Jüngstes Ratsmitglied kickt SPD-Bürgermeisterin Jörder aus dem Amt

dzKommunalwahl in Dortmund

Hannah Sassen hat Bürgermeisterin Birgit Jörder das Ratsmandat abgenommen und ist nun Dortmunds jüngste Ratsfrau. Für die Nordstadt hat die Vertreterin der Grünen Jugend besondere Ziele.

Dortmund

, 12.10.2020, 04:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hannah Sassen weiß, was sie will. Das spürt man gleich, wenn man sich mit ihr unterhält. Ein besonderes Ziel hat sie schon erreicht: Sie zieht als Vertreterin der Grünen Jugend in den Rat der Stadt ein. Hannah Sassen ist dann mit 24 Jahren das jüngste aller Ratsmitglieder.

Und das ist nicht das einzig Ungewöhnliche. Ungewöhnlich ist auch die Art und Weise, wie sie in den Rat eingezogen ist. Denn sie hat ihren Wahlkreis in der Nordstadt mit dem südlichen Hafenquartier direkt gewonnen - und damit mitten ins Herz der SPD getroffen, die hier seit Jahrzehnten den Ton angab.

Sieg gegen SPD-Bürgermeisterin

Ausgerechnet Bürgermeisterin Birgit Jörder hat Hannah Sassen aus dem Feld geschlagen. Bei der Ratswahl am 13. September hatte die Grünen-Nachwuchspolitikerin mit 29,5 zu 21,3 Prozent einen satten Vorsprung von 8,2 Prozentpunkten. Weil auch die Reserveliste der Sozialdemokraten nicht zieht, hat es Birgit Jörder nicht mehr in den Rat geschafft und muss auch ihr Amt als Bürgermeisterin aufgeben.

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Man merkt Sassen an, dass ihr dieser Umstand regelrecht leid tut. „Für sie persönlich ist das hart“, stellt die 24-Jährige fest. Bislang hatte sie noch keinen Kontakt zu Jörder, hofft aber, dass sich das noch ergibt und dass sie sich einmal austauschen können. Ganz im Sinne der Nordstadt, für die sie beide angetreten sind.

Denn die Nordstadt liegt Hannah Sassen besonders am Herzen. Sie ist selbst vor fünf Jahren aus Bonn nach Dortmund gekommen, um hier an der TU Raumplanung zu studieren. „Das Image der Nordstadt ist sehr einseitig negativ“, stellt sie fest. „Aber es ist im positiven Sinne der brodelndste und aktivste Stadtteil, etwa was die Arbeit von Initiativen angeht.“

Klimawandel und Nordstadt

Sassen selbst ist über das Studierendenparlament politisch aktiv geworden, seit drei Jahren in der Grünen Jugend und nun vor allem auch im Grünen-Ortsverband Nord aktiv. Als Ratsvertreterin will sie jetzt „noch mal tiefer in die Nordstadt einsteigen“, sagt sie.

Das Master-Studium in Raumplanung bildet dabei den Hintergrund für ihre politischen Interessen. Es geht um Klimawandel und Klimaanpassung. In diesem Bereich arbeitet Sassen auch als studentische Hilfskraft am Institut für Raumplanung.

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Aber auch das Thema Chancengleichheit ist ihr wichtig. Die Nordstadt ist der kinderreichste Stadtteil, aber auch der mit der größten sozialen Schieflage. „Man muss viel in der Jugendarbeit tun. Sie ist auch eine wichtige Brücke zu Zuwanderern“, sagt Hannah Sassen.

Der Hafen als „Riesenpotenzial“

Ein Projekt, das sie als Raumplanerin und jetzt auch als Ratsvertreterin mit besonderem Interesse verfolgt, ist die Entwicklung der Speicherstraße. Hier soll ein neues digitales Hafenquartier entstehen.

„Das ist ein Riesenpotenzial, das der Nordstadt erschlossen werden sollte“, ist Hannah Sassen überzeugt. Aber auch für die Nordstadt und mit der Nordstadt. Deshalb sei es wichtig, dass etwa die Hafeninitiative, die sich gebildet hat, im Planungsprozess mitreden könne.

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Sie selbst würde dazu gern im Bauausschuss des Rates oder im Ausschuss für Stadtgestaltung mitarbeiten. Die Entscheidung darüber werde aber in der Grünen-Ratsfraktion getroffen, erklärt die Nachwuchspolitikerin.

Und sie setzt dabei auch auf die Unterstützung erfahrener Ratsvertreterinnen und -vertreter. „Wir sind da als Grüne Jugend in der Fraktion eng vernetzt“, stellt Sassen fest. Und man merkt, dass sie sich auf das neue Leben als Ratspolitikerin freut.

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