Johannes-Hospital wehrt sich gegen schlechte Einstufung

dzKrankenhaus-Qualität

Eine bundesweite Erhebung zur Krankenhaus-Qualität wirft dem Johannes-Hospital „unzureichende Qualität“ in der Brustchirurgie vor. Laut dem Krankenhaus ist die Einstufung falsch.

Dortmund

, 14.11.2018, 04:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Projekt, das 2014 von der Großen Koalition auf den Weg gebracht wurde. Fundiert sollte die Qualität der deutschen Krankenhäuser überprüft und Schwachstellen gefunden werden. Die Daten von 1085 Krankenhäusern wurden 2017 betrachtet, 73 Häusern wurde jetzt eine „unzureichende Qualität“ attestiert.

Auch in Dortmund steht jetzt ein Krankenhaus auf dieser Negativ-Liste: Das in der Innenstadt gelegene Johannes-Hospital, hier ist der Bereich Mammachirurgie betroffen. Was für ein Brustzentrum, und das ist das Johannes-Hospital, erhebliche Folgen haben kann. Auch weil der G-BA (gemeinsamer Bundesausschuss), der die Datenauswertung jetzt veröffentlicht hat, kein unbedeutender Verein ist: Der G-BA wird von den vier Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen (Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband) gebildet. Die Bereiche, in denen vom G-BA Daten nach verschiedenen Indikatoren ausgewertet wurden, sind drei: Gynäkologische Operationen, Geburtshilfe und eben Mammachirurgie - das sind Operationen bei Brustkrebs.

Wurde der komplette Tumor entfernt?

Vereinfacht gesagt geht es bei dem Problem um die Frage, wie nach der Entfernung von bestimmten Tumoren untersucht wird, ob auch tatsächlich der komplette Tumor entfernt wurde. Das ist einerseits wichtig, da möglichst alle Tumorzellen entfernt werden müssen. Andererseits ist das nicht einfach, denn es gibt Tumorsorten, die an ihren Rändern quasi „ausfransen“.

Um zu bestimmen, ob der Tumor komplett entfernt wurde, bewertet der G-BA - hier wird es etwas komplizierter - als Standard die „Intraoperative Präparatradiografie oder intraoperative Präparatsonografie bei mammografischer Drahtmarkierung“. Das Johannes-Hospital setzt diese Technik nicht ein und hat daher eine „unzureichende Qualität“ attestiert bekommen. In dem Dortmunder Krankenhaus setzt man auf das „intraoperative Schnellschnitt- oder Gefrierschnittverfahren“.

Ein guter Ansatz, sagt das Krankenhaus - aber hier doch falsch

Für die Experten im Johannes-Hospital ist das von ihnen angewandte Verfahren das sicherere. Chefarzt Dr. Georg Kunz: „Unser Brustzentrum kann aufgrund der besonderen Nähe zur Pathologie und des zeitlich parallelen Verfahrens ein zuverlässiges Untersuchungsergebnis vorweisen.“ Der Schnellschnitt werde während der OP per Rohrpost in Minutenschnelle in die angeschlossene Pathologie geschickt, so dass bereits direkt während der OP weitere Behandlungsmaßnahmen umgesetzt werden könnten.

Bestraft für die bessere Technik?

Aus der Sicht des Brustzentrums wird es jetzt also auf einer Negativ-Liste geführt, weil es eine Technik anwendet, die es als fortschrittlicher erachtet als den geforderten Standard. Johannes-Hospital-Sprecherin Gudula Stroetzel vermutet, dass der G-BA die intraoperative Präparatsonografie als Standard in seine Leitlinien aufgenommen hat, „um die medizinische Qualität in Krankenhäusern zu stärken, die aufgrund von örtlichen Entfernungen nicht die Möglichkeit haben, pathologische Diagnostik im Schnellverfahren durchzuführen“. Ein prinzipiell guter Ansatz, der aber für das Johannes-Hospital, so sieht es jetzt das Krankenhaus, dennoch nicht richtig ist.

Jetzt halt zwei Verfahren

Die Daten, die das Johannes-Hospital vom G-BA vor dessen Veröffentlichung bekommen hat, hat das Krankenhaus gegenüber dem Ausschuss nicht kommentiert. Vielleicht war das ein Fehler, vielleicht hätte man so vermeiden können, auf der Negativliste aufzutauchen.

Die Daten stammen aus dem Jahr 2017. Um von der Negativ-Liste wieder herunter zu kommen, fährt man in dem Dortmunder Krankenhaus jetzt zweigleisig. Da der G-BA in seinen Leitlinien die Präparat-Sonografie fordert, wird die jetzt seit Anfang des Jahres zusätzlich durchgeführt. Neben dem Schnellschnittverfahren, das weiterhin eingesetzt werden soll.

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