Keine Erstattung mehr für Corona-Tests ohne konkreten Verdacht

dzCoronavirus

Bisher haben Stadt und Kassenärztliche Vereinigung bei Corona-Tests gut zusammengearbeitet. Jetzt gibt es aber Ärger. Denn die Kassenarzt-Vereinigung will bestimmte Tests nicht mehr zahlen.

Dortmund

, 18.05.2020, 12:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr testen, lautet eine Empfehlung, um einen Überblick über die Ausbreitung des Coronavirus zu bekommen. Eine aktuelle Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) geht aber eher in eine andere Richtung.

In Briefen an Kommunen kündigte die Vertretung der Kassenärzte an, dass sie Kosten für Tests ohne konkreten Verdacht ab dem 20. Mai (Mittwoch) nicht mehr abrechnen könne.

Es geht um Tests an „asymptomatischen Personen“, also für Menschen ohne erkennbare Symptome, die dem Gesundheitsamt nicht mehr erstattet werden sollen.

Als erstes schlug die Stadt Bochum Alarm, die ein eigenes Testzentrum betreibt und auch Personen in besonderen Risikobereichen wie in Pflegeheimen oder beim Rettungsdienst ohne konkreten Verdacht untersuchen lässt. Diesen Screenings werde nun die Grundlage entzogen.

Kritik aus Bochum und Dortmund

„Die Städte werden allein gelassen, obwohl es eine grundsätzliche Aussage von Bundesgesundheitsminister Spahn gibt, dass die präventive Testung gerade in Alten- und Pflegeheimen Aufgabe der Krankenkassen ist. Hier soll an der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger gespart werden“, kritisiert Sebastian Kopietz als Leiter des Bochumer Krisenstabs.

Der Kritik schließt sich auch seine Dortmunder Amtskollegin, Sozialdezernentin Birgit Zoerner, an. „Die Stadt Dortmund hat ein ganz ähnliches Schreiben wie die Stadt Bochum bekommen. Das konterkariert die bisher wirklich gute Zusammenarbeit mit der KVWL, die sehr zu den guten Ergebnissen bei den Corona-Zahlen für Dortmund beigetragen hat“, erklärte sie auf Anfrage.

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Mit dem Hinweis auf die gute Zusammenarbeit nimmt Birgit Zoerner Bezug auf die bisherigen Arbeitsteilung.

Nachdem das städtische Gesundheitsamt ein eigenes Testzentrum gestartet hatte, wurde die Corona-Diagnostikstelle am Klinikum Nord von der Kassenärztlichen Vereinigung komplett übernommen und später auch ein weiteres Testzentrum in der Nordtribüne des Signal Iduna Parks eingerichtet. Allein dort seien bislang fast 1000 Patienten untersucht worden, teilt die KVWL mit.

Der Betrieb des Testzentrums im Stadion wird am Mittwoch (20. Mai) allerdings eingestellt. Hintergrund sei, so die KVWL, die Entwicklung der Coronavirus-Infektionszahlen in Dortmund. Denn seit geraumer Zeit werden hier kaum noch Neuansteckungen mit dem Corona-Virus registriert. Außerdem könnten die Tests jetzt über die Arztpraxen, in denen jetzt ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung stehe, abgewickelt werden.

Gesetzesänderung ist schon verabschiedet

„Die momentane Infektionslage bedeutet für uns, dass wir die neu geschaffenen Strukturen sukzessive zurückfahren können, damit Patienten und Ärzte langsam wieder in den normalen Praxisalltag zurückfinden – natürlich nur unter Einhaltung der allgemeinen Hygienevorschriften“, erklärten Dr. Volker Schrage, zweiter Vorsitzender der KVWL, und Vorstandsmitglied Thomas Müller.

Zur Kritik der Städte heißt es auf Nachfrage bei der KVWL, dass nach den aktuellen Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI) die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen bislang ausschließlich für die Testung von Patienten mit Symptomen bestehe.

Allerdings: Am vergangenen Freitag verabschiedete der Bundestag eine Gesetzesänderung, nach der künftig auch die Kosten „für asymptomatische Testungen“ von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Warum man vor diesem Hintergrund ausgerechnet jetzt die bisherige großzügige Regelung aufgebe, erklärte eine Sprecherin der KVWL auf Nachfrage mit der noch fehlenden Rechtsverordnung für das neue Gesetz. Man wisse ja nicht, wann sie komme und wie Vergütung und Abrechnung neu geregelt werden.

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