken, obwohl zum Glück kein Mensch getötet wurde. Wer aber die Höchststrafe verhängen will, muss für sich sagen: Dieser vorliegende ist der denkbar schlimmste Fall eines versuchten Mordes überhaupt.

Und an dieser Stelle haben die Richter offenbar auf die Bremse getreten und gesagt: Halt! Stopp! Nein. Es hätte alles noch viel, viel schlimmer kommen können. Und auch der Angeklagte hätte sich im Prozess noch ganz anders präsentieren können, als er es getan hat. Deshalb haben die Richter ein maßvolles Urteil gesprochen. Und auch das ist gut so.

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