Kastrationspflicht: Prämie statt Strafe für Katzenbesitzer?

dzKatzenschutzverordnung

Die Stadtverwaltung will nach wie vor keine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen einführen. Sie verfolgt stattdessen eine andere Strategie, um Katzenbesitzer zu ködern.

Dortmund

, 03.10.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den Streit zwischen Tierschützern und Ordnungsverwaltung um die Einführung einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für freilaufende (Besitzer-)Katzen hat sich jetzt Oberbürgermeister Ullrich Sierau eingeschaltet. Anlass, sagt er, sei ein Brief, den ihm Erika Scheffer, langjährige Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, geschrieben habe. Darin forderte sie Unterstützung für den vierten Anlauf von Tierschutz- und Katzenschutzverein, eine Katzenschutzverordnung in Dortmund einzuführen.

Hintergrund für die Forderung ist, dass sich nicht kastrierte Freigängerkatzen aus Privathaushalten mit frei lebenden Katzen paaren und der Nachwuchs sich dann in der Natur selbst überlassen bleibt. Überpopulation und Tierelend, ausgelöst durch Krankheiten, Unterernährung und Verletzungen sind die Folge – sowie weitere unkontrollierte Vermehrung. Aus diesem Grund haben bereits 767 Städte und Gemeinden in Deutschland eine Katzenschutzverordnung eingeführt, verbunden mit Ordnungsstrafen von bis zu 1000 Euro.

Risiken und Nebenwirkungen

OB Sierau hat allerdings Zweifel, „ob das funktioniert. Wenn wir hier etwas machen, dann machen wir das auch, damit es klappt.“ Es gebe Risiken und Nebenwirkungen. Zum einen müsse die Stadt möglicherweise Personal einstellen. „Und was tue ich Familien emotional an, wenn ich die Katze einfange, um sie kastrieren zu lassen?“

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Er wolle nun „parshippen“, sagte Sierau salopp – und meinte damit, Erika Scheffer und den Ordnungsdezernenten Norbert Dahmen an einen Tisch zu bringen. Dahmen befürchtet, dass bei der Überprüfung einer Katzenschutzverordnung das Oberverwaltungsgericht diese wieder einkassieren könnte. Dahmen: „Dann haben wir als Stadt gar nichts davon.“ Im Gegensatz zu bestehenden gebe es bei neuen Katzenschutzverordnungen erweiterte rechtliche Möglichkeiten für potenzielle Kläger. Außerdem sei eine Kastrationspflicht nicht zu kontrollieren. Gleichzeitig hat Dahmen angekündigt, eine Umfrage unter Städten mit Kastrationspflicht zu starten. Er will wissen, wie gezielt dort kontrolliert wird.

Idee aus der SPD-Ratsfraktion

Bislang hat zwar niemand gegen eine Katzenschutzverordnung geklagt, doch Sierau und Dahmen wollen als Alternative eine Idee prüfen, die aus der SPD-Ratsfraktion stammt. Der OB: „Wir wollen auf die Besitzer von Katzen zugehen. Wir wollen eine Regelung haben, die Tierschutzcharakter hat, katzenfreundlich ist und das Leid der Katzen reduziert.“

Man denke statt an eine Strafe an eine Prämie. Man wolle nicht „über eine Verordnung und brachiale Instrumente, sondern über nachhaltige Freiwilligkeit“ Katzenbesitzer dazu bewegen, ihre freilaufenden Tiere kastrieren zu lassen, so Sierau. Ein städtischer Zuschuss von 30 bis 50 Euro könne entsprechende „Anreize schaffen“, ergänzte Dahmen.

Darüber wolle man nun „in den Dialog“ mit den Tier- und Katzenschützern kommen, kündigte der OB an. Erika Scheffer allerdings hält bislang nicht viel von der Idee. Der Tierschutzverein werde weiter auf einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht bestehen, sagte sie gegenüber dieser Redaktion. Statt den städtischen Haushalt zu belasten, könne man mit einer Katzenschutzverordnung dafür sorgen, „dass der Kämmerer mehr in die Kasse kriegt“. Das sage sie auch als gelernte Kauffrau.

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