Ist Kommissarin Bönisch eine Verbrecherin? Der Dortmund-Tatort im Strafrechts-Check

dzTatort „Monster“

Im neuen Dortmund-Tatort am Sonntag ging das Team um Kommissar Faber mehrfach an die Grenzen des Erlaubten – oder sogar darüber hinaus? Wir haben einen Strafrechts-Anwalt gefragt.

Dortmund

, 03.02.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eins vorweg: Wer den Dortmunder Tatort „Monster“ von vergangenem Sonntag noch nicht gesehen hat, sollte jetzt aufhören zu lesen. Für alle anderen, haben wir drei markante Szenen von Faber, Bönisch und Pawlak dem Check durch einen Fachanwalt für Strafrecht unterzogen.

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Der Plot in Kürze: Die fünfjährige Tochter von Kommissar Pawlak wird entführt und soll an einen Kinderschänder-Ring versteigert werden. Als wäre das nicht schlimm genug, taucht Kommissar Fabers Erzfeind Marcus Graf wieder auf und will die Entführung nutzen, um Faber zum Suizid zu zwingen. Ein finsteres Rennen gegen die Zeit beginnt.

1. Die falsche Staatsanwältin

Im Zuge ihrer Ermittlungen nehmen Kommissarin Dalay und Kommissar Pawlak einen mutmaßlichen Kinderschänder fest. Er bietet an, Informationen preiszugeben, wenn er dafür straffrei ausgeht. Doch die Kommissare haben Vorbehalte gegen den Deal.

Kommissarin Bönisch verkleidet sich daraufhin als Staatsanwältin, legt dem Verdächtigen ein Dokument vor und baut so lange Druck auf, bis dieser in dem Glauben unterschreibt, es handele sich um den erwünschten Deal.

„Hier sind wohl die Grenzen der kriminalistischen List überschritten“, sagt dazu Dr. Ralf Bleicher von der „Kanzlei am Königswall“. Es handele sich demnach wahrscheinlich um eine unzulässige Täuschung.

Denkbar sei auch, dass die Kommissarin sich der Nötigung oder des Missbrauchs eines Titels schuldig gemacht habe. „Wenn es zu der Beurteilung der Schuld käme, spielt dann aber natürlich auch eine Rolle, dass ein Menschenleben in Gefahr war.“

2. Der wütende Kommissar

Kommissar Pawlak, dessen Tochter vom unbekannten Entführer festgehalten wird, nimmt selbst aktiv an den Ermittlungen teil. Man merkt ihm an, wie nah ihm das geht. In einer Szene will er „fünf Minuten allein“ mit einem Verdächtigen im Vernehmungsraum sein.

Darf ein so klar Betroffener selbst ermitteln? „Befangenheit gilt bei Polizisten jedenfalls nicht. Das betrifft vor allem Richter“, sagt Dr. Ralf Bleicher. Eine solche Konstellation könne aber durchaus Auswirkungen auf den Beweiswert von Ergebnissen der Arbeit des Ermittlers haben. In der Praxis sei ein solches Vorgehen daher wahrscheinlich nicht erlaubt.

3. Die Mörderin mit der unverhofften Chance

Natürlich gibt es auch in diesem Tatort eine Mörderin. Sie wird allerdings direkt am Anfang festgenommen, nachdem sie einen Mann getötet hat, der sie selbst als Kind misshandelt hat. Bei der Vernehmung offenbart sich dann Stück für Stück, dass die Mörderin und Marcus Graf unter einer Decke stecken.

Um schließlich den Aufenthaltsort von Fabers Erzfeind zu verraten, verlangt die Frau einen Deal: Sie will einem weiteren ihrer Peiniger von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Kommissar Faber geht darauf ein. Bei der Gegenüberstellung ersticht die Mörderin ihren ehemaligen Entführer.

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„Ich will ähnliche Deals nicht völlig ausschließen“, sagt dazu Dr. Ralf Bleicher von der „Kanzlei am Königswall“. Bei Beschuldigten komme es zum Beispiel vor, dass sie im Austausch für Informationen ein milderes Strafmaß in Aussicht gestellt bekommen.

Die Szene aus dem Tatort hält Bleicher dann aber doch für eher unrealistisch. „In so einem Szenario würden die Personen auf jeden Fall durchsucht. Und den Verdächtigen könnte man ohnehin nicht zwingen, einem vermeintlichen Opfer gegenüber zu treten.“

Realität und Fiktion

Trotz aller Widersprüchlichkeiten bei der Polizeiarbeit des Teams um Kommissar Faber – der Tatort selbst bleibt natürlich Fiktion. „Es kommt ja nicht nur darauf an, dass alles strafrechtlich sauber ist“, sagt Dr. Ralf Bleicher. „Es geht ja auch darum eine Geschichte zu erzählen.“

In diesem Sinne werden Faber, Bönisch und Kollegen wohl noch mal davonkommen.

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