Knöllchen fürs Parken ohne Schein und Scheibe gehen richtig ins Geld

dzEindeutige Regelung

Wer ohne Ticket oder Parkscheibe seinen Wagen länger irgendwo stehen lässt, für den wird‘s teuer. Diese Erfahrung musste auch der Dortmunder Reiner Thies jetzt machen.

von Britta Linnhoff, Kevin Kallenbach

Dortmund

, 13.11.2018, 16:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Reiner Thies hat keine guten Erinnerungen an den Tag, als er neulich sein Auto für drei Tage am Dortmunder Hauptbahnhof abgestellte. Er bekam ein Knöllchen und musste ordentlich nachzahlen. Geparkt hatte er sein Auto oben auf der großen Parkfläche. Kosten pro Tag: 3,50 Euro, günstig also. Er löste ein Ticket für drei Tage. Aber er verschätzte sich, was seine Rückkehr angeht. Er kam später als gedacht und musste einen weiteren vollen Tagessatz und eine Strafe von 30 Euro zahlen.

„Überzogen“ findet er das und ärgert sich. Er schreibt an die Contipark Parkgaragengesellschaft, die die Anlage bewirtschaftet. Die verweist auf ihre Vertragsbedingungen und auf die Tatsache, dass es schlicht zum Kontrollzeitpunkt keinen gültigen Fahrschein gegeben habe.

Wäre Thies aufgrund einer Zugverspätung nicht rechtzeitig zu seinem Auto gekommen, sei es bei der Firma Contipark üblich, die Strafgebühr zu erlassen. „Bei Vorlage entsprechender Nachweise reagiert der Betreiber selbstverständlich kulant“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Das zusätzliche Parkentgelt sei aber allerdings zu begleichen. Der Bahnsprecher gibt bei Unsicherheiten noch den Tipp, dass gelöste Parkberechtigungen bei Contipark ganz einfach online mit der App DB Bahnpark verlängert werden können.

Thies ist mit seiner Erfahrung kein Einzelfall. Vor allem Autofahrer, die ihren Wagen unbedacht auf Kundenparkplätzen zum Beispiel vor dem Supermarkt stehen ließen, machten in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen. Immer mehr Supermärkte sind im Laufe der letzten ein, zwei Jahre dazu übergegangen, ihre Parkflächen zu bewirtschaften, weil Kunden keinen Parkplatz mehr fanden.

Große Probleme am Westcenter an der Rheinischen Straße

Vor allem citynahe Geschäfte und solche, die direkt an Bahn- und U-Bahnlinien liegen, sind dazu übergegangen, die Flächen zu bewirtschaften. Weil viele Pendler die kostenlosen Parkplätze dazu nutzen, von dort in die Bahn zu steigen.

Genau mit dieser Situation sah sich zum Beispiel das Westcenter an der Rheinischen Straße konfrontiert. Für Kunden der hier ansässigen Geschäfte gab es kaum noch Parkmöglichkeiten. Zu viele Berufstätige nutzten den günstigen Standort an der U43 und U44, um der schwierigen Parksituation in der Innenstadt ein Schnippchen zu schlagen.

Betreiber beklagen Uneinsichtigkeit der Autofahrer

Die Folge war ein über die gesamte Woche voll besetzter Parkplatz. „Zettel an den Autoscheiben haben nichts genützt. Bei dem Versuch, mit den Leuten zu sprechen, sind diese teilweise ausfallend geworden, hieß es dort auf Anfrage. Auf ganzer Linie herrschte Uneinsichtigkeit“, heißt es bei der SW Limberg GmbH, dem Besitzer des ganzen Komplexes.

Als Gegenmaßnahme engagierte die Hausverwaltung, einen sogenannten Parkraumbewirtschafter: die Düsseldorf ansässige Fair-Parken GmbH. Die Mitarbeiter der Firma verteilen nun Knöllchen an Personen, die ihr Fahrzeug dort länger als drei Stunden abstellen. Die Parksituation habe sich seitdem für die Kunden deutlich gebessert, so die Meinung des Eigentümers.

Fair-Parken betreut in Dortmund nach eigenen Angaben 23 Parkplätze. Beim Unternehmen betont man, dass man sich kulant zeige, wenn man zum Beispiel durch den Kassenbeleg nachweisen können, dass man einkaufen war.

Verbraucherzentrale weist auf wichtige Voraussetzungen hin

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass bestimmte Voraussetzung für ein solches Vorgehen gegeben sein müssen: „Der Supermarkt muss deutlich über die Parkkonditionen informieren“, sagt Helene Schulte-Bories. Und: Der Supermarkt darf nicht wesentlich höher zulangen, als es Ordnungsamt und Polizei es für Parkverstöße tun. „Strafen fürs Parken auf privaten Flächen müssen sich an dem orientieren, was auch im normalen Straßenverkehr üblich ist“, sagt Helene Schulte-Bories von der Verbraucherzentrale. Wer länger als zwei Stunden ohne Parkschein irgendwo steht, muss 25 Euro berappen, sind es mehr als drei Stunden 30 Euro. Nachzulesen im Katalog des Kraftfahrtbundesamtes. Aber: Deutlich zu teure Knöllchen müsse man nicht akzeptieren, sagt Schulte-Bories. Da bietet die Verbraucherberatung im Fall des Falles auch Hilfe an. Die Zahl der Ratsuchenden sei aber überschaubar, sagt Helene Schulte-Bories.

Auch die Stadt Dortmund richtet sich nach eigenen Angaben nach dem Tatbestandskatalog des Kraftfahrtbundesamtes: Parken ohne Ticket mehr als zwei Stunden kosten auch hier 25 Euro und bei mehr als drei Stunden 30 Euro.

Abschleppwagen kommen auch zum Einsatz

Auch das Abschleppen ist auf den privaten Parkplätzen erlaubt. So finden Langzeitparker auf den Parkplätzen des Westfalen Einkaufszentrum konsequent ihren Weg auf die Ladefläche eines Abschleppwagens. Die zuständige Objektverwaltung Rechte Hand GmbH gibt auf Anfrage selber zu, sehr radikal mit Langzeitparkern ins Gericht zu gehen. Sie hat aber auf ihrem Grundstück in der Vergangenheit auch schon Dinge erlebt, die weit von entfernt davon sind, sein Auto ein paar Stunden länger dort stehen zu lassen.

So berichtet etwa Geschäftsführer Freiherr Gerhard Joachim von Plotho davon, dass manche Autofahrer einfach ihre Nummernschilder abmontiert hätten, um nicht abgeschleppt zu werden. „Die meisten bekommen wir trotzdem heraus“, meint von Plotho.

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