Kindern bewusst Zeit schenken: Beim Projekt „Mentor“ geht es um mehr als ums Lesenlernen

dzLesepaten-Projekt

Nicht alle Eltern können ihren Kindern so viel Zeit schenken, wie sie gerne möchten. Das Projekt Mentor will an dieser Stelle ansetzen – und sucht dafür viele neue Helfer.

Dortmund

, 10.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Melani ist sichtlich stolz. Zwei Schulhefte hat sie in den vergangenen zwölf Monaten mit dem gefüllt, was sie gelernt hat. Neue Wörter, Interessantes über Tiere, Bastelanleitungen. Die Hefte sind bunt verziert, auf dem einen steht ihr Name, das andere hat ein Ozean-Muster.

Aus einer Seite fällt ein selbstgefaltetes Himmel-und-Hölle-Spiel raus, es wurde so angemalt und verziert, dass es aussieht wie ein Tiger. „Wenn du Lust hast, können wir gleich noch einen Frosch machen“, sagt Ilse Bruckmann zu ihr.

Einmal in der Woche treffen die beiden sich in Melanis Schule, der Diesterwegschule in der Nordstadt, um zu basteln, sich zu unterhalten und vor allem, um gemeinsam zu lesen. Ilse Bruckmann ist fast 70 Jahre älter als Melani. Die Rentnerin und die Zweitklässlerin sind Teil des Dortmunder Projekts Mentor. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Sprach- und Lesefähigkeiten von Grundschülern zu fördern. Nicht durch Nachhilfe, nicht durch Förderklassen, sondern durch gemeinsame Zeit mit einem ehrenamtlichen Mentor.

„Du bist viel mutiger geworden, oder?“

„Viele Kinder kennen es gar nicht, dass jemand ihnen bewusst so viel Zeit schenkt“, sagt Daniela Köchling. Köchling ist nicht nur Lehrerin an der Diesterweg-Grundschule, sondern auch im Vorstand von Mentor. Eltern seien aus verschiedenen Gründen nicht immer in der Lage, ihren Kindern so viel Zeit zu widmen, wie sie es gerne möchten.

Dass sich ihnen jemand für eine Stunde lang widmet, auf sie eingeht und sie fördert sei für die Lesekinder das Entscheidende, sagt Köchling. „Du bist viel mutiger geworden im letzten Jahr, oder, Melani?“, fragt Klassenlehrerin Mirka Hahn. Melani nickt bescheiden. Mit jeder Minute, in der sie von ihren Lesestunden mit Ilse Bruckmann erzählt, blüht sie mehr auf.

Sie zeigt einen Drachen, den sie im Herbst gefaltet haben, Listen mit Büchern, die sie schon gelesen hat und liest eine kleine Geschichte vor, die sie Bruckmann diktiert hat, über eine Katze, die sie im Urlaub gesehen hat. In ein altmodisches Buch mit Tagebuch-Schloss hat Bruckmann die Wörter geschrieben, die sie Melani zuletzt erklärt hat: Symbol, Protest, Demonstration.

Kindern bewusst Zeit schenken: Beim Projekt „Mentor“ geht es um mehr als ums Lesenlernen

Ihre gemeinsamen Lesestunden dokumentieren Melani und Ilse Bruckmann in Schulheften. Seit einem Jahr basteln, lesen und malen sie gemeinsam im Rahmen des Mentor-Projekts. © Marie Ahlers

Lesen vom Drachen, der pupst

Melani liest mittlerweile richtig gerne, zu Hause, in der Leseecke der Klasse, im offenen Ganztag. Ihr Lieblingsbuch? „Das mit dem Drachen, der immer pupst.“ Gemeint ist das Kinderbuch „Ritter Arthur und der Drache Pups“.

Früher hat Bruckmann im Kindergarten vorgelesen, noch davor war sie selbst Lehrerin. Von dem Projekt hat sie in einem Artikel unserer Redaktion erfahren. Sie meldete sich als ehrenamtliche Mentorin und lernte wenig später Melani kennen: „Und ich habe es nicht bereut.“

Mentor - Die Leselernhelfer e.V.

Mentoren gesucht!

  • Über 160 Mentoren sind bereits an 46 Dortmunder Grundschulen im Einsatz. Doch das Projekt soll weiter wachsen: Mentor sucht weitere Freiwillige, die Zeit und Lust haben, sich pro Woche für eine Stunde mit einem Grundschulkind zum Lesen, Spielen, Basteln und Erzählen zu treffen.
  • Kontakt: kontakt@mentor-dortmund.de, Telefonnummer: 0162 8794895, www.mentor-dortmund.de
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bus und Bahn
Beschwerden aus vielen Stadtteilen: Linienbusse lassen Schüler in Dortmund stehen
Hellweger Anzeiger Gesundheit
So viele Grundschüler haben in Dortmund schlechte Zähne – trotz Unterrichts in Zähneputzen
Hellweger Anzeiger Schulmüde Kinder
Hunderte Strafen für Schulverweigerer – Zahlen in Dortmund steigen massiv