NRW-Innenminister Herbert Reul (2.v.r.) mit dem Dortmunder CDU-Bundestagskandidaten und Hörder ezirksbürgermeister Michael Depenbrock (r.) am Phoenix-See. © Kevin Kindel
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Kampf gegen Raser und Poser: „Die Polizei wird das endlos durchhalten“

NRW-Innenminister Herbert Reul hat den Posern und Tunern in Dortmund eine Kampfansage gemacht. Auch zu einem anderen aktuellen Problem hatte er Wichtiges zu sagen.

Es ist Bundestagswahlkampf, und in diesen Zeiten kommen immer wieder politische Zugpferde nach Dortmund, um für ihre Partei und ihre Parteifreunde zu werben. Am Freitag (30.7.) machte sich NRW-Innenminister Herbert Reul als Schützenhilfe für den Dortmunder CDU-Bundestagskandidaten und Hörder Bezirksbürgermeister Michael Depenbrock auf den Weg zum Phoenixsee.

Den Hörder See hatte die CDU als passenden Schauplatz für gleich zwei Probleme ausgewählt, die die Dortmunder aktuell beschäftigen: die Belästigungen durch die Poser- und Tunerszene sowie der Hochwasserschutz.

Doch kaum war der Minister gegen 14 Uhr an der Hörder Burg aus der dunklen Limousine gestiegen, führte sein erster Weg für einen kurzen Plausch zu den Polizeibeamten, die zu seiner Sicherheit abgestellt waren. Beim anschließenden Rundgang ließ sich der Minister von Michael Depenbrock erklären, wie wichtig der Phoenixsee als Auffangbecken für die Wassermassen beim Unwetter am 14. Juli war. Der See-Pegel stieg um 0,70 bis 1 Meter.

„Wir müssen beim Warnen besser werden“

Die Unwetterkatastrophe habe einmal mehr gezeigt, dass Ausweichflächen für das Wasser sorgfältig geplant werden müssen, stellte der Minister später beim eigens anberaumten Dialog mit Bürgern am Hafen fest. Das praktizierte dezentrale Warnsystem, über dessen Einsatz in Dortmund der städtische Krisenstab entscheidet, habe sich bewährt, dennoch müsse man darüber nachdenken, „beim Warnen besser zu werden“.

Eine der wichtigsten Warnmethoden seien Sirenen. Er habe 2018 die Sirenen in NRW wieder eingeführt, betonte Reul, doch noch gebe es sie nicht überall, und nicht jeder wisse, was ein Heulton bedeute. Eine Möglichkeit sei, so der Minister, einen Ton eigens für Hochwasser einzuführen: „Wenn die Oma denkt, ,die Sirene heult, da sind wir immer in den Keller gegangen‘, wäre das bei Hochwasser ungünstig.“

Die Nina-App sei beim Unwetter „nicht der größte Clou gewesen“, räumte Reul ein, mehr Erfolg verspreche „Cell Broadcast“. Diese Technologie ermöglicht gezielte Handy-Warnungen an diejenigen, die sich in einem gefährdeten Gebiet aufhalten. „Den einen zu informieren und den anderen gar nicht nervös zu machen, ist klug“, sagt Reul.

„Da bin ich wild entschlossen“

Am Ende werde ein Warn-Mix herauskommen. Der Handy-Alarm werde Sirenen, die Warn-App Nina sowie Lautsprecher-Durchsagen von Polizei- und Feuerwehrwagen ergänzen. „Wenn es konkret wird, man auch an der Tür klingeln müssen“, sagte Reul. Am wichtigsten bleibe aber, wieder das Bewusstsein für Katastrophen zu schärfen.

Zum Kampf der Polizei gegen die Szene der Poser, Tuner und Raser, die abwechselnd auf dem Wall, am Phoenixsee und am Hafen für Unruhe sorgt und eine Belastung für die Anwohner ist, machte der Innenminister eine klare Ansage: „Die Polizei wird das endlos durchhalten. Da bin ich wild entschlossen.“

„Nerven, bis die keine Lust mehr haben“

Reul hatte sich zuvor von den beiden diensthabenden Polizeihauptkommissaren Andrea Berning und Ralf Schneider das sogenannte „Blech-Tindern“ erklären lassen, das er selbst schon mal im vergangenen Januar am Dortmunder Wall beobachten konnte.

„Früher sind wir in die Diskothek gegangen und haben Mädels angebaggert“, sagte der Minister, „heute macht man das im Auto, dreht die Scheibe runter und protzt mit seinem Wagen.“ Man könne diese Poser in einem Rechtsstaat nicht einfach verhaften oder ihre geliebten Autos beschlagnahmen, aber Kontrollen machen und Straßen sperren. Reul: „Wir müssen die nerven, bis die keine Lust mehr haben.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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